21.03.2017, 06:30 Uhr

Bergrettung Salzburg: Immer mehr Menschen in Bergnot

Personenspürhund (Foto: Bergrettung Salzburg)

Am vergangenen Wochenende hielt die Bergrettung Salzburg in Abtenau die 70. Landesversammlung ab. Dabei gab es auch einen Rückblick auf die starke Zunahme der Einsätze.

ABTENAU (sys). Der Bergsport boomt. Die Berge bieten Erholung, Abenteuer, Naturerlebnis, Entspannung und vielfältigste Sportmöglichkeiten. Aber sie bedeuten auch Gefahr, denn ein Restrisiko lässt sich selbst bei bester Vorbereitung weder im Winter noch im Sommer ausschließen. All das spiegelt sich in der Einsatzstatistik der Salzburger Bergrettung wider, die im Vergleich zum Jahr 2015 wieder stark zugenommen hat. „Im Jahr 2015 hatten wir 471 Einsätze und im Jahr 2016 stieg diese Zahl auf 575“, so Landesleiter Balthasar Laireiter. Traurig ist auch der Rekord an Toten; 2016 wurden 38 Tote von der Bergrettung geborgen (2015 waren es 25 Tote).
Die meisten Einsätze fanden zur Bergung von verunglückten Personen in normalen Wandergebieten statt; gefolgt von Sucheinsätzen. Von den Gauen her gab es wieder im Pongau (279) am meisten Einsätze, gefolgt vom Pinzgau (173), Flachgau (77), Tennengau (24) und Lungau (22). Die „wärmeren“ Monate (Mai-Oktober) sind übrigens die einsatzintensivsten.

Digitalfunk bis Jahresende
Die Bergrettung Salzburg hat im vergangenen Jahr bereits im Lungau von analoger auf digitale Funktechnik umgestellt. Als nächster Gau wird in den kommenden Monaten im Pongau die Umstellung zum Digitalfunk erfolgen. Auch alle Hundeführer der Bergrettung werden hier digitale Funkgeräte erhalten; bis zum Sommer soll auch der Pinzgau umgestellt werden und bis zum Ende des Jahres werden alle Bezirke mit dem Digitalfunk ausgestattet sein. „Für uns ist das von enormer Effizienz“, so der Technikreferent der Bergrettung, Axel Ellmer. Insgesamt wurde die Bergrettung mit etwa 500 digitalen Funkgeräten ausgestattet; unterstützt von den Gemeinden und der Stadt Salzburg. Das offiziell als BOS bezeichnete System – „Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben” – hat gegenüber der Analog-Technik zahlreiche Vorteile: Es erlaubt eine wesentlich bessere Funkabdeckung, höhere Sprachqualität, bezirks- und bundesländerübergreifende ins öffentliche Netz, Kurznachrichten-Service ähnlich SMS sowie eine Daten- und Sprach-Verschlüsselung bei allen Endgeräten. „Außerdem können wir mittels einer GPS-Koordinaten Anzeige die Position unserer Einsatzkräfte bestimmen. Das ist ein wesentlicher Sicherheitsaspekt und wichtig für die Dokumentation unserer Einsätze.“

Fehlende Versicherung Geborgener
Seit Jahren legt die Bergrettung Salzburg Wert auf präventive Aufklärungsarbeit. „Ob es in der Wintersaison die Aufklärungsarbeit zu Risikomanagement im Bereich Lawinenkunde ist, oder ob es um Sicherheitsstandards am Berg geht - die Menschen schätzen erfreulicherweise unsere Informationen und nehmen sie auch Ernst", so Landesleiter Laireiter, der auf einen wichtigen Punkt hinweist: „Leider sehen wir durch die ansteigenden Einsätze auch immer wieder Probleme der Verunglückten mit den Einsatzkostenverrechnungen. Gerade bei Sucheinsätzen oder wenn ein Hubschraubereinsatz nötig ist, sind schnell hohe Einsatzkosten erreicht.“ Auch wenn alle Bergretter und Bergretterinnen ehrenamtlich arbeiten, erfordern eine fundierte Ausbildung und modernste Materialien einen stetig wachsenden hohen finanziellen Einsatz. „Aus diesem Grund möchte ich unbedingt auf die Möglichkeit einer Förder-Mitgliedschaft bei der Bergrettung aufmerksam machen. Wir bieten für unsere Mitglieder die Möglichkeit einer Fördererversicherung für alpine Rettungskosten. Mit nur 24 Euro ist die ganze Familie als Förderer der Bergrettung Salzburg versichert. Damit unterstützen unsere Mitglieder die Finanzierung der Ausrüstung und Ausbildung mit. Im Gegenzug stehen allein in Salzburg über 1400 Bergretterinnen und Bergretter 24 Stunden am Tag bereit, den Menschen im Fels, im Eis, auf der Piste und am Wanderweg zu helfen.“

Viele Spezial-Aus- und Fortbildungen nötig
Bestens ausgebildet durch Fels- und Eiskurse, durch einen speziellen Winterkurs und durch Canyoning-Spezialkurse. Dazu kommen auch gut 40 Bergrettungshundeführerinnen und Bergrettungshundeführer, die im ganzen Bundesland Salzburg bei den steigenden Einsätzen mit speziell geschulten Teams (Lawinenhunde, Flächensuchhunde und Personenspürhunde/Mantrailer) zur Verfügung stehen. So leisten auch diese Teams der Bergrettung zunehmend viele Einsätze (421 Einsatzstunden 2016). Übrigens werden gut 90 Prozent aller Such- und Lawineneinsätze im Bundesland dabei von den Bergrettungshundeteams getragen. Im vergangenen Jahr waren dies 23 Such- und sechs Lawineneinsätze, die von den Spezialteams der Bergrettungshundestaffel geleistet wurden. "Unsere Teams haben einen hohen Ausbildungsstand und konnten viele Sucheinsätze erfolgreich absolvieren bzw. viele Sucheinsätze verkürzen", freut sich Laireiter.

Was verdient ein Bergretter?
Die Bergrettung in Österreich besteht zum Großteil aus freiwilligem Engagement. In Salzburg beträgt der Anteil 99,82 Prozent. Vom aktiven Bergretter in der Ortsstelle bis zum Präsidenten des Bundesverbandes arbeiten alle Mitglieder und Funktionäre ehrenamtlich. Der Bergretter erhält also für seine Arbeit kein Geld. Es gibt in der Landesorganisation nur dreieinhalb Angestellte, die sich um organisatorische und administrative Angelegenheiten kümmern. Die Bergrettung hat in Salzburg mit 1.1.2017 genau 1.967 Männer und Frauen – davon 1361 aktiv im Einsatz - in 43 Ortsstellen und österreichweit mehr als 12.500 Retter, die sich auf 291 Ortsstellen in sieben Landesleitungen (Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich/Wien) aufteilen.

Wie finanziert sich die Bergrettung?
Die Finanzierung des ehrenamtlichen Bergrettungsdienstes steht auf vier Säulen:
40 % öffentliche Hand
40 % Förderer
20 % Bergekosten, Sponsoren und Spenden
Die Bergrettung Salzburg finanziert sich zu 40 Prozent über Mitgliedsbeiträge der Förderer. Diese vielen kleinen Beträge stellen unsere Handlungsfähigkeit sicher. Auf diese Weise bezeugen viele Österreicher ihre ideelle Verbundenheit mit dem ÖBRD und zeigen ihre Wertschätzung unserer Arbeit. 10% entfallen auf private Spender und Sponsoren aus der Wirtschaft. Zudem erhält die Rettungsorganisation Förderungen von der Landesregierung.

Als vierte Säule stellt die Verrechnung der Einsätze die veränderlichste Variable dar. 2016 waren die ehrenamtlichen Salzburger Bergretter insgesamt mehr als 7.660 unbezahlte Stunden im Einsatz. 575mal - das heißt durchschnittlich fast zweimal pro Tag - rückten Ortsstellen aus um 549 Verunfallte aus teilweise lebensbedrohlichen Situationen zu retten.

Von den etwa 113.000 ehrenamtlichen Stunden, die Bergretter pro Jahr in Salzburg leisten, verrechnet die Bergrettung weniger als 6%. Die große Zahl an Stunden für Ausbildung, Schulungen, Übungen, Dienste, Sitzungen, administrative Aufgaben scheinen in keiner Rechnung auf.

Was passiert mit dem Geld?
Finanziert wird mit dem Geld unter anderem die Ausbildung und die Versicherung der Männer und Frauen im Bergrettungsdienst sowie Material für Einsätze und Übungen. Die persönliche Ausrüstung wie Klettergurt, Ski und Helm oder Kleidung wird von den Bergrettern zu einem großen Teil selbst finanziert. Einige Ortsstellen subventionieren ihre Mitglieder beim Kauf von Ausrüstung, teilweise gibt es Bekleidungs- und Ausrüstungsaktionen oder Zuschüsse von der Landesleitung.
Obwohl Bergretterinnen und Bergretter ihre Freizeit fürs Ehrenamt aufwenden und keinen Euro als Person bezahlt bekommen, benötigt die Organisation trotzdem viel Geld zur Bewältigung der Aufgaben. Über 50 Fahrzeuge und Anhänger und 43 Zentralen, Spezialgeräte, Material, Quartier und Verpflegung bei Kursen stellen die Handlungsfähigkeit der alpinen Rettungstruppe sicher.
Die Bergretter selbst leisten ihre Arbeit ehrenamtlich. Für Ausrüstung und Ausbildungen braucht die Bergrettung aber Geld. Schon heuer musste die Salzburger Landesregierung kurzfristig einspringen, um finanzielle Engpässe zu beseitigen. Für die Zukunft hoffen die Bergretter auf eine höhere Basissubvention. „Für die laufende Finanzierung für die kommenden Jahre müssen wir sicher noch mit dem Land verhandeln“, sagt Landesleiter Laireiter. „Es ist mir aber persönlich vom Herrn Landeshauptmann in Aussicht gestellt worden, dass wir in den nächsten Jahren eine Erhöhung unserer Grundsubvention bekommen. Wir brauchen wirklich einfach einen höheren Betrag an öffentlichen Mitteln.“ Denn es wird immer schwieriger, mit Spenden, privaten Gönnern und dergleichen die Gesamtfinanzierung des Bergrettungsbetriebs in Salzburg abzusichern.
Eine große Herausforderung war und ist es, mit den ständig steigenden und umfangreichen finanziellen Anforderungen des Bergrettungsdienstes Schritt zu halten. Während der Amtszeit von Landesleiter Müller hat sich die Ausbildung und Ausrüstung der Einsatzkräfte professionalisiert - die Bergrettung wurde 2013 zur gesetzlich anerkannten Rettungsorganisation. Doch auch die Kosten haben sich in dieser Zeit beinahe verdreifacht.
„Da eine gesicherte Finanzierung Grundlage für die künftige Erfüllung des öffentlichen Auftrages ist, ist eine Erhöhung der öffentlichen Finanzierung unverzichtbar und muss ausverhandelt werden", so Landesleiter Balthasar Laireiter.

Rechtzeitig alarmieren
Ist erst einmal etwas passiert, kann schnelle und effiziente Hilfe Leben retten. „Deshalb ist es auch wichtig, nicht lange mit einer Alarmierung der Bergrettung durch den internationalen Notruf 112 oder durch 140 zu zögern", erklärt der Landesleiter der Bergrettung, Balthasar Laireiter. Wer im alpinen Gelände Hilfe braucht wählt 140 und gelangt damit direkt in eine der Einsatzzentralen des Roten Kreuzes und damit direkt zur Bergrettung. Der Vorteil von 112 liegt darin, dass sich das Handy (sofern Stromversorgung und Verbindung gegeben sind) selbständig einen Netzanbieter sucht während man über 140 oder 144 nur über seinen eigenen Netzanbieter Verbindung hat. „Leider „verzichten“ ausländische Alpinisten, aber auch nicht richtig informierte deutschsprachige Bergsteiger - in der Furcht vor Bergekosten, - unnötiger Weise auf die rechtzeitige Alarmierung der Bergrettung.“ Eine frühzeitige Alarmierung kann für das Überleben eines Unfallopfers entscheidend sein! Eine verspätete Alarmierung führt meist zu einem Nachteinsatz, verlängert somit den Einsatz, führt zu größerem Personaleinsatz und somit zu unnötig hohen Kosten.
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