Tiroler Frauenpower Teil 4: Michaela Hysek-Unterweger: "Marmelade? Jeden Tag!"

Michaela Hysek-Unterweger sieht den Klimawandel und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Obstbau kritisch.
  • Michaela Hysek-Unterweger sieht den Klimawandel und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Obstbau kritisch.
  • hochgeladen von Sieghard Krabichler

Geschätzte Frau Unterweger, welches Gefühl verspüren Sie beim Gedanken, vielen Menschen bereits in der Früh den Tag zu versüßen?
Michaela Hysek-Unterweger: „Das ist einer der Gründe, warum ich ins Familienunternehmen eingestiegen bin. Denn es gibt kaum ein charmanteres Produkt als Marmelade.“

Sie sagen es immer wieder: Marmelade ist ein sehr einfaches Produkt – Frucht und Zucker. Warum sind Sie damit erfolgreich?
„Bei einem Fruchtanteil von 55 oder mehr Prozent, den wir in unseren Produkten verwenden, ist natürlich das Grundprodukt Frucht von größter Bedeutung. Wir haben schon lange Partnerschaften mit Bauern und Lieferanten, das wirkt sich auf die Qualität aus. Einen weiteren Teil bringt ein authentisches Marketingkonzept. Aber auch unsere Rezepte und die gleichbleibenden Produkte sind Teil unseres Erfolges.“

Essen Sie eigentlich noch Marmelade? Auch Fremdprodukte?
„Jeden Tag. Ich kann nicht anders frühstücken. Und natürlich auch andere Marmelade von anderen. Man muss ja wissen, was die Mitbewerber produzieren.“

Regionales punktet wieder, auch die Verarbeitung von Obst in der eigenen Küche ist wieder in. Fürchten Sie sich vor diesem Trend?
„Nein, denn diesen Trend hat es immer gegeben. Wenn es in den heimischen Gärten eine gute Ernte gibt, wird und wurde schon immer zu Hause eingekocht. Und mit dem Trend des Einkochens geht auch das Bewusstsein von guter Qualität einher. Das nützt uns wieder, denn es geht nicht mehr nur um den Preis, wie es die ‚Geiz ist geil’-Mentalität vielfach vermittelt. Nur die Hausfrauen und Großmütter, die noch einkochen, werden weniger.“

Die Firma Unterweger gibt es seit 1931. Sie leiten das Unternehmen seit 2010 in dritter Generation. Welche Herausforderungen sehen Sie für die Zukunft?
„Vom Standort in Osttirol aus eine starke Position auszubauen, ist und bleibt eine Herausforderung. Wir wissen, dass wir mit den ganz großen internationalen Playern nur bedingt mithalten können. Der Anspruch an Qualität darf dabei nicht verlorengehen. Gutes, verlässliches Personal auch in Zukunft zu finden und zu halten, bleibt ein wichtiges Kriterium.“

Ihr Vater Paul Unterweger ist eine Unternehmer-Institution in Osttirol. Ist es schwierig, sich durchzusetzen oder ist die gemeinsame Leitung eher reibungslos?
„Wir haben ziemlich genau abgesteckt, wer welchen Bereich bearbeitet. Im Krisenfall steht mir mein Vater beratend zur Seite. Natürlich reibt es sich manchmal, Tradition und Moderne wollen einfach auch diskutiert werden.“

Durchsetzen müssen Sie sich auch bei harten Verhandlungen mit Gastronomie, Handel und Industrie. Wie geht es Ihnen als Frau im harten Lebensmittelbusiness?
„Im Lebensmittelhandel sitzen mir öfters Frauen gegenüber, beim Obsteinkauf sind mehr Männer am Verhandlungstisch. Natürlich gibt es manchmal Irritationen. Aber klare Statements und Entscheidungen sind hier von Vorteil.“

Die Konkurrenzsituation am Konfitüren- und Fruchtsaftsektor ist übermächtig. Ihr Rezept dagegen?
„Klein, fein und Produktion nach Kundenwunsch: Bereits ab 600 Kilogramm können wir eigene Chargen anbieten. Wir geben auch Tipps für neue Anwendungen mit und tauschen uns mit unseren Kunden über Weiterentwicklungen aus.“

Heuer kommt es durch Frost, Hagel und Hitze zu Ernteausfällen. Wo kommt das hochwertige Obst für Ihr Unternehmen her, speziell die Marillen?
„Heuer ist kein leichtes Jahr. Natürlich fällt immer wieder eine Frucht aus, aber heuer sind flächendeckende Ernteausfälle zu verzeichnen. Erdbeere, Johannisbeere oder Weichseln sind fast nicht oder nur zu exorbitanten Preisen zu bekommen. Es helfen langjährige Partnerschaften, um auch in schwierigen Jahren gutes Obst zu bekommen. Bei der Marille sind wir heuer mit einem blauen Auge davongekommen. Natürlich müssen wir auch nach neuen Lieferanten die Augen offenhalten. Fest steht für uns, dass wir nur in Europa einkaufen.“

Ist der Klimawandel ein Thema bei Ihren zukünftigen Rohstoffüberlegungen?
„Natürlich, weil der Klimawandel auch zu unregelmäßigen Ernten führt. Das macht es für die Bauern schwieriger zu kalkulieren und manch einer steigt auf andere Produkte um.“

Sie sind ja im Wirtschaftsbund tätig. Gab oder gibt es Überlegungen, irgendwann in die Politik zu gehen? Vielleicht mit Sebastian Kurz?
„Ich bin politisch durchwegs interessiert. Aber ich habe eine Familie mit zwei kleinen Kindern und ein Unternehmen, das mich voll fordert. Daher ist derzeit ein Wechsel in die Politik kein Thema.“

Unternehmen, Familie, Business. Wie erholen Sie sich vom stressigen Alltag?
„Mein Mann und meine Kinder mit vier und acht Jahren sind zurzeit die Erholung vom Berufsalltag.“

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