Frauenhaus Hallein
"Man will uns die Autonomie nehmen"

Frauenhausleiterin Doris Weißenberger ist schockiert über die Ausschreibung.
  • Frauenhausleiterin Doris Weißenberger ist schockiert über die Ausschreibung.
  • Foto: Theresa Kaserer
  • hochgeladen von Thomas Fuchs

Das Vorgehen der Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS) sorgt für Kritik beim Frauenhaus wie bei den Betreibern von der Kolpingsfamilie Hallein. 

HALLEIN. Im Frauenhaus in Hallein sind die Angestellten "immer noch geschockt" von der Ankündigung der Landesrätin Andrea Klambauer (NEOS). "Wir haben vorher nichts davon gewusst und sind einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden", erklärt Doris Weißenberger, Leiterin des Frauenhauses in Hallein. "Das ist in Österreich noch nie passiert. Wir haben eigene Standards vom Verein Autonomer österreichischer Frauenhäuser (AÖF), an die wir uns immer gehalten haben". Zwischen dem Land Salzburg und den Frauenhäusern in Salzburg Stadt und Hallein gärt es aber seit längerem. 

"Seit zehn Jahren Stillstand" 

Das Frauenhaus wurde in den vergangenen 29 Jahren von der Kolpingsfamilie Hallein betrieben, die Räumlichkeiten für acht Frauen stellte die Pfarre zur Verfügung. Seit Jahren versucht das Land aber die Frauenhäuser stärker zu kontrollieren und verlangt Einsicht in sämtliche Kostenpunkte. "Es gab seit zehn Jahren Stillstand. Damals hat Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) sehr ambitioniert versucht, mit den Frauenhäusern neue Konzepte umzusetzen. Es konnte nichts davon realisiert werden," erklärt Landesrätin Klambauer. 

Kritik an der europaweiten Ausschreibung von Frauenhäusern

Streit um die Dolmetscher

Das Verhältnis spießte sich vor allem an den Extrazahlungen für Frauen mit Migrationshintergrund. Als besonders schikanös empfinden die Angestellten, dass die Dolmetscher eingespart werden sollen. "Das Land fordert einen Video-Dolmetscher. Wie soll das funktionieren? Viele Frauen brauchen beim Arzt oder beim Behördengang einen Dolmetscher, der sie dorthin begleitet", erklärt die Angestellte Barbara Reschreiter.

"Bewährtes Tool, auch in Krankenhäusern"

"Video-Dolmetsch ist ein bewährtes Tool, das auch in Krankenhäusern eingesetzt wird. Besonders vorteilhaft ist es, dass diese Dolmetscher nicht aus der eigenen Community kommen und daher auch wirklich vertraulich arbeiten können", kontert Klambauer. Auch der Nachtdienst sei vom Land bereits gestrichen und durch eine Rufbereitschaft ersetzt worden. 

"Das Land will uns unsere Autonomie nehmen. Dabei haben wir jahrelange Erfahrung, wir wissen sehr gut was unsere Frauen in Notsituationen brauchen", erklärt Beraterin Joanna Paulus. 

"Wie einen Konzern führen"

Am Montag wurde der langjährige Betreiber, die Kolpingsfamilie Hallein, vor die Tür gesetzt. "Das war ein Schock für uns, wir wissen nicht wie es weitergehen wird," erklärt Reinhard Radak, Vorstand bei der Kolpingsfamilie Hallein. Ziel der Aktion sei es, dass das Land ein neues Konzept einführen möchte, dass auch den Pongau und Lungau mit einbezieht. Radak vermutet Druck aus der Verwaltung als Urheber. Die Stelle als Betreiber werde nun EU-weit ausgeschrieben, ein Unternehmen soll jetzt sämtliche Häuser im Land mit Ausnahme des Pinzgaus managen. "Das Land will die Frauenhäuser wie einen Konzern führen und uns entmündigen", erklärt Doris Weißenberger.

"Nicht Gewinnorientiert"

"Im sozialen Bereich arbeite ich fast ausschließlich mit gemeinnützigen Vereinen zusammen. Auch im Wohnbau sind meine Ansprechpartner gemeinnützige Unternehmen und auch Kindergärten sind nicht gewinnorientiert", wehrt sich Klambauer. Radak abschließend: "Ein Gespräch auf Augenhöhe mit dem Land hat bisher nicht stattgefunden. Man sollte sich genau überlegen, ob man eine bewährte Institution so vor den Kopf stoßen möchte."

Kritik von Grünen und SPÖ

Auch aus der Politik gibt es Kritik an der Vorgehensweise der Landesrätin: "Diese Vorgangsweise ist mit uns nicht abgestimmt und wird so auch nicht gutgeheißen", sagt die Grüne Klubobfrau Kimbie Humer-Vogl, die auch Stadträtin in Hallein ist. Gemeinsam fordern Rosa Bock, Halleiner SPÖ-Vizebürgermeisterin, und Stadträtin Humer-Vogl jetzt einen Runden Tisch, um gemeinsam mit der Landesrätin eine Lösung zu erarbeiten.

>>HIER<< geht's zu den Statements der Politik.

Telegram anmelden

Die aktuellsten lokalen Nachrichten -
direkt auf dein Smartphone!


Telegram anmelden



Autor:

Thomas Fuchs aus Tennengau

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Wirtschaft

Corona-Krise gemeinsam meistern
Hilfe vor Ort mit dem österreichweiten Netzwerk #schautaufeinander

In Ausnahmesituationen wie diesen stehen die Menschen zusammen und helfen sich gegenseitig. Die Regionalmedien unterstützen dies in allen Bundesländern und Bezirken Österreichs mit dem Netzwerk #schautaufeinander. Hier könnt Ihr Dienste suchen oder anbieten, die uns gemeinsam durch diese Krisenzeiten helfen. Du suchst jemanden, der/die notwendige Lebensmittel nach Hause liefert? Du willst dich in deiner Nachbarschaft nützlich machen, oder gibst online Nachhilfe? Dann poste doch deinen...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen