09.06.2017, 08:23 Uhr

Zufall?!

"Alea iacta est"

Zufall ist aus meiner Sicht ein spannendes Wort. Denn irgendwie passierte es, dass dieses Wort auch gleichzeitig sein eigenes Antonym, also Gegenteil wurde. Wie ich das meine, lesen Sie selbst.

Zufall ungleich Zufall

Zufall ganz banal er(w)örtert: etwas fällt jemandem zu, also stößt jemandem zu (im neutralen Sinne), etwas passiert oder wird erlebt. Diese Ausdrucksweisen haben alle gemein, dass sie von einer Tat bezeugen. Ob es ein glorreiches oder fatales Ereignis ist, davon weiß man jedoch nichts. Die stattgefundene Aktion wird passiv erlebt. Das bewusste oder unbewusste Erleben ist nicht näher ersichtlich. Es ist passiert ohne ein vermeintliches Zutun. Deshalb fühlt es sich auch unvorhergesehen an.
Gleichzeitig gibt es auch die Möglichkeit das etwas zufällt, eine Tür zum Beispiel. Was wiederum mit Abgrenzung, Trennung oder Beendigung verbunden werden kann. Somit also das Gegenteil bezeugt, welches im vorangegangenen Absatz erläutert wurde.
Zum einen kann Zufall die Möglichkeit, den Anfang eines unerwarteten Abenteuers, zum anderen aber auch das Ende eines solchen bezeugen.

Hart erarbeitet

Im heutigen Gebrauch wird dem Zufall oft etwas Glückliches unterstellt, wofür man entweder keine Worte hat, um die Situation zu analysieren, oder sogar etwas beschämt ist (ob positiv oder negativ), dass es so gekommen ist, wie es nun ist. Allen gemeinsam ist, es fühlt sich etwas verwunderlich an und ist nie inszeniert oder gar kontrolliert herbeigeführt.

Aber kann nicht Zufall auch Ergebnis harten Erarbeitens sein? So, dass „der Erfolg“ (Tat) schlussendlich dem Tüchtigen zufällt? Und nimmt sich der Zufall dann nicht als Wort wiederum selbst aus dem Rennen? Denn wenn heute etwas zufällig passiert, wurde es ja nicht geplant. Oder doch? Aber dann wäre es erarbeitet, erreicht, erschlossen, errungen, aber eben nicht zufällig.

Aus meiner Sicht gibt es nur wenige wunderliche Zufälle. Jede Aktion führt zu einer Reaktion, jedes Handeln hat seine Auswirkungen und Konsequenzen. Sogar jedes „Nicht-Handeln“ führt zwangsläufig zu einer Reaktion. Denn wir Menschen stehen mit unserer Umwelt in permanenter Wechselwirkung. Ganz egal wie weit man sich versucht aus der Formel herauszunehmen, man ist trotzdem Bestandteil des Systems.
Möglicherweise gibt es bewusste Zufälle, die durch eine eigene Aktion ins Rollen gebracht werden und unbewusste Zufälle, die ebenfalls durch einen selbst getriggert werden, aber nicht bedacht werden und dann umso wunderlicher erscheinen, wenn der „Zufall“ dann zuschlägt.

Knotenbahnhöfe

Zufälle sind für mich die Knotenbahnhöfe zu neuen Abenteuern im eigenen Leben, auch Chancen genannt. Auf einen Zufall zu reagieren ist wahrscheinlich das Spannendste, was im Leben passieren kann. Die Fortsetzung einer Verkettung von Ereignissen, die bei bewusstem Erleben all unsere Synapsen jubilieren lässt, Freude empfunden wird und das Leben einfach schöner macht.

Ein kleines Zufallsbeispiel wäre, wenn man im Urlaub auf die freundlichen Nachbarn trifft. „So ein Zufall.“ Nun könnte diese Begegnung daher rühren, dass bereits vor einiger Zeit über das Thema Urlaub gesprochen wurde und ganz unbewusst dasselbe Reiseziel ausgewählt wurde.
Von einer anderen Seite betrachtet, liegt es auch an unserem Bewusstsein, dass wir überhaupt mitbekommen, dass die Nachbarn zur selben Zeit am selben Ort Urlaub machen. Schließlich könnte man sie genauso gut übersehen oder unbewusst ignorieren. Dann käme es nicht zum Treffen und der Zufall wäre nicht akut entstanden. Vielleicht Wochen später wenn man zuhause vom Urlaub erzählt und bemerkt, dass man sich am selben Ort verpasst hat.
So unangenehm dieses Beispiel manchmal ist, könnte uns unser Unterbewusstsein aber auch zeigen, welche Möglichkeiten (Knotenbahnhöfe) wir zu diesem Zeitpunkt haben, denn man trifft auf Bekannte mit denen etwas unternommen werden könnte. Ob wir dies dann umsetzen, liegt an unserer Entscheidungsgewalt.

Mein Plädoyer für Zufall ist, ihm etwas mehr Gewicht im Leben zu geben und ihn nicht nur als „ist halt so passiert“ abzutun. Zufall, etwas fällt mir zu, also warum sollte ich es nicht aufnehmen und weiterverwenden? Besonders dann, wenn schon hinter der nächsten Tür mein langersehntes Ziel auf mich warten könnte. Ob über die „zufällige“ Abkürzung oder den langen Weg, Zufälle sind oft die Würze, welche wir unserem Leben ruhig öfters mal verpassen dürfen.

Und wenn ein Zufall bei Ihnen anklopft, glauben Sie mir, er ist nicht ganz zufällig bei Ihnen gelandet. ;-)


Ihr Mentalcoach,

Christoph Wudy
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