LH Platter im Interview
"Ohne neue Schulden wird es nicht gehen"

Im Krisenmodus: LH Günther Platter

Tirols Landesregierung, allen voran LH Günther Platter, arbeitet im Krisenmodus. Wie lange noch, ist offen.

Bezirksblätter: Die „Bleibdahoam“-Fraktion, speziell in den sozialen Medien, wird immer kleiner, die verbotenen Freizeitaktivitäten nerven die sportlichen Tiroler. Geht es nach Ostern endlich wieder raus?
Günther Platter: "Ich bin selber ein Fan der Bewegung im Freien und habe großes Verständnis für den Drang der Tiroler, die Natur zu genießen. Wie es nach Ostern weitergeht, werden wir im Detail mit den Experten besprechen. Denn jetzt einen Fehler zu machen und dann wieder bei Null beginnen zu müssen, wäre viel fataler und die Folgen gravierender. Es gehen die Fälle leicht zurück und die Genesenen steigen, zumindest ein Lichtblick, aber es braucht noch Geduld."

Aber welcher Jogger steckt im Wald irgend jemanden an?
"Man kann raus, sich die Beine vertreten. Aber es geht nicht um den Jogger im Wald. Wenn alles wieder erlaubt ist, sind die Massen wieder am Berg und auch im Tal unterwegs und somit sozialer enger Kontakt unausweichlich. Das gilt es weiterhin strikt zu vermeiden."

Wie lange wird der Tiroler Handel und die Gastronomie die Schließung aushalten? Auch die Industrie verlangt die baldige Rückkehr zur Normalität, so wie auch die FPÖ und die SPÖ.
"Es ist schon paradox. Zuerst hat es geheißen, die Maßnahmen sind zu restriktiv, die Saison zu beenden sei überzogen. Dann wurden wir geprügelt, weil die Maßnahmen zu spät oder zu wenig restriktiv gewesen wären. Nun heißt es, wir müssen zur Normalität zurück. Die Industrie arbeitet noch gut, zu spüren bekommt sie aber sukzessive die gebremste deutsche Industrie. Handel und Gewerbe müssen wieder aufsperren, wir bereiten uns derzeit darauf vor, dazu gehört auch die Maskenpflicht."

Ums Überleben muss auch der Tiroler Tourismus, für den Sie auch zuständig sind, kämpfen. Es werden wohl schwierige Jahre werden?
"Ja, es sind schwere Zeiten, nicht nur für den Tiroler Tourismus, generell für die Wirtschaft. Auch, weil international die Welt stillsteht. Es ist noch nicht abzuschätzen, wann etwa die Nachbarländer, von wo die meisten Gäste zu uns kommen, wieder die Grenzen öffnen und das Reisen ermöglichen. Denn gerade Deutschland hat weit nach Tirol Maßnahmen getroffen, wie lange sich das hinzieht, ist noch nicht abzuschätzen. Der Tourismus lässt sich nicht einfach hochfahren. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Gäste wieder zu uns kommen."

Und wie wird die finanzielle Situation des Landes nach der Krise aussehen?
"Die Nullschulden-Politik wird sich nicht ausgehen, es werden Kosten von mehreren 100 Millionen Euro auf Tirol zukommen, die Experten sind derzeit am Rechnen. Aber Tirol steht durch seine bisherige Finanzpolitik im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut da. Wir werden das finanziell gut stemmen, auch mit Hilfe des Bundes, aber ohne Schulden wird es nicht gehen."

Es hat Fehler im Krisenmanagement gegeben, speziell LR Tilg, aber auch Sie sind schwer in der Kritik. Wie sehen Sie die Chancen, Corona politisch zu überleben? Wird LR Tilg überleben?
"Die nun herrschende Diskussion ist eine typisch österreichische, auch vom Ausland befeuert. Natürlich ist man im Nachhinein immer gescheiter. Mit heutigem Wissen würde man vielleicht in manchen Belangen anders handeln. Aber damals hatte Tirol die härtesten Maßnahmen gesetzt und das waren sehr schwierige Entscheidungen, aber sie waren alternativlos. Corona ist kein lokales Phänomen, es ist eine weltweite Pandemie. Es wird eine Expertenkommission transparent alles aufarbeiten. Auf die politische Diskussion danach bin ich gespannt und fürchte sie auch nicht. Landesrat Tilg wegen eines unglücklichen Interviews ins Abseits zu stellen, empfinde ich fachlich und auch menschlich daneben. Er hat Tag und Nacht gearbeitet, ich stelle dafür niemanden an den Pranger."

Eine Möglichkeit wäre, Ihr Krisenmanagement vom Volk bestätigen zu lassen und im Herbst neu zu wählen. Eine Option?
"Jetzt muss erst einmal die Krise bewältigt werden und die Wirtschaft wieder auf Touren kommen."
Das Interview wurde bereits am Sonntag gemacht, die weiteren Entwicklungen finden Sie hier:

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