Gewalt an Frauen
Abhängigkeit führt häufig zu Gewalt

Anlässlich der heurigen 16 Tage gegen Gewalt an Frauen legen v.li. Eva Pawlata (Gewaltschutzzentrum Tirol), Frauenlandesrätin Gabriele Fischer, Sozialwissenschaftlerin Petra Flieger und Lisa Weilandt (Aranea Mädchenzentrum) den Fokus auf Abhängigkeiten als Risikofaktoren für Gewalt.
  • Anlässlich der heurigen 16 Tage gegen Gewalt an Frauen legen v.li. Eva Pawlata (Gewaltschutzzentrum Tirol), Frauenlandesrätin Gabriele Fischer, Sozialwissenschaftlerin Petra Flieger und Lisa Weilandt (Aranea Mädchenzentrum) den Fokus auf Abhängigkeiten als Risikofaktoren für Gewalt.
  • Foto: Land Tirol/Pichler
  • hochgeladen von Sabine Knienieder

TIROL. Der gefährlichste Platz für Frauen sind die eigenen vier Wände. Hier werden sie häufig Opfer von Gewalt und Missbrauch. Hauptursache sind häufig ungleiche Machtverhältnisse.

Gewalt an Frauen in den eigenen vier Wänden

Heute beginnt die Initiative 16 Tage gegen Gewalt an Frauen. Dieses Jahr liegt der Fokus auf unterschiedliechen Machtverhältnissen und Abhängigkeiten. „Frauen sind innerhalb ihrer eigenen vier Wände der größten Gefahr ausgesetzt, Opfer von Gewalt und Missbrauch zu werden. Und genau dort findet Gewalt meist im Kontext ungleicher Machtverhältnisse statt“, so Frauenlandesrätin Gabriele Fischer. Verschiedenste Formen der Abhängigkeiten erhöhen das Risiko für Gewaltbeziehungen. Besonders gefährdet sind Frauen ohne existenzsicherndes Einkommen, Frauen mit Behinderungen oder ältere Frauen. Dies werde gerade bei Gewalt im familiären Kontext deutlich: Hier zeigten sich die Nähe und Abhängigkeit zwischen Opfer und Täter sowie das geschlechtsspezifische Machtgefälle besonders deutlich, so Gabriele Fischer.

Hilfe bei Häuslicher Gewalt

2019 suchten sich bis jetzt 1.211 Opfer von häuslicher Gewalt Unterstützung im Gewaltschutzzentrum Tirol. Mehr als 700 Kinder sind von häuslicher Gewalt als Opfer oder ZeugInnen mitbetroffen. „Der doch erhebliche Anstieg der Zahl an hilfesuchenden Menschen – im Jahr 2018 waren es insgesamt 1.187, die sich an uns gewandt haben – ist auch auf die vermehrte Sensibilisierung von Betroffenen zurückzuführen, wodurch sie sich eher an eine Opferschutzeinrichtung wenden“, so Eva Pawlata, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Tirol. Jedoch bleiben auch viele Frauen aus den unterschiedlichsten Gründen in einer Gewaltbeziehung.

Gewalt bindet

Es gibt viele Gründe, warum Frauen in Gewaltbeziehungen bleiben: Es zeigt sich, dass Frauen, wenn sie sich aus einer Gewaltbeziehung trennen wollen, noch mehr - teils schwere Gewalt - erleben. „Gewalt bindet“, sei eine Aussage, die gut beschreibe, was Gewaltopfer erleben: Sie fühlen sich in vielen Bereichen ihres Lebens abhängig. Sie sind es oft auch tatsächlich, weil sie abhängig gemacht worden sind.", so Eva Pawlata. Diese Frauen fühlen sich in vielen Bereichen ihres Lebens abhängig. Psychische Gewalt – angefangen von Beleidigungen, Demütigungen bis hin zu gefährlichen Drohungen – schwächt die Opfer und macht sie emotional abhängig. Oft sind es auch Sprachbarrieren, die zu Ausgrenzungen und Isolation betroffener Frauen führen. Daher sei es wichtig mit und über von Gewalt betroffenen Frauen zu sprechen. "Niemand wisse, welche Gründe die Person hat, bei einem Gewalttäter zu bleiben, so Eva Pawlata.

Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderung

Frauen und Mädchen mit Behinderung und Beeinträchtigung werden häufig Opfer von Gewalt als der Bevölkerungsdurchschnitt. Gerade Frauen und Mädchen mit Behinderungen oder Beeinträchtigunen sind im Alltag häufiger auf Hilfe angewiesen, sei es für Körperpflege, für die persönliche Mobilität oder die Kommunikation. Auch in Einrichtiungen für Menschen mit Behinderungen, kommt es zu Übergriffen auf Frauen und Mädchen, wie Studien zeigen. "Je nachdem, wie ihnen ihr Umfeld diese Unterstützung gewährt, erleben sie mehr oder weniger Abhängigkeit“, so Sozialwissenschaftlerin Petra Flieger. Hier ist die Herausforderung, Beratungsstellen aufzusuchen, noch größer. In Tirol gibt es das erste Frauenhaus mit einer eigenen Wohneinheit für Frauen mit Assistenzbedarf. Dieses ist barrierefrei und auch für Menschen mit Behinderung geeignet.

Starkes Selbstbewusstsein hilft

Ausder Praxis zeigt sich, dass es Mädchen, die von ihrem sozialen Umfeld ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein vermittelt bekommen und in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden, leichter fällt, ihre persönlichen Grenzen zu erkennen, so Lisa Weilandt vom Mädchenzentrum ARANEA. Sie sind auch in de Lage Grenzen zu benennen und Grenzverletzungen sowie Gewalterfahrungen zu thematisieren. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch, dass sich Mädchen, die von klein auf Abwertungen erfahren haben und dadurch ein schlecheres Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein haben, hier wesentlich schwerer tun. Im Mädchenzentrum ARANEA haben Mädchen mit entsprechender Unterstützung die Möglichkeit, zu selbstbewussten, selbstbestimmten und unabhängigen jungen Frauen zu werden.

Gewalt als gesellschaftliches Problem

Gewalt ist ein gesellschaftliches Phänomen, das uns alle angeht, so Lisa Weilandt.

"Um Gewalt in jeglicher Form entgegenzuwirken, braucht es demnach eine umfangreiche gesamtgesellschaftliche Präventions- und Informationsarbeit die ebenfalls Männer und Burschen mit einbezieht“ (Lisa Weilandt)

„Selbstermächtigung und Empowernment – für Mädchen und Frauen, ob mit oder ohne Behinderungen – ist der einzige Weg, Gewalt entweder schon im Vorfeld zu verhindern oder die Gewaltspirale zu stoppen“, so Frauenlandesrätin Gabriele Fischer.

Weitere Informationen

Informationsbroschüre des Vereins bidok für Menschen mit Behinderung: Hier kann man nachlesen, was man konkret gegen Gewalt tun kann, und wo Hilfeleistungen tirol- bzw. österreichweit in Anspruch genommen werden können.

16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
Autor:

Bezirksblätter Tirol aus Innsbruck

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