Gestrandet: Verloren im Triestingtal

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Haben Sie schon einmal versucht, gegen 23 Uhr mit einem öffentlichen Verkehrsmittel von Leobersdorf nach Veitsau zu fahren? Es wird vermutlich bei einem Versuch bleiben.

TRIESTINGTAL (les). Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Sie sind nicht im Besitz eines Führerscheins oder Ihr Auto ist kaputt. Sie treffen Freunde in Wiener Neustadt und sind daher auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Gegen 20 Uhr machen Sie sich auf den Heimweg. Sie fahren mit dem Zug nach Leobersdorf und dann ... war es das. Kommt es Ihnen bekannt vor? Das Tries-tingtal steckt in der Öffi-Krise und das nicht erst seit gestern. Viele Einwohner sind auf die Nutzung von Bus und Bahn angewiesen und leiden sehr unter der aktuellen Fahrplansituation.

Verbindungsprobleme

Ein Beispiel: Die letzte Verbindung zwischen dem Bahnhof Leobersdorf und Grillenberg findet sich laut Fahrplanauskunft um 19:17 Uhr. Was tun, wenn man länger arbeitet und erst um 20:00 Uhr in Leobersdorf ankommt? Doch nicht nur abends steht es schlecht um die Verbindungen: Um 13:24 fährt ein Postbus vom Bahnhof weg und ist etwa eine Stunde später in Furth/Triesting. Wer diesen Bus verpasst, muss sich auf drei Stunden Wartezeit einstellen, wenn er direkt nach Furth fahren möchte. Weiters ist von Verspätungen, verfrühten Abfahrten oder simplem Ausbleiben einer planmäßigen Fahrt die Rede. DI Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB: „Grundsätzlich ist es so, dass die Buslenker auf den Zug warten. Dieser Zeitraum beträgt 5 bis 8 Minuten. Bei größeren Verspätungen ist der Anschluss nicht mehr zu gewährleisten, da sonst das gesamte Fahrplangefüge nicht gehalten werden kann. Wir fah-ren in diesem Gebiet im Auftrag des Verkehrsverbunds Ostregion. Der VOR ist für die Fahrplangestaltung und auch Kursfrequenz verantwortlich.“

Wer trägt die Verantwortung?

VOR-Bereichsleiter Werner Molik auf Anfrage der Bezirksblätter: „Der VOR ist von seinen Eigentümern - den Ländern Wien, NÖ und Bgld - angehalten, die knappen Mittel möglichst bedarfsgerecht einzusetzen, dadurch ergeben sich zwangsläufig in nachfrageschwächeren Regionen längere Intervalle als in Regionen mit hohem Fahrgastaufkommen. Wir werden uns aber Ihren Hinweisen folgend das Fahrplangefüge im genannten Bereich nochmals ansehen und prüfen, ob Verbesserungen möglich sind.“ Ein beigelegter Fahrplanauszug, zur Veranschaulichung der „nicht so tragischen“ Streckenverbindungen, geht leider am angefragten Thema vorbei.

Wie sieht die Zukunft aus?

Der Grundtenor ist fast immer derselbe: „Es muss etwas getan werden!“. Wer aber im Endeffekt wirklich etwas ausrichten kann, was genau geändert werden soll und wie lange es dauert, bis tatsächlich etwas passiert, kann niemand konkret beantworten. Die ÖBB ist für den Fahrplan nur bedingt verantwortlich. Der VOR ist großteils an die Mittel der Länder und deren Weisungen gebunden. Es ist nun mal so wie es ist: Die Situation ist nicht gut und wird sich auch in naher Zukunft nur bedingt, wenn überhaupt, verbessern. Bis dahin heißt es für die Menschen im Triestingtal abwarten. Einen kleinen Trost gibt es aber: Man kann die Warterei mit einem guten Buch überbrücken. Zeit genug hat man dafür.

Politische Stimmen zum Thema:

Bgm Hirtenberg Gisela Strobl, SPÖ:

„Wir versuchen etwas zu ändern, speziell für Schüler und Pendler. Wir stehen in Kontakt mit den ÖBB, um die Verbindung zwischen Hirtenberg und den Schulen in Berndorf und Weißenbach besser zu gestalten. Zu manchen Zeiten hapert es bedenklich.“

GGR Reinhold Wallner, ÖVP:

„Wir unterstützen jede Initiative zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. Auch bei uns in Enzesfeld ist die Anbindung an die Südbahn nicht unbedingt optimal. Es geht uns hier aber jedenfalls wesentlich besser als im oberen Triestingal. Auch in Hinsicht auf den Klimaschutz, sollte da etwas getan werden.“

Bezirkchefin Helga Krismer, Grüne:

„Wir bemühen uns seit Jahren darum, dass ÖVP und SPÖ das Problem erkennen und handeln. Wenn der Öffi Verkehr im Triestingtal ordentlich ausgebaut wäre, würden die Menschen das begrüßen und auch verstärkt nutzen. Die Menschen sollen weniger Auto fahren, hier fehlt es aber Alternativen.“

Bezirkchef Peter Gerstner, FPÖ:

„Unsere Forderungen bestehen schon lange, den Öffi Verkehr attraktiver zu machen. Auch in Bad Vöslau ist die Situation teilweise katastrophal. Die Verantwortlichen sind leider nicht an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert.“

Autor:

Markus Leshem aus Schwechat

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