Geschichte
Fake-News aus dem Mittelalter: Leopold III NICHT Gründer von Mariazell im Wienerwald

Das Totenbuch des Klosters Mariazell in Österreich gelangte im 16. Jh. ins Stift Melk, der Großteil der Bücher 1791 ins Stift Lilienfeld.
  • Das Totenbuch des Klosters Mariazell in Österreich gelangte im 16. Jh. ins Stift Melk, der Großteil der Bücher 1791 ins Stift Lilienfeld.
  • Foto: www.mariazell-wienerwald.at
  • hochgeladen von Manfred Wlasak

Hoffen auf die Ewigkeit: Ein neues Buch über Mariazell im Wienerwald bringt interessante Erkenntnisse.

ALTENMARKT. Der Babenberger Markgraf Leopold III ist unser Landespatron. Dass er - wie stets gelehrt wurde - das Kloster Klein-Mariazell gründete, gilt jetzt als widerlegt. Generationen von Historikern sind mittelalterlichen Fake-News aufgesessen.

Überraschung bei Recherchen

Über die Gründung und Entfaltung des Benediktinerklosters gab Thomas Aigner, Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten, mit mehreren Co-Autoren ein Buch heraus. Bei den Recherchen zu 'Hoffen auf die Ewigkeit' (Kral Verlag) stieß er auf brisante neue Erkenntnisse. Fakt ist: In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sind mit dem Geschlecht der 'Haderichen' erstmals adelige Grundherren im oberen Triestingtal genannt. Sie gründeten eine Mönchszelle, die dank ihres Nahverhältnisses zum Kloster Göttweig den Aufstieg zur autonomen Benediktinerabtei erlebte. "Im Stiftungsbrief aus dem Jahr 1136 ist Markgraf Leopold III als einer der Gründer vermerkt, der angeblich den Bau der Kirche veranlasste und den Aufstieg zum Kloster ermöglichte", bestätigt Thomas Aigner. Dies wurde bislang nie angezweifelt und über Generationen weitergelehrt. Aber: Im wiedergefundenen Necrologium (Totenbuch) des Stifts ist dieser angeblich so wichtige Stifter mit keiner Silbe erwähnt. Es ist offensichtlich, dass Leopold III erst nachträglich in den Stiftsbrief eingefügt wurde. Vermutlich, um dem Kloster nach dem Aussterben der Babenberger als angeblich 'landesfürstliche Stiftung' Vorteile zu sichern.

Mittelalterliche Dokumente

Historiker sind bei ihren Forschungen unter anderem auf alte Dokumente angewiesen. Thomas Aigner: "Angesichts des fast völligen Verlustes des Stiftsarchivs nach der Aufhebung des Klosters 1782 ist es ein Glücksfall, dass die für das Hochmittelalter relevanten Texte gefunden wurden." Erfahrene Forscher erkennen, dass es sich bei vielen Dokumenten dieser Zeitepoche lediglich um später angefertigte Abschriften, Ergänzungen oder schlicht um Fälschungen handelt. Vieles wurde wegen geänderter Rechtsgrundlagen nachträglich legalisiert, manches einfach dazuerfunden.

Mariazell in Österreich

Im Mittelalter hieß das Kloster 'Mariazell in Österreich', um sich von jenem in der Steiermark zu unterscheiden. Beide Gebiete waren damals Markgrafschaften. Die Grenze verlief über den Pechsteig, heute Gerichtsberg.

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