Urlaub, oder die Krux mit den Erwartungen

Wer eine Reise tut, hat was zu erzählen.
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Nahtlos versuche ich von der stimmigen Urlaubsplanung zur leider oft traurigen Tatsachenrealität zu wechseln. Wenn man das schönste Hotel bucht und in einem Rohbau eincheckt. Bilder von reichlichem Selbstbedienungsbuffet locken und ein trister Korridor mit halb so vielen Speisen der Wahrheit entspricht. Die ewiglange Sandstrandzeile mit Einsamkeit wirbt und schlussendlich jeder Meter hartumkämpft mit anderen Gästen ist. Alles Vorstellungen die ein Gräuel an sich haben, die keiner gerne erlebt.

Informationspolitik

In der heutigen Zeit sind wir es gewohnt, dass wir uns permanent mit Informationen umgeben. Nun gut, unser Gehirn ist auch dafür ausgelegt, Informationen zu interpretieren, eventuell abzuspeichern und darauf zu reagieren. Das Problem jedoch liegt hierbei an der Masse der Informationen. Zu den normalen Sinnesreizen, die uns tagtäglich umgarnen, kommen unter anderem soziale, mediale sowie arbeitstechnische Informationen in geballter Form auf uns zu. Mit der Zeit reagieren wir nur noch. Denn reagieren stellt für unsere Denkkapazität ein geringes Problem dar. Es gibt immer eine mögliche Reaktion und selbst wenn die Reaktion ausbleibt, war es eine Reaktion. Im Sport würde man durch eine fehlende Reaktion bestraft werden indem man ein Tor kassiert oder der Winner-Schlag im Tennis einfach nicht mehr zu parieren war.
Agieren, also selbst in die Offensive gehen, fällt uns hingegen immer schwerer. Wir verlassen uns auf die Informationen und reagieren nur darauf. Hinterfragen? Selten, da anscheinend keine Zeit zur Verfügung steht. So passiert es uns dann auch bei der Urlaubsplanung, dass wir uns von schön inszenierten Bildern, Texten und Eindrücken umschmeicheln lassen und in Traumvorstellungen schlussendlich die Buchung tätigen.
Werbung hat dieses Prinzip perfektioniert. „Echtes Schnäppchen der Flug!“ -> 5x umsteigen mit 12 stündigen Flughafenpanorama anstatt des etwas teurerer Direktflug mit 4 Stunden Reisedauer. Günstig birgt halt auch immer die Gefahr eines verdeckten Zusatzaufwands. Ebenso wie diese geglaubten Schnäppchen gibt es Scheinangebote, die mit vielen Specials, Zubehör und All-Inclusive auf sich aufmerksam machen. Spätestens an der Rezeption wird einem dann freundlich zu verstehen gegeben, dass man nur das „günstige Basis-Paket“ gebucht hat und somit nur die Zimmerkosten darin beinhaltet sind. Alles andere, Aufpreis.
Diese beiden Beispiele führen zwangsläufig zu einer verzerrten Wahrnehmung. Einerseits schürt Werbung unsere Erwartungen, die sie dann auf der anderen Seite gar nicht erfüllt. Kein Wunder das viele Urlaube unbefriedigend sind.

Informationskritiker vs. Weltenbummler

Um sich vor solchen Verzerrungen zu schützen könnte man nun in beide Extreme flüchten. Folgendes ist nicht zu ernst zu nehmen. Da wäre zum einen der perfekt durchgeplante, bis ins Detail von Anfang bis Ende gestaltete Urlaub. Hier gibt es keine Enttäuschungen, denn durch die vorher gesammelten Informationen haben sie bereits den gesamten Urlaub einmal durchgespielt. Nachteil, extremer Informations- und Zeitaufwand. Dafür sollte danach alles wie am Schnürchen klappen.
Wenn ihnen dies zu viel Aufwand ist, können sie es auch ohne Aufwand probieren. Einfach loslassen und loslegen. Verlassen sie ihr Domizil in Richtung Urlaub. Ohne Erwartungen ins Blaue, oder Grüne. Kein festes Reiseziel. Unterkunft? Findet sich bestimmt vor Ort. Dieses andere Ende ist wohl auch nur für bestimmte Menschen genau die richtige Weise entspannt Urlaub zu machen. Trotzdem bin ich überzeugt davon, sollten sie sich für so einen Urlaub entschließen, werden sie noch ihren Enkelkindern in ferner Zukunft davon erzählen.

Die gemäßigte Mitte finden

Wie komme ich nun zu einem Mittelding? Wie schon im Vorbericht zur Planung der eigenen Urlaubserlebnisse, finde ich es wichtig, sich bewusst zu machen was man möchte. Dies sollte möglichst vor der Durchsicht der angepeilten Reiseziele und Unterkünfte feststehen. Setzen sie sich hin und überlegen sie was sie sich von ihrem Urlaub erhoffen. Schreiben sie nieder was ihnen wichtig ist. Sie können hier nichts Falsches schreiben. Angefangen von Urlaubsziel bis ins Detail zur Farbe der Hotellobby. Wenn ihnen das wichtig ist, schreiben sie auch das hin. Erst wenn sie ihre Liste vor sich haben, gehen sie auf die Suche und an die Abgleichung mit den Angeboten. Hierbei wird es sehr wichtig sein, dass sie kompromissbereit die Angebote mir ihren Wünschen vergleichen. Nun wird ihnen auch klar wie wichtig ihnen manches auf ihrer Liste wirklich ist. Reagieren sie überschwenglich, wenn Details nicht vorhanden wären?
Im Urlaub selbst versuchen sie ihre Erwartungen zu dämpfen ohne sich dabei zu enttäuschen. „Der Pool sieht nicht so aus wie im Prospekt! -> Was soll´s Hauptsache es gibt einen, wobei ich sowieso nicht vorhabe ihn zu nutzen.“ Man lässt sich oft von Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen obwohl diese gar nichts mit dem eigenen Erleben zu tun haben.
Wenn sie ihre Erwartungen unter Kontrolle haben, bekommen kleine Aufmerksamkeiten viel mehr Glanz. Da kann man sich über die saubere Arbeit der Reinigungskraft freuen, während man unterwegs war und zusätzlich noch über die Süßigkeit, die auf dem Polster hinterlassen wurde.

Mentale Zugabe

Fassen wir kurz zusammen. Ich sollte mir bewusst machen was ich mir von meinem Urlaub erwarte. Davon kürze ich die etwas hohen Erwartungen ab und beim Urlaub selbst versuche ich auf mögliche Enttäuschungen gelassen zu reagieren.
Dieses gelassene Reagieren lässt sich nicht nur im Urlaub umsetzen, sondern kann durchaus zu einer Lebensweise werden. In erster Instanz haben immer sie ihr Leben in der Hand. Abgesehen von Schock-, Panik- oder Rauschzustand sollte es ihnen möglich sein eine Wahl zu treffen wie sie ihre momentane Situation wahrnehmen und gestalten. Wenn sie nun im Regen stehen, können sie stehen bleiben und sich über das schlechte Wetter ärgern. Sie könnten aber auch zehn Schritte weitergehen und eventuell bereits dem Wolkenbruch entflohen sein und mitten im gleißenden Sonnenlicht stehen. Oder einfach einen Regenschirm aufspannen und das Prasseln der Regentropfen auf dem Schirm genießen. Dies sind nur zwei Möglichkeiten von vielen. Sie haben die freie Wahl. Lassen sie sich nicht auf das Niveau des Situationsopfers hinunter. Üben sie sich darin zu agieren um jede Situation so abzuändern wie es für sie am passendsten ist. Wenn sie darin geübt sind, gibt es wenig, dass sie noch enttäuschen kann. Im Urlaub ist es wunderbar diese Fähigkeit weiterzuentwickeln da sie mit manchen Situationen konfrontiert werden, die sie im Alltag so nicht erleben.

In diesem Sinne, probieren sie es aus. Ich wünsche ihnen noch angenehme Urlaubstage und entspannte Freizeit. Bleiben sie gesund und wohlbehalten auf ihren Reisen.

Ihr Mentalcoach,

Christoph Wudy

Autor:

Christoph Wudy aus Triestingtal

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