Nicht ohne meine Butter

Die Kühlregale in Österreichs Supermärkten strotzen vor Butter – trotz ansteigender Preise.
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TENNENGAU (jus). Seit etwa Mitte August sorgt die knappe Verfügbarkeit von Milchfett, des mit 82 Prozent größten Bestandteils von Butter, in Kombination mit hohen Rohstoffkosten dafür, dass Butter immer teurer wird. In Deutschland erreichte der Butterpreis unlängst gar einen historischen Höchststand. Seit der Einführung des Euro anno 2002 war das beliebte Streichfett nicht so teuer. 

Butterkrise im Tennengau angekommen?

Auch im Tennengau bekommt man dies zu spüren: Eine durchschnittliche 250 Gramm Markenbutter kostete im österreichischen Lebensmittelhandel im Juni rund 2,20 Euro, nun bis zu 2,69 Euro. Bei Butter-Eigenmarken belief sich der Preis auf 1,85 Euro im Juni, nun ist er bis auf 2,39 Euro geklettert. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Da beginnt man schon zu überlegen, ob man das sich das teure Gut wie gewohnt fingerdick aufs Gebäck streicht oder das Marmeladenfundament lieber doch ein wenig dünner gestaltet.

Erklärungen fehlen, Beschwerden häufen sich

Ein Blick ins Supermarktregal zeigt die triste Lage: „Manche Artikel kriegen wir einfach nicht und das betrifft alle Buttersorten“, so Georg Reichl, Leiter der Spar-Filiale Puch/Urstein. Nicht nur das: „Auch die hohen Preise sorgen für Ärger bei den Kundinnen und Kunden.“ Eine echte Versorgunsgskrise ist zwar nicht zu erwarten, wohl aber eine des gewohnten Preises – ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Die bevorstehende Backzeit wird für Keks- und Kuchenbäcker nicht zuletzt deswegen zur Nervenprobe werden.

Bäcker spüren den Preisanstieg bei Butter

Branchen, die für die Herstellung ihrer Produkte viel Butter benötigen, spüren den Preisanstieg besonders. Das sind hierzulande etwa Bäcker und Konditoren. Die Bäckersfamilie Ursprunger in Adnet überlegt seit dem schmerzlichen Preisanstieg im Sommer, manches Gebäck nicht mehr mit Butter zu erzeugen. "Eigentlich wollen wir aber bei der Butter bleiben", sagt der Nachwuchs-Chef der Bäckerei, Daniel Ursprunger, "viele Kunden kommen ja extra zu uns wegen unserem Milchbrot und unseren Croissants, weil sie so gut nach Butter schmecken." Die Ursprungers wollen den Preisanstieg zwar nicht an die Konsumenten weitergeben, doch ganz ließ es sich nicht verhindern. "Bloß um zehn Cent haben wir die Preise für Gebäck, das wir mit Butter machen, angehoben. Aber manche Kunden hat das trotzdem sehr aufgeregt", sagt Bärbel Ursprunger, Daniels Mutter.

Vielfältige Gründe für die Butterkrise

Wie kann das sein, fragt man sich mit Blick auf die Wiesen im Tennengau? Das Gras steht saftig, die Euter sind prall, die Melkmaschinen rattern – eigentlich müssten wir doch in Milch baden und uns mit Butter einseifen. Die Gründe dafür, dass dem nicht so ist, sind vielfältig. Zum ersten ist das Butter-Angebot derzeit so niedrig „weil nach der Milchpreiskrise im Jahr 2015/16 viele Bauern weniger Milch produzieren“, so Eckard Heuser, Geschäftsführer des deutschen Milchindustrieverbands. Zudem herrscht laut Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), am Milchfettmarkt eine allgemeine Knappheit. Außerdem sei die Produktionsspitze in der EU heuer bereits überschritten worden.

Milchfett, Palmöl und natürlicher Rhythmus

Marktentwicklung hin, Marktentwicklung her, auch der natürliche Rhythmus der Landwirte ist bei alledem zu berücksichtigen: Der Herbst ist nämlich der traditionelle Tiefpunkt der Milcherzeugung. Nicht nur dass die Milch knapp ist, auch „der Fettpreis ist in den letzten Monaten explodiert“, so Christian Leeb, Geschäftsführer des drittgrößten Molkereibetriebs Österreichs, der Salzburg Milch, die pro Jahr 1.200 Tonnen Butter produziert. Auch der verringerte Einsatz von Palmöl dürfte mitverantwortlich sein. Das billige, aber in der Gewinnung umweltzerstörende Ersatzfett ist zusehends unbeliebter bei Konsumenten. Diese geringere Nachfrage nach Palmöl sorgt auf der anderen Seite für eine stärkere Nachfrage nach Butter und damit für höhere Preise.

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