Wo bleibt der Schwestern-Nachwuchs?

Sr. Cornelia, Sr. Christiane, Sr. Lydia, Sr. Vianney und Generaloberin Sr. Emanuela vor dem Lechnerhaus in Hallein, genannt „Wiege“, der Halleiner Schwestern Franziskanerinnen. Ende 2012 werden sie mit ihrem Hauptsitz  von der Emsburg nach Kahlsperg in Oberalm ziehen.
  • Sr. Cornelia, Sr. Christiane, Sr. Lydia, Sr. Vianney und Generaloberin Sr. Emanuela vor dem Lechnerhaus in Hallein, genannt „Wiege“, der Halleiner Schwestern Franziskanerinnen. Ende 2012 werden sie mit ihrem Hauptsitz von der Emsburg nach Kahlsperg in Oberalm ziehen.
  • hochgeladen von Theresa Kaserer

Seit 1723 gibt es die Halleiner Schwestern Franziskanerinnen. Gegründet wurden sie, um benachteiligten Mädchen in der Salinenstadt eine Ausbildung zu ermöglichen. Auch heute sind sie noch fleißig am Werk, doch der Nachwuchs fehlt: Die jüngste Halleiner Schwester ist 50 Jahre alt. Warum können sich Junge so wenig für das Ordensleben begeistern?

TENNENGAU (tres). Dass sie bereits um 6 Uhr früh ihr erstes Gebet sprechen, also recht zeitig aus den Federn müssen, kann es nicht sein. Davon sind Sr. Cornelia, Sr. Vianney, Sr. Christiane, Sr. Lydia und die Generaloberin Sr. Emanuela überzeugt. Auch das Gelübde der Ehe- und Kinderlosigkeit könne nicht ernsthaft der Grund sein. Eher ist es die Bindungsunfähigkeit, meinen die Schwestern. „Die Menschen wollen sich immer weniger fix und für immer binden - weder an Gott noch an einen anderen Menschen“, glaubt Sr. Lydia: „Das sieht man heutzutage ja auch bei den Partnerschaften und in der Ehe.“

Sr. Vianney fügt an: „Die Menschen tun sich zusehends schwerer Entscheidungen über ihr Leben zu treffen. Vielleicht weil es heutzutage so viele Möglichkeiten gibt. Man will sich Hintertürchen offen halten. Und Schwesternsein ist für viele etwas sehr Fremdes, da braucht es oft viel Zeit, um sich das vorstellen zu können.“

Wenige Familien beten noch
Aber auch der Glaubensschwund sei ein Problem: „In den Familien wird immer weniger gebetet. Spiritualität wächst zwar, aber zum Schwesternsein braucht es mehr: Es ist ein Gemeinschaftsleben mit Gott und den Mitschwestern.“ Die fünf Schwestern selbst wussten relativ früh, dass für sie nur ein Leben mit Gott in Frage kommt: mit Anfang 20 traten sie in die Gemeinschaft der Halleiner Schwestern ein.

Es sei wahrscheinlich aber auch nicht mehr so „nötig“, Schwester zu sein: „Früher war es Frauen gar nicht möglich, z. B. zu unterrichten, wenn sie nicht im Kloster waren“, weiß Sr. Vianney. Das war für Maria Theresia Zechner alias Sr. Hyazintha auch der Grund, warum sie im Jahr 1723 die Halleiner Schwestern Franziskanerinnen gründete: Damals war es für Mädchen, nach Meinung der Gesellschaft, noch unnötig in die Schule zu gehen bzw. überhaupt eine Ausbildung zu erlernen, weil die Rolle der Frau damals allein Hausfrau und Mutter war.
Durch Sr. Hyazintha und ihre Mitschwestern wurden in Österreich die ersten berufsbildenden Schulen für Mädchen gegründet - und das in Hallein!

Das Ordensleben als Berufung und Erfüllung
Auch heute noch sind die Schwestern in verschiedensten Berufen tätig, sie legen aber besonderen Wert auf Zeit für Gebet (zwei, drei Stunden am Tag) und Gemeinschaft. Das Ordensleben wird als Berufung und Erfüllung gesehen. „Es ist eine Herausforderung und es ist schön. Ich bin auch sehr froh, dass ich meine Mitschwestern habe, wir sind eine schöne Gemeinschaft“, sagt Sr. Lydia. Sr. Cornelia betont: „Ich würde mich jederzeit wieder dafür entscheiden. Man ist nicht allein und viel unter Menschen, man hat aber auch Zeit sich zu entfalten. Wir leben ja nicht in einem Gefängnis!“

Sr. Christiane meint: „Ein Klosterleben, also ein kontemplativer Orden, wäre aber nichts für mich, deshalb habe ich mich für einen tätigen Orden entschieden. Ich liebe meinen Beruf als Schwester und Pädagogin.“ Auch die Generaloberin erklärt: „Ich bin diesen Weg, neben den religiösen Gründen auch gegangen, um für die Menschen ganz und gar da zu sein. Wenn man selbst eine Familie hat, dann geht das nicht. So habe ich eine ganz andere Freiheit, ich habe keine engen Bindungen, die mich verpflichten.“

Die Entscheidung braucht religiöse und soziale Gründe
Riesige Nachwuchssorgen machen sie sich zwar nicht, die Halleiner Schwestern würden sich aber doch über junge Kolleginnen freuen. Was braucht es, um sich für ein Leben als Schwester zu entscheiden? Man sollte für alles offen sein, der Wille und das Interesse muss da sein, in einer Gemeinschaft zu leben, der Urgrund ist aber Gott und die Beziehung zu ihm muss tagtäglich gepflegt werden.

Ein Schnuppertag als Schwester
Die „ewigen Gelübde“ muss man erst nach acht Jahren Ordensleben ablegen, man hat also Zeit sich zu entscheiden, ob man dieses Leben tatsächlich führen möchte.
Wenn jemand Interesse hat, das Leben der Halleiner Schwestern kennenzulernen, den laden sie gerne ein, Zeit mit ihnen zu verbringen, in das Leben als Ordensschwester Einblick zu halten und sich auf das Evangelium einzulassen. Interessierte können sich bei Sr. Gabriela im Mutterhaus in der Emsburg melden: Tel. 0676/87466698.

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