Geschichte der Pottendorfer Zuckerfabrik

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POTTENDORF. Im Festsaal der Fa. Landegger (Burgenlandstraße 3, Landegg) fanden einige Veranstaltungen statt. Die Verleihung des Ehrenringes der Marktgemeinde Pottendorf an unseren Lokal-Künstler Gustav Strasser oder die Buchpräsentation von Hans Leopold mit anschließender Ausstellung „Menschen - Zeiten - Erlebnisse“.

Alle Besucher waren sich einig, dass hier mit viel Liebe und persönlichem Einsatz des Besitzers ein beeindruckender, repräsentativer Raum in einem alten Industriegebäude geschaffen wurde.

Das Haus war ein Teil der mit der Kampagne 1858/59 eröffneten von Josef von Baechle, Ignaz Hartig, Conrad Patzenhofer sen., Ferdinand Patzenhofer, Daniel Rothermann sen. und Wilhelm von Rothermann gegründeten „Pottendorf-Landegger Zuckerfabrik“. Mit dem Bau der Anlage wurde bereits 1857 auf fürstlich Esterházyschem Grund neben dem Maierhof begonnen, das Objekt erhielt die Konskriptionsnummer 53.

Produktionsmengen (Zuckerrübe)
Jahr / Gesamtjahresmenge / Verarbeitung an einem Tag

1858 / 300 Waggon / 4,0 Waggon
1860 / 830 Waggon / 8,3 Waggon
1878 / 1.180 Waggon / 11,8 Waggon
1888 / 3.132 Waggon / 31,3 Waggon
1898 / 4.536 Waggon / 40,0 Waggon
1908 / 5.800 Waggon / 58,0 Waggon

Durch die Zuckerfabrik kam auch wieder Geld in die magere Gemeindekasse und es konnte nun endlich die 1683 (Türkenkrieg) zerstörte und nur notdürftig hergerichtete Landegger Kirche generalsaniert werden. Diese erhielt eine neue Dachdeckung an Stelle des Strohdaches und der hölzerne Glockenturm wurde nun gemauert. Es entstand die Kirche, die manche noch in Erinnerung haben, bevor sie 1944 den Bomben zum Opfer fiel.

1909 beendete die Landegger Zuckerfabrik ihre Produktion, in Bruck war eine etwa dreimal so große Zuckerfabrik entstanden, Teile der maschinellen Einrichtung wurde von Landegg nach Bruck an der Leitha übernommen.

Mit dem Eintritt Italiens in den ersten Weltkrieg am 23. Mai 1915 und der Evakuierung der Bevölkerung des Isonzogebietes wurden die Gebäude der stillgelegten Zuckerfabrik als Unterkunft für die Ausgesiedelten verwendet und später durch ein Barackenlager erweitert welches das gesamte Gebiet der heutigen „San Lorenzo Siedlung“ umfasste.

Nach Ende des Krieges kehrten die Flüchtlinge und Evakuierten in ihre ursprünglichen Wohnorte und was davon geblieben war zurück. Kurze Zeit verwendete das Jugendamt der Stadt Wien die Lagereinrichtungen für die Unterbringung erholungsbedürftiger Kinder.

1920 begann die Mühlendorfer Bleistiftfabrik ihre Produktion in die Gebäude der früheren Zuckerfabrik zu verlegen, auch die „Medica“ (Heilkräuterfabrik“) zog in ehemalige „Zuckergebäude“ ein.

1928 wurde das Gelände des ehemaligen Barackenlagers parzelliert und verpachtet.

Den nahe der Leitha gelegenen Teil der Zuckerfabrik kaufte Ing. Arthur Tack und errichtete 1950 die Weberei Tack und Co. – heute Tierklinik Dr. Werner Tack. Der restliche große Teil der ehemaligen Zucker-Fabriksgebäude wurden von den Herren Knaus und Löw erworben, hier entstand 1951 die „Textilfabrik Löw und Knaus“.

Roland Knaus war ein hervorragender Organisator, fast aus dem Nichts und mit Nichts baute er die Fabrik 1947 auf und aus. Herr Knaus selbst erzählte dass zum zunächst vorgesehenen Abbruch des vierstöckigen Zuckermagazines nicht einmal das notwendige Werkzeug vorhanden war. Aus alten Waggonfedern, die in irgendeinem Lager aufgetrieben wurden schmiedete der Schlossermeister Franz Nemeth in Landegg Krampen (Pickel) für den Abbruch, aus 200 l Benzin- oder Ölfässern wurden Schaufeln produziert. Das Baumaterial des abgetragenen Zuckermagazines wurde für den Umbau des Betriebes verwertet oder die Dach- und Mauerziegel verkauft. Herr Knaus führte den Betrieb bei ständig wachsendem Umsatz bis zum Jahre 1999 und ging 80 jährig in Pension.

1999 übernahm Gerhard Orasch auch den Betrieb des Roland Knaus (KARO) nachdem er bereits 1989 einen Teil der Landegger Textilfabrik gekauft hatte. Was nun aus dem alten Gebäude und den Hallen gemacht wurde muss man sehen. Allein der Anblick von außen ist eine Augenweide, helle Fassaden und eine großzügige Platzgestaltung bilden einen Rahmen der fast zum Eintritt drängt. Ein „Herzeigeblick“ auf Landegg.

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