"Essen, schlafen, Kopf kaputt"

"Verdammte Probleme", haben Sear Sael und Sameer Omar, wie man auf dem Shirt lesen kann. Trotzdem gelingt ein Lächeln. Die jungen Männer sind derzeit im Pucher Flüchtlingsheim untergebracht.
  • "Verdammte Probleme", haben Sear Sael und Sameer Omar, wie man auf dem Shirt lesen kann. Trotzdem gelingt ein Lächeln. Die jungen Männer sind derzeit im Pucher Flüchtlingsheim untergebracht.
  • hochgeladen von Theresa Kaserer

PUCH (tres). "I had no good life", sagt Sameer Omar. Wir unterhalten uns auf Englisch, aber "ich kann schon ein bisschen Deutsch", sagt der 21-Jährige, der ursprünglich aus Somalia stammt.

Nachdem sein Vater in seinem Heimatland vor seinen Augen getötet wurde, kam er mit Hilfe einer Freundin der Familie nach Jemen.

Was heißt "No good life"?

In Somalia gibt es immer wieder Kämpfe zwischen Bürgerkriegsparteien, im Jemen terroristische Anschläge durch das Terrornetzwerk Al-Qaida.
Auch Omars Bruder starb schließlich durch eine Bombe.
Der 21-Jährige zeigt ein Handyvideo: "That's my home", erklärt der Somalier. Zu sehen sind eine staubige Gasse, desolate Häuser und Menschen, die in Panik flüchten: Gerade ist in der Nähe eine Bombe hochgegangen.

Über Griechenland landete der junge Mann auf seiner Flucht in Österreich, wo er nun hofft, dass er Asyl bekommt.
Denn dann bekommt Omar einen Pass, mit dem er einem Österreicher fast gleichgestellt wäre, mit allen Rechten und Pflichten: Das heißt, er kann um Mindestsicherung (derzeit 827,83 Euro) ansuchen, arbeiten und sich eine Wohnung suchen.

Omar möchte arbeiten, darum lernt er Deutsch. Was er noch möchte? "I want a good future for myself. I want to be a good guy and marry and I don't want my children to see what I have seen. I don't want my children to lose me and I don't want to lose my children."

"I have nothing - ich habe nichts"

Über alle Schreckensbilder, die er gesehen hat, möchte Omar nicht sprechen, aber er erzählt, wie sein Vater und sein Bruder gestorben sind und seine Augen füllen sich mit Tränen.

Auch Sear Sael hat einiges mitgemacht. Der Afghane spricht schon gut Deutsch. Sael musste flüchten, weil er um sein Leben fürchtete: "Ich kann nicht zurück", sagt der 20-Jährige.
In ganz Afghanistan besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden, weiß das Auswärtige Amt.
"I have nothing - ich habe nichts", sagt Sael, der wie Omar auf Asyl hofft.
Die zwei sind mit 38 weiteren Personen im Flüchtlingsheim Puch untergebracht.

Die zwei jungen Männer sind dankbar, dass sie in Österreich sein dürfen: "Die Salzburger sind nett und das Essen ist sehr gut, ich mag Schnitzel", sagt Sael. "Der Schnee", lächelt Omar auf die Frage, was ihm besonders an Österreich gefällt, und dass es hier keine Bomben gibt.

Die Folgen von Folter

Dietmar Egle ist einer der Betreuer von der Caritas. "Leider dauern die Asylverfahren oft lange: zwischen drei Monaten und vier Jahre." Die Lebensgeschichten seiner Asylwerber hört er sich nie an, "weil ich das nicht aushalten würde."

Die Sachen, die circa einmal im Jahr in den Flüchtlingsheimen selbst passieren, reichen dem Sozialarbeiter: "Immer wieder versucht sich einer, das Leben zu nehmen. Es gibt oft psychische Erkrankungen, wie Depressionen - Folgen von Folter und Vergewaltigung."

Der Alltag: Langeweile

"Essen, schlafen, essen, schlafen, Kopf kaputt", das hört Egle beinahe jeden Tag von den Flüchtlingen: "Den Leuten ist so langweilig, sie dürfen ja nicht arbeiten. So sitzen sie oft den ganzen Tag nur noch in ihren Zimmern. Menschen, die anfangs motiviert und intelligent und zu einer normalen Tagesstruktur fähig sind, sitzen plötzlich nur noch im Eck und starren vor sich hin."

Eine Antwort zur Asylproblematik weiß der Sozialarbeiter nicht: "Aber man kann diese Menschen ja nicht im Mittelmeer ertrinken lassen."
Zumindest in Puch wurden die Flüchtlinge herzlich aufgenommen, "aber das Haus ist jetzt voll ausgelastet".

>> Tipp: Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: "Wir setzen damit ein Zeichen"

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Autor:

Theresa Kaserer aus Salzburg-Stadt

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