Arbeitsalltag in der Justizanstalt
Herbert Reitsamer hat auch Mörder im Visier

Herbert Reitsamer – Betriebsgruppenleiter sowie stellvertretender Wirtschaftsleiter und stv. Mediensprecher.
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In Puch-Urstein herrschen andere Zustände als in der ehemaligen Justizanstalt "Salzburg alt". Doch der Arbeitsalltag für die Justizwache ist nach wie vor nicht ungefährlich.

PUCH-URSTEIN. Wir haben uns mit dem Betriebsgruppenleiter und stellvertretenden Wirtschaftsleiter der Justizanstalt Puch-Urstein getroffen und Interessantes zur Arbeit im Gefängnis sowie dem Lebensalltag der Insassen erfahren. Herbert Reitsamer ist seit 35 Jahren im Dienst und hat daher auch schon einiges miterlebt.

Verhältnisse wie im Zwei-Sterne-Hotel

Gefängnisse aus Spielfilmen kann man mit der Justizanstalt in Puch-Urstein definitiv nicht vergleichen. Die Hafträume ähneln eher einem Zwei-Sterne-Hotel. "In der Stadt Salzburg, wo unser Standort ja bis 2015 war, sah das anders aus", gibt Reitsamer zu. "Dort waren die Räumlichkeiten eher kerkermäßig, ohne Tageslicht und teils auch ohne ausreichender Luftzufuhr." Einer der Gründe für den Standortwechsel war, dass die Vorgaben nicht mehr erfüllt werden konnten. "Doch die Justizanstalt soll ein Spiegelbild der Gesellschaft sein", so der Betriebsgruppenleiter.

Ein Leben ohne Smartphone

"Der Versuch, unerlaubte Mittel hereinzuschmuggeln, ist die Lieblingsbeschäftigung der Insassen", weiß Reitsamer. Handys wären sehr beliebt, müssen aber draußen bleiben. "Hauptsächlich deshalb, weil es dabei um die Verabredungsgefahr im Stand der Untersuchungshaft geht", erklärt er. Dann gibt es also doch noch Orte, an denen Menschen ohne Smartphones überleben – wenn auch nur gezwungenermaßen. In Lockerungsstufen haben die Häftlinge dafür die Möglichkeit, sogar Radfahren zu gehen. Die Justizbeamten, die diese Gruppe nach draußen begleiten, hätten aber meist eine Glock 17 (Dienstwaffe) dabei, denn Selbstschutz hat bei diesem Job oberste Priorität.

Flucht wird nicht bestraft

In seinen Dienstjahren hat Reitsamer des Öfteren Insassen beispielsweise ins Krankenhaus begleitet. Zwei Fluchtversuche musste er dabei miterleben. "Ein Häftling wollte mich mit einem Schlag ausschalten – ich konnte aber ausweichen und ihn festhalten", erzählt er, denn er hat die für den Beruf vorgeschriebene Verteidigungsausbildung absolviert. Einmal wollte jemand zwei Monate vor seiner Entlassung flüchten. Doch warum so kurz vor dem legalen Entkommen noch einen Fluchtversuch starten? "Auf Flucht gibt es keine Strafe. Nur, wenn man dabei jemanden verletzt", so Reitsamer.

Der Tod als Begleiter

Ein einschneidendes Erlebnis während seiner beruflichen Karriere war für Reitsamer das Auffinden von Selbstmördern. "Ein Insasse hat Medikamente gesammelt und starb an einer Überdosis, ein anderer wollte sich erhängen und erlag Monate später den Folgen", blickt er zurück. Reitsamer nimmt die beruflichen Ereignisse aber nicht mit nach Hause. "Ich schalte nach der Arbeit sehr schnell ab. Da kommt mir auch zugute, dass ich ins Auto steige und 30 bis 40 Minuten nach Hause fahren muss", so der Justizbeamte.

Hauptdelikte der Insassen

Die Justizanstalt Salzburg ist zuständig für das gesamte Bundesland – alle kommen zuerst hier her. Die häufigsten Delikte, die Insassen begangen haben, seien Eigentumsdelikte, so Reitsamer. "Aber auch Mörder oder Betrüger sind dabei." Die längste Dauer einer Strafhaft, die in Puch-Urstein abgesessen wird, beträgt 18 Monate. Danach werden Häftlinge in eine andere Vollzugsanstalt überstellt.

Die Justizanstalt in Zahlen

Die neue Justizanstalt hat eine Nutzungsfläche von 14.000 Quadratmetern. In Puch-Urstein ist jeder der 145 Einzelhafträume 10,7 Quadratmeter groß und verfügt über einen 1,8 Quadratmeter großen, abgetrennten Nassbereich. Auch 49 Doppelhafträume mit 14,6 Quadratmetern gibt es. Derzeit sitzen 233 Insassen dort ihre Haft ab, darunter 22 Frauen. 75 Prozent der Häftlinge sind in den elf anstaltsinternen Betrieben (Kfz-Werkstätte, Schlosserei, Wäscherei, Kunstbetrieb und in Unternehmensbetrieben) beschäftigt und werden für ihre Arbeit entlohnt. Die Hälfte des Geldes wird für die Zeit nach der Haft angespart, mit der anderen Hälfte können Häftlinge einmal pro Woche in der Justizanstalt Lebensmittel und Tabakwaren kaufen. Der Ausländeranteil der Anstalt beträgt rund 50 Prozent.

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Autor:

Karina Langwieder aus Tennengau

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