05.04.2017, 00:00 Uhr

Mit Pinzgauer Speck am Everest

Wird Leithner der erste Salzburger ohne Zusatz-Sauerstoff am Everestgipfel? Mit im Gepäck ist eine Bezirksblätter-Thermoskanne.

Georg Leithner will keinen Sauerstoff, aber Heimat-Geschmack im Rucksack

Interview von Theresa Kaserer

SALZBURG. Am 3. April sind Bergführer Georg Leithner aus Bramberg, Markus Amon aus Maishofen, Hannes Gröbner aus Innsbruck und die Schweizerin Noemi Beuret nach Kathmandu aufgebrochen, um zwischen 15. und 28. Mai den Gipfel des Mount Everest (Sagarmatha) zu besteigen. Mit den Bezirksblättern hat Leithner vor seiner Abreise gesprochen.

Du willst auf den 8.848 m hohen Mount Everest. Warum?
Georg Leithner
:
"Der Traum der Besteigung wurde in den vergangenen Jahren größer. Als Alpinist hat man den höchsten Punkt der Erde immer im Visier. Interessanterweise war aber bislang noch nie ein Salzburger ohne Sauerstoff am höchsten Gipfel der Welt."

Hast du das Buch "In eisige Höhen" von Jon Krakauer nicht gelesen? Dort oben sterben Leute.
Georg Leithner:
"Doch, aber für mich klingt das nach Science Fiction. Ich sehe den Bergtourismus am Everest aber durchaus kritisch. Teilweise stehen 200 Leute an einem Tag am Everest-Gipfel. Sauerstoff und Sherpas machen es möglich, dass Menschen dort oben sind, die da eigentlich nichts verloren haben. Mit Sauerstoff reduziert man den Berg auch um gut 1.000 Höhenmeter."

Deine Gruppe geht ohne Sauerstoff. Das haben bislang insgesamt noch keine 250 Leute geschafft. "Ihr werdet als Deppen zurückkommen", haben die Ärzte schon Reinhold Messner und Peter Habeler gewarnt.
Georg Leithner:
"Jemand, der sich mit dem Höhenbergsteigen nicht beschäftigt, kann das nicht beurteilen. Hätten die Menschen kein ABS im Auto, würden sie im Winter auch vorsichtiger fahren. Ich fühle mich sicherer ohne zusätzlichen Sauerstoff, weil ich dann achtsamer bin."

Am Everest steigt man über die Leichen anderer Bergsteiger.
Georg Leithner:
"Die toten Körper sollten eine Warnung für alle sein, dass man sehr umsichtig mit sich selbst umgehen sollte. Der kleinste Fehler kann einem das Leben kosten."

Wie hast du dich vorbereitet?
Georg Leithner:
"Wenn man so will, bereite ich mich als geprüfter Berg- und Schiführer schon mein Leben lang darauf vor. Zusätzlich habe ich jetzt immer einen 25 Kilo-Rucksack herumgetragen, denn das muss ich am Mount Everest auch. Der höchste Punkt, an dem ich bislang war, war am Manaslu. Auf 7.800 Meter musste ich aber wetterbedingt umdrehen."

Ihr habt keine Sherpas.
Georg Leithner:
"Nein, wir tragen alles selbst. Wir richten vier Lager ein, jedes mit ein bis zwei Zelten. Kocher, Isomatten, Verpflegung, ... Alles muss hinauf. Mit "Tischlein deck dich" von der Firma Jentschura haben wir aber eine gute Möglichkeit gefunden, leichtes und hochwertiges Essen zu transportieren. Aber wir haben auch Speck von der Fleischhauerei Rumpold aus Neukirchen dabei - den Geschmack der Heimat."

Wie viel kostet eure Expedition?
Georg Leithner:
"25.000 Euro pro Person. Das ist aber schon günstig, weil wir unser Gepäck selbst tragen. Zum Glück haben wir ein paar Sponsoren, z. B. McKinley. Zudem gibt es ein Gewinnspiel: Mit dem Kauf einer Grußkarte kann man uns unterstützen. Mit 20 Euro ist man dabei und dafür gibt es Post von uns aus Nepal und die Chance auf tolle Gewinne, z. B. eine Matterhorn-Besteigung."

Wie geht ihr vor?
Georg Leithner:
"Wir nähern uns dem Berg langsam. Zuerst haben wir einen vierwöchigen Marsch durch das Rolwaling- und Khumbu-Tal geplant, eine Besteigung des Parchamo mit 6.273 m und die Querung des Trashi Laptsa-Passes. Dann erst erreichen wir das Basislager an der Westseite des Everests. Von dort beginnen wir mit der Gipfelbesteigung."

Wenn du am Gipfel bist, was wirst du machen?
Georg Leithner:
"Auf keinem Gipfel ist der Gipfel alles. Man muss ja auch wieder hinunter. Viel Zeit bleibt nicht. Ich werde aber versuchen, der Menschheit Energie zu senden. Ich habe einen kleinen Dsi-Stein an meiner Kette, den lasse ich oben. Diese tibetischen Steine gelten als magisch und sollen vor Unglück schützen. Vielleicht hilft es und die Menschheit besinnt sich."

>> Tipp: Sie können die Expedition auf www.georg-leithner.at mitverfolgen; oder Facebook-Seite Georg Leithner
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