08.11.2017, 10:18 Uhr

Diesel unser – Der Teufel aus dem Auspuff

Wie lange wir wohl noch Diesel zapfen werden können? (Foto: Unwo)

Schlechte Umweltwerte, drohende Fahrverbote, massive Wertverluste: Dem Diesel, ehemals Liebkind der Autoindustrie, scheint es dieser Tage an den Kragen zu gehen.

TENNENGAU. Effizient, langlebig, kostengünstig: Bis zum 18. September 2015 genossen Dieselfahrzeuge einen hervorragenden Ruf. Dann wurde öffentlich, dass die Volkswagen-AG in den USA eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung verwendete, um die Abgaswerte zu manipulieren und Umeweltnormen zu umgehen. Die Folgen waren erheblich: Milliardenklagen seitens Staat und Konsumenten, ranghohe Manager auf der Flucht, massive Wertverluste der VW-Aktie. Seither kommen immer mehr schmutzige Wahrheiten ans Tageslicht. Dass auch etliche andere Automarken manipuliert haben, gerät dabei fast zur Nebensache. Doch ist jener Treibstoff, der neben dem Bier des Österreichers zweitliebster ist, wirklich so schädlich?

Unsere gute Tennengauer Luft

Fakt ist, um ein langfristiges Umdenken in Sachen Diesel wird man auf lange Sicht nicht herumkommen. Um dieses in die Wege zu leiten, bedarf es „Fairness in der politischen Diskussion“, so Hetteger, denn „davon sei man momentan weit entfernt. Vor allem für den Tennengau ist eine gute Lösung wichtig: Laut ORF Salzburg sind es in den Sommermonaten bis zu 50.000 Autos plus Schwerkehr täglich, die auf der A10 Richtung Süden rollen. Die meisten tun es mit Dieselantrieb. Das tut unserer Luft auf Dauer nicht gut – soweit herrscht Einigkeit.

Kuchler Diesellieferant gegen Dieselverbot

Ob hastige Verbote und Hexenjagden Probleme lösen, ist stark zu bezweifeln. Solche Vorgehensweisen sind immer einseitig und übersehen nicht zuletzt, dass auf Dieselantriebe in Österreich eine Wertschöpfung von 17 Miliarden Euro sowie 250.000 Arbeitsplätze zurückführbar sind. Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist und bleibt Diesel ein wichtiges Schmiermittel. Erich Hettegger, Inhaber der Hettegger & Sohn GmbH in Kuchl, die seit 1958 Stadt und Land Salzburg mit Diesel beliefert, spricht sich gegen eine „Verteufelung des Diesels“ aus. Auch die vielfach gehypte Elektromobilität sieht er kritisch. Erstens ist „die Förderung der für den Akkubau benötigten Rohstoffe, der sogenannten seltenen Erden, alles andere als ökologisch“, zudem muss der erhöhte Strombedarf gedeckt werden. Wenn für dieses Plus fossile Brennstoffe wie Gas und Kohle verheizt werden müssen, sieht man in puncto Ökobilanz erst recht wieder schwarz.

Österreich ist anders. Noch.

Österreich ist derweil noch ein Garten Eden der Dieselfahrzeuge: Knapp 170.000 Diesel-Neuzulassungen werden pro Jahr verzeichnet, die Steuern sind um 8,5 Cent niedriger als bei Eurosuper (Quelle: ICCT, VCÖ 2017). Fazit: Diesel ist nach wie vor beliebt. Doch seit neuesten Messungen des deutschen ADAC ziehen auch hierzulande Wolken am Horizont auf. Weitreichenden Tests zufolge wird der angegebene Stickoxid-Wert von drei Viertel der getesteten EURO6-Modelle um bis zu das 14-Fache überschritten. Nicht nur in Deutschlands Städten hat das Folgen, auch in Salzburg stehen innerstädtische Fahrverbote im Raum. Noch sind diese nicht in Kraft, die Auswirkungen spürt der Handel aber schon jetzt: der Anteil neuzugelassener Diesel befindet sich im Sinkflut, im Gebrauchtwagensektor drohen massive Wertverluste. Detail am Rande: Vor allem untere Einkommensschichten wären betroffen, wenn alte Diesel-Kfz nahezu unverkäuflich und somit wertlos werden.


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