09.02.2018, 11:51 Uhr

Kinder wollen lernen und mitentscheiden

Die Kinder im "Mobile" gestalten ihre Welt.

Familiäre Atmosphäre und eine Begegnung auf Augenhöhe, das wünschte sich Gerlinde Sucher als sie vor 15 Jahren zusammen mit zwei weiteren Müttern das „Kinderhaus Mobile“ in der Oberalmer Kahlspergsiedlung gründete.

OBERALM (kra).  Ein Blick ins Innere des Einfamilienhauses in der Kahlspergsiedlung an einem Dienstag Vormittag: Im Erdgeschoss sitzen zwei Kinder am Küchentisch, plaudern und schälen Kartoffeln. Denn heute wird zu Mittag selbst gekocht.  

„Was wir kochen, entscheiden wir gemeinsam mit den Kindern,“ sagt Gerlinde Sucher, „wir beziehen die Kinder bei Entscheidungen, die sie betreffen, mit ein und es gibt im Alltag viele Situationen, wo das möglich und sinnvoll ist.“ Denn zu erleben, dass man sich und seine Bedürfnisse einbringen kann und dass auch andere dieses Recht haben, sei eine ganz wichtige Erfahrung. Dabei sieht die Pädagogin ihre Aufgabe in der wohlwollenden Begleitung, da die Impulse in der richtigen und anregenden Umgebung von den Kindern selbst kommen.

Familien schätzen das Konzept

Die familiäre Atmosphäre im "Mobile" ist seit 15 Jahren ein Erfolgskonzept: Von Anfang an war die Nachfrage nach Betreuungsplätzen groß und 2014 gab es für die "best practice"-Einrichtung eine Auszeichnung vom Bundesministerium.

Gerlinde Sucher ist eine der drei Pädagoginnen aus dem Gründungsteam und leitet das Haus heute. Mit ihrem Team begleitet sie Kinder von eins bis sieben Jahren in zwei Gruppen: Basis des Konzeptes sind die Erkenntnisse aus der elementaren Bildungsforschung. Das Masterdiplom für Elementarpädagogik hat Gerlinde Sucher seit vergangenem Herbst in der Tasche.

Wie lernen Kinder?

„Es geht darum, die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen den Weg für weitere Entwicklungsschritte zu ebnen. Dafür ist vor allem die Bereitschaft von uns Pädagogen notwendig, auch uns selbst als Lernende zu begreifen. Für Lehrerinnen und Lehrer ist die universitäre Aus- und Weiterbildung selbstverständlich und sollte es auch für den elementaren Bildungsbereich sein.

Gerade für die prägendste Entwicklungsphase im Leben sollten wir die aktuellen Erkenntnisse der Entwicklungs- und Lernforschung nutzen. Denn es geht hier schließlich um die jungen Menschen, die in Zukunft unsere Gesellschaft gestalten werden.“ Wie Kinder lernen und wie man dafür die besten Bedingungen schaffen kann, damit befasst sich die Elementarpädagogik. 
Deshalb meint Gerlinde Sucher: "Wenn wir aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen schöpfen können, ist das für alle Seiten eine große Bereicherung. Denn Kinder im sogenannten elementaren Bildungsbereich brauchen andere Zugänge als ältere Kinder, bei denen das abstrakte Denken bereits entwickelt ist.“

Vertrauen schafft Sicherheit

Ganz besonders wichtig ist Gerlinde Sucher ein guter Austausch mit den Familien. Bildungspartnerschaft heißt das im Fachjargon. "Wir stehen gemeinsam mit den Eltern vor der wichtigen Aufgabe, die Entwicklung der Kinder zu unterstützen", sagt die Pädagogin, „wenn die Eltern uns vertrauen, gibt das den Kindern Sicherheit.“ 
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