Keltenfunde als Ärgernis?

Keltenfunde als Ärgernis?
Dürrnberger Bauwerber müssen Ausgrabungen bald selbst bezahlen

HALLEIN (tres). Die Krise nagt weiter an scheinbar allem, was ihr in die Quere kommt. Nun ist auch das Forschungszentrum Dürrnberg von ihr betroffen, aber eigentlich noch mehr Bauwerber, die sich im schönen Bad Dürrnberg ein Häuschen hinstellen wollen: Sie müssen künftig wahrscheinlich selbst für antike Grabungskosten aufkommen.

Will man am Dürrnberg etwas bauen, dann rückt der Bundesdenkmalschutz zu Testgrabungen an. Als altes Keltengebiet beherbergt der Ort ja bekanntlich zahlreiche alte Gräber mit teils wertvollen Grabbeigaben. Etliche wurden schon gefunden, zahlreiche werden noch im Boden vermutet. Sein Haus auf eine alte Grabstätte stellen und Grabbeigaben und alte tote Kelten einfach mit dem Bagger zermalmen, das darf man nämlich nicht. Diese Grabungsarbeiten wurden in der Vergangenheit vom Forschungszentrum Dürrnberg übernommen und waren für den Bauwerber kostenlos. Doch ab 2011 drohen subventionelle Kürzungen vom Bund und vom Land und die Stadt Hallein muss ebenfalls den Gürtel enger schnallen. Auch private Sponsoren, die immer wieder finanzielle Mittel zur Verfügung stellten, sprangen ab.

2009 bekam Bgm. LAbg. Christian Stöckl schon eine Botschaft aus Wien: Das Geld müsse stärker in die wissenschaftlichen Arbeiten fließen, für Grabungsarbeiten daher der Bauwerber selbst aufkommen.

Kein passables Budget mehr
Das Forschungszentrum Dürrnberg wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Keltenmuseum Hallein gegründet, um die Funde vom Dürrnberg wissenschaftlich aufzuarbeiten und um sicherzustellen, dass die Funde auch in Hallein bleiben und nicht in anderen Museen landen. „Bis dato kam immer ein recht passables Budget zustande“, erklärt Stöckl. Diese Zeiten sind jetzt vorbei. Aus Sicht des Bürgermeister wird es tatsächlich so kommen, dass ab 2011 Grabungskosten privat zu bezahlen sind. „Man kann zwar um finanzielle Unterstützung beim Denkmalamt ansuchen, aber das sind meist höchstens zehn Prozent der Kosten. Die Stadtgemeinde kann zwar sagen, wir unterstützen mit unserem Budget die Bauwerber, aber dann wäre das Forschungszentrum in Gefahr.“ Und das wolle man nicht: „Dann könnten wir nämlich nicht mehr bestimmen, was mit den Funden geschieht.“

„Die Leute werden mit dem Traktor drüber fahren“
SPÖ-Klubobmann Alexander Stangassinger befürchtet: „Dann werden künftig die Dürrnberger keine Funde mehr melden, wenn dadurch Kosten für sie entstehen, sondern schnell mit dem Traktor drüber fahren. Ein Eigenheim zu bauen ist allein schon teuer, auch ohne zusätzliche Grabungskos- ten“ Stöckl meinte, diese Gefahr bestehe, es stehe aber unter Strafe Funde nicht zu melden.

Stadträtin Eveline Sampl-Schiestl betonte: „Der Dürrnberg war immer schon eine Ausnahme. Normalerweise ist es sonst überall anders so, dass der Bauwerber Grabungskosten auf seinem Grund selbst bezahlen muss.“ Sie plädierte ebenfalls dafür, die wissenschaftlichen Arbeiten des Forschungszentrums weiter zu fördern.

Zum Vergleich: Im November 2009 wurden im Adneter Motzenfeld bei Bauarbeiten Keltengräber gefunden. Die Grabungsarbeiten dauerten drei Tage, die Kosten beliefen sich auf 3.000 Euro. „Motzenbauer“ Anton Krispler wurde für die Arbeiten zur Kasse gebeten.

Autor:

Bezirksblatt Tennengau aus Tennengau

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