09.01.2018, 11:23 Uhr

Ohne Rauch geht auch? Man wird sehen

Dem Hammerwirt-Team kommt keine Zigarette ins Haus. Geschäftsführer Florian Eisele: "Es geht auch um den Arbeitnehmerschutz." (Foto: Coen Kossmann)

Christian Stöckl will das "Rauchfrei-Pickerl". Der Tennengauer Hammerwirt fährt gut mit seinem rauchfreien Lokal, das einen Fokus auf die Kulinarik erlaubt. Die Besitzer halten ein allgemein bindendes Verbot in der Gastronomie für längst überfällig – und das nunmehrige "Nein, doch nicht" der neuen Regierung für sinnlose Verzögerung.

SALZBURG/OBERALM (lin/jus). Geht es nach dem Willen von Gesundheits- und Spitalsreferenten LH-Stv. Christian Stöckl, soll Salzburg freiwillig rauchfrei werden. "Die Schädlichkeit des Rauchens und vor allem auch des Passivrauchens ist bekannt und wissenschaftlich mit Zahlen belegt. Außerdem belastet das Rauchen das gesamte Gesundheitssystem enorm. Deshalb schlage ich vor, dass Salzburg rauchfrei werden soll – und zwar auf freiwilliger Basis", sagt Stöckl.



Kampf der verrauchten Luft

"Ich appelliere an alle Wirte im Land, ihren Gästen ein Nichtraucherlokal anzubieten. Als sichtbares Zeichen dafür erhalten die Lokalbesitzer einen Aufkleber mit der Aufschrift "Salzburg freiwillig rauchfrei". Ich lade unsere Gastronominnen und Gastronomen herzlich ein, diesen Aufkleber an der Eingangstür anzubringen. Das schafft für alle Gäste schon vor dem Besuch des Lokals Klarheit und sie wissen, dass ihre Gesundheit nicht von Rauch beeinträchtigt werden wird", sagt der Gesundheitsreferent.

Freiheit auf Kosten anderer

"Mehr als 10.000 Menschen sterben jedes Jahr in Österreich als Folge des Rauchens. Und abgesehen vom persönlichen Leid der Betroffenen sind allein die ökonomischen Schäden für das Gesundheitssystem weit höher als die Einnahmen aus der Tabaksteuer", betont Stöckl. "Viel zu wenig beachtet wird meiner Meinung nach, dass Passivraucher – und das betrifft vor allem die Mitarbeiter in der Gastronomie – einem stark erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an den Folgen des Rauchens zu erkranken. Extrem wichtig ist in meinen Augen die Vorbildwirkung: Das immer wieder gepredigte Ziel, Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, kann am besten erreicht werden, indem das Nichtrauchen als Normalzustand gelebt wird", so Stöckl.


Frischer Wind statt blauer Dunst

Ein junges Gastro-Gespann übernahm den Hammerwirt in Oberalm vor viereinhalb Jahren. Mit den Vieren zog im wahrsten Sinne frischer Wind ein. Sie führen ihr Lokal komplett rauchfrei. "Die jetzige Regelung ist ein Drama", sagt GF Florian Eisele, "das Nichtrauchergebot für Wirte hätte im Mai endlich erledigt gehört. Ich glaube aber, dass es über kurz oder lang ohnehin kommen wird – das jetzt ist nur Verzögerungstaktik." Dass sich befreundete Gastronomen in der Gegend Sorgen um ihre Stammkundschaft machen, hält er für eine Fehleinschätzung.

"Wenn nirgends mehr geraucht wird, gehen die Leute nicht zur Konkurrenz, sondern eben nach draußen. Sie bleiben ja deswegen nicht zu Hause."
Hammerwirt-Besitzer Florian Eisele

Geschäftspartner Thomas Thalhammer ergänzt: "Uns betrifft das Ganze zum Glück wenig. Wir haben unsere Entscheidung vor viereinhalb Jahren gefällt. Der Fokus liegt auf Kulinarik. In unseren ersten Monaten haben wir erlebt, dass tatsächlich viele der Stammgäste des Vorbesitzers am Absatz kehrt gemacht haben, als es hieß, bei uns kann man nicht rauchen. Das machte uns schon ein etwas mulmiges Gefühl. Aber das Schöne ist: bei unserem jetzigen Publikum wissen wir genau, dass sie wegen des Werts des Essens kommen."

Stöckls "Rauchfrei-Pickerl": gut gemeint, aber wirkungslos?

Die Initiative Stöckls finden die "Hammerwirte" begrüßenswert, glauben aber nicht, dass sie viel bewirken wird, weil sich die Wirte längst festgelegt hätten, wie sie jeweils verfahren wollen: "Manche haben ja in den letzten Jahren auch räumlich aufwendig umstrukturiert", so Eisele. Sie selbst können sich vorstellen, "das Pickerl" anzubringen, meinen aber, dass es in ihrem Fall keinen Unterschied mache, weil man sie eh als rauchfreies Lokal kenne.


21 Prozent wollen aufhören

Laut IMAS-Neujahrsumfrage drehen sich die Top-Vorsätze der Österreicher um die Gesundheit: Neben mehr Sport, sich gesünder zu ernähren und abzunehmen, wollen 21 Prozent jener, die für das Jahr 2018 einen Vorsatz haben, mit dem Rauchen aufhören – vier Prozent mehr als vor einem Jahr.

SPÖ ist mit im Boot

„Jede Maßnahme, die dem Nichtraucher- und Arbeitnehmerschutz dient, ist eine gute Maßnahme", argumentiert SPÖ-Chef Walter Steidl. "Daher unterstütze ich auch den Vorschlag der ÖVP, die Wirte in Salzburg künftig zu noch mehr Engagement bei freiwilligen Rauchverboten einzuladen. Das Ganze wäre aber nicht nötig, würde die ÖVP auf Bundesebene nicht bereits geplante Gesundheitsmaßnahmen absagen“, so Steidl. Die SPÖ wird im Salzburger Landtag den Antrag einbringen, der darauf abzielt, das geplante Rauchverbot mit 1. Mai 2018 doch noch einzuführen.
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