Bauen und Wohnen im Tennengau
Wohnen in Salzburg wird teurer

AK-Präsident Eder fordert mehr Geld für den Wohnbau ein.
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Die Wohnpreise steigen in Salzburg seit Jahren. Einen zusätzlichen Schub erlebt derzeit der Wohnungspreismarkt, da Angebot und Nachfrage auseinanderklaffen.  

SALZBURG/HALLEIN. Das Thema Wohnen bewegt Salzburg. Während in Hallein mit der "Grünen Mitte Hallein" ein Bauprojekt mit 150 Wohnungen in Angriff genommen wird, rüsten sich Stadt und Land, um dem Obdachlosenanstieg entgegenzuwirken. Dazu soll die Zusammenarbeit mit der sozialen Einrichtung VinziDach verstärkt werden. Zeitgleich unterstreicht die Arbeiterkammer (AK) Salzburg mit einer Erhebung den Anstieg der Mietkosten in den letzten 20 Jahren. Hinzu kommen steigende Materialkosten am Weltmarkt.

Teures Mietpflaster Salzburg

Die aktuelle AK-Erhebung der Wohn- und Mietpreise zeigt, dass eine 70-Quadratmeter-Wohnung am Land im Schnitt pro Monat um fast 360 Euro, in der Stadt um rund 420 Euro mehr kostet als noch vor 20 Jahren. Laut Statistik Austria ist Salzburg Spitzenreiter im Bundesländervergleich. „

Höchste Zeit, dass die Politik unsere Vorschläge für günstigeres Wohnen aufgreift“, fordert AK-Präsident Peter Eder.

"Von den Einnahmen des Landes im Bereich der Wohnbauförderung kam dem Wohnbau in den letzten Jahren lediglich ein Drittel zugute, der Rest versickerte im Salzburger Landesbudget. Den Beschäftigten wird der Wohnbauförderungsbeitrag automatisch vom Einkommen abgezogen. Für den Wohnbau wird das Geld aber nicht verwendet“, ärgert sich Eder.

Von einem nicht nachvollziehbaren Versickern kann nicht die Rede sein, kontert die Landesrätin

(LR) Andrea Klambauer: "Das trifft auf keinen einzigen Euro der Wohnbauförderung zu. Es wurden Budgetmittel, die nur Mitnahmeeffekte erzielt haben, eingespart, um mehr Budgetspielraum bei der Errichtung von geförderten Mietwohnungen zu haben. Die Auswirkungen der Preissteigerung bei den Material- und Baukosten aufgrund der globalen Nachfrage bei Bauprojekten lassen sich noch nicht abschätzen."

So baut und wohnt Salzburg

Vielfältig und individuell. Wohnen ist ein Grundbedürfnis der Menschen.

„Betrachtet man jedoch die Mietpreise und Baukosten der vergangenen Jahre, so müssen die Salzburgerinnen und Salzburger dafür immer tiefer in die Tasche greifen. Mein Ziel ist es, mit der Wohnbauförderung Wohnraum zu schaffen, der qualitativ hochwertig und leistbar ist“, betont Landesrätin Andrea Klambauer.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es im Bundesland rund 130.000 Gebäude gibt, ziemlich genau die Hälfte davon ist in Privatbesitz. Während die Anzahl jener Bauten ohne Wohnungen in den vergangenen zehn Jahren um fast ein Drittel gesunken ist, sind die Wohnhäuser deutlich mehr geworden, besonders jene mit drei bis fünf Wohnungen (plus 35 Prozent). Ein merkliches Plus von rund 23 Prozent gab es auch bei den Gebäuden, die gemeinnützigen Bauvereinigungen gehören. Bei jenen von Privatpersonen machte der Zuwachs gut sieben Prozent aus.

Das Land der Singles

Aktuell sind landesweit knapp 244.000 Privathaushalte zu verzeichnen. Auffällig ist dabei, dass Frau und Herr Salzburger häufig alleine wohnen, nämlich in mehr als 91.000 Einpersonenhaushalten. Und dieser Trend zum Single-Wohnen wird sich laut Prognosen noch weiter fortsetzen. Was die Ausstattung betrifft, so sind hier mehr als 95 Prozent aller Wohnungen der Kategorie A zuzuordnen, ein Spitzenwert in Österreich.

147 Millionen Euro im Fördertopf

Salzburg ist äußerst attraktiv, der Wohnraum ist knapp, die Immobilienpreise steigen seit Jahren kontinuierlich an. Daran hat auch die Corona-Krise nichts geändert. Allein heuer ist der Wohnbauförderungstopf des Landes mit 147 Millionen Euro gefüllt. Mit diesem Förderinstrument wurden in den vergangenen fünf Jahren die Errichtung, der Kauf und die Sanierung von mehr als 23.100 Einheiten unterstützt. Heuer ist ein weiterer zentraler Schwerpunkt eine Sanierungsoffensive, die zahlreiche Vorhaben mit deutlich erhöhten Fördersätzen unterstützt und zusätzliche Maßnahmen ermöglicht. Stark steigende Mieten waren bis 2018 bei geförderten Wohnungen ein großes Problem für viele Salzburgerinnen und Salzburger. Durch zwei Mietensenkungsprogramme wurde hier bereits erfolgreich gegengesteuert. Aktuell sind rund 900 Bauvorhaben mit mehr als 13.000 Wohnungen davon betroffen. Oder anders gesagt: rund 31.000 Menschen, für die nun die monatlichen Mietkosten nur mehr moderat steigen werden und somit finanzierbar bleiben.

LR Klambauer: "Das Land hat 2020 die Fördersätze erhöht."

Mieten in Salzburg am teuersten

Ein Plus von über 60 Prozent in 20 Jahren. Die aktuelle AK-Erhebung der Wohn- und Mietpreise zeigt, dass eine 70m2-Wohnung am Land im Schnitt pro Monat um fast 360 Euro, in der Stadt um rund 420 Euro mehr kostet als noch vor 20 Jahren. Laut Statistik Austria ist Salzburg überhaupt Spitzenreiter im Bundesländervergleich.

„Höchste Zeit, dass die Politik unsere Vorschläge für günstigeres Wohnen aufgreift“, fordert AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder.

Die Bundesregierung könnte mit einem einheitlichen Mietrecht und Mietzinsobergrenzen mithelfen. Und das Land Salzburg muss mehr geförderte Mietwohnungen bauen. Die Mittel dafür: Zweckwidmung der Wohnbaufördergelder, bessere Unterstützungsmöglichkeiten für die Land-Invest und eine schlagkräftigere Nutzung der Raumordnungsinstrumente.

Analyse der Erhebung

Die Wohnpreisanalyse der Salzburger Arbeiterkammer für das Jahr 2020 zeigt, dass sich die Wohnkostenspirale unaufhörlich nach oben dreht. Die durchschnittlichen Mieten (inkl. Betriebskosten) für eine 70m2-Wohnung sind im letzten Jahr in der Stadt Salzburg (15,6 Euro/m2) um 5,5 und am Land (13,2 Euro/m2) um 5,4 Prozent gestiegen.

Vergleicht man das mit den Werten des Jahres 2000, bedeutet das für´s Geldbörsel der Mieterinnen und Mieter in der Landeshauptstadt: Zahlte man damals für eine 70 m2-Wohnung in der Stadt Salzburg im Schnitt rund 677 Euro (inkl. BK und USt) monatlich, so waren es im Jahr 2020 rund 1.094 Euro. Eine Steigerung um fast 62 Prozent.

Noch größer der Preissprung am Land: Im Jahr 2000 zahlte man im Schnitt etwa 565 Euro monatlich – 2020 waren es rund 923 Euro monatlich. Eine Steigerung um über 63 Prozent.

Mietkosten stärker gestiegen als allgemeine Teuerung
„Vergleicht man die Entwicklung der Wohnkosten mit jener des Verbraucherpreisindexes (VPI) in den letzten 20 Jahren, fällt auf, dass die Mietpreise weitaus stärker angezogen haben als die allgemeine Teuerung“, berichtet Edith Steidl, Konsumentenberaterin für Wohn- und Mietrecht in der AK Salzburg. Demnach sind seit dem Jahr 2000 die Mieten am Land um 18,3 und in der Stadt Salzburg um 16,6 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inflation.

"Seit Jahren fordern wir von der Politik nachhaltige Maßnahmen, um diese Kostenexplosionen endlich einzudämmen“, so AK-Präsident Peter Eder, „war Wohnen in unserem Bundesland schon vor der Corona-Pandemie für viele kaum noch leistbar, hat sich die Lage in Zeiten, wo über 70.000 Menschen ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit sind, bedrohlich zugespitzt.“

Salzburg ist Mietpreis-Spitzenreiter

Auch ein Blick auf die Daten der Statistik Austria unterstreicht den Handlungsbedarf für die politisch Verantwortlichen: Demnach ist das Bundesland Salzburg bei den so genannten Hauptmietwohnungen (in dieser Wertung sind auch Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen enthalten) mit durchschnittlich 9,90 Euro (inkl. Betriebskosten) pro Quadratmeter österreichweit Spitzenreiter. Auf den Plätzen Zwei und Drei folgen Vorarlberg mit 9,57 Euro und Tirol mit 9,20 Euro pro Quadratmeter.

„Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Salzburg bei den Einkommen keineswegs im Spitzenfeld zu finden ist, sondern im Bundesländervergleich im unteren Drittel rangiert“, gibt Eder zu bedenken.

 

Land hilft bei Härtefälle

Die Salzburger Sozialunterstützung bietet neben der Hilfe für den Lebensunterhalt auch Hilfe für die Mietkosten oder auch kurzfristige Sonderbedarfe wie zum Beispiel Möbel. Die Salzburger Wohnbeihilfe schützt 35.000 Bewohner in den geförderten Mietwohnungen des Landes vor sozialen Härtefällen.

„Rund 10.000 Haushalte erhalten aufgrund eines niedrigen Einkommens einen Miet-Zuschuss für ihre geförderte Wohnung. Zirka 400 Haushalte haben im vergangenen Jahr diesen erleichterten Zugang zur Beihilfe aufgrund von Kurzarbeit oder Jobverlust in Anspruch genommen. Mehr als 25 Millionen Euro werden über die Wohnbeihilfe direkt an armutsbetroffene Menschen im Rahmen der Wohnbeihilfe ausbezahlt. Delogierungen werden von den gemeinnützigen Bauträgern so gut wie möglich verhindert. Die gemeinnützigen Bauträger sind immer äußerst bemüht, eine individuelle Lösung für die Betroffenen zu finden“, betont Landesrätin Andrea Klambauer.

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