24.10.2016, 13:29 Uhr

Blumauer Wasserturm an Gemeinde übergeben

BLUMAU. Im Rahmen eines Festaktes mit Franz Gartner als Obmann sowie Dir. Willibald Balber und Ing. Walter Vogl vom Wasserleitungsverband, Bürgermeister Gernot Pauer, Vizebürgermeister René Klimes, Bgm. Alfred Artmäuer, Bgm. Hans Trink, Bgm. Hermann Kozlik und u.a. Gertraud Schlager, die für den Wasserturm im Wappen der Gemeinde Blumau-Neurißhof verantwortlich zeichnete wurde das Blumauer Wahrzeichen infolge seiner Sanierung an die Gemeinde übergeben.

„Woran wir eigentlich schon gar nicht mehr zu hoffen wagten“, sagt Bürgermeister Gernot Pauer den Verantwortlichen herzlich Dankeschön, wurde der baufällige Wasserturm doch um rund 500.000 Euro saniert, bevor er in das Gemeindeeigentum übertragen werden konnte. Danke sagte Pauer auch dem Bundesdenkmalamt sowie dem Bund selbst, der die Sanierung mit 40.000 Euro unterstützte und dem Land NÖ, der dazu 80.000 Euro an Fördermittel beistellte. Einen Blick zurück in die Geschichte des Wasserturms gewährte Verbandsobmann Franz Gartner, der dazu im Jahr 1891 ansetzte, als zurzeit der k & k Monarchie den Betrieb der Blumauer Pulverfabrik aufnahm, der den Bau des Turmes notwendig machte. Bereits 1914 benötigte die Pulverfabrikation nicht nur zur Kesselspeisung, sondern auch für verschiedene chemische Prozesse Wasser. Zur Trinkwasserversorgung war zu diesem Zeitpunkt ein Anschluss an die Badener Wasserleitung (die von Ebenfuhrt nach Baden führt) mit ihren 9 Brunnen, die eine Tiefe von bis zu 32 Meter und 6 ebenso hohen Wassertürmen errichtet worden. Während des 1. Weltkrieges entstanden weitere 28 Brunnenanlagen (Schachttiefe bis 42 Meter mit einer Ergiebigkeit von 1.330 Litern/Sek.) und 9 bis zu 45 Meter hohen Wassertürmen, die ein Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmeter hatten. Einer davon überdauerte die Geschichte bis heute und wurde nun eben als Wahrzeichen der Gemeinde Blumau-Neurißhof übergeben. Doch zurück zur Geschichte der einstigen Pulverfabrik, die Motor der Kriegsindustrie und größter Arbeitgeber der Region war. Die Fabrik umfasste ein Gebiet von 10 Quadratkilometer – „sie war allerdings in keiner Karte erfasst, um Ziel gegnerischer Angriffe zu werden“, so Gartner. Und das obwohl sie an die 18.000 Arbeiter beschäftigte, die mit ihren rund 12.000 Familienangehörigen im heutigen Gemeindegebiet wohnhaft waren. Der damalige Wasserverbrauch betrug täglich rund 80.000 Kubikmeter (!), was rund dem 10-fachen der Stadt Baden entspricht.

Als historisches Datum sollte schließlich auch das Jahr 1922 in die Geschichte eingehen, in dem eine schwere Explosion einen Großteil der Gebäude zerstörte. Die Produktion der Pulverfabrik wurde jedoch bereits während des 2. Weltkrieges wieder angekurbelt und um ein Vielfaches erweitert, sodass sie zu dieser Zeit einen Beschäftigungsstand von 40.000 (!) Arbeitern aufwies. 1960 übernahm schließlich der Wasserleitungsverband das Pumpwerk Blumau samt Pumpenanlagen. 1974 wurden die gesamte Anlage mit ihren Haupt- und Nebenbrunnen generalsaniert, auch zwei Neubohrungen fanden statt. Das Pumpenhaus, die Wohngebäude und die Chlorierungsanlange wurden erneuert. Eine nochmalige Sanierung des Wasserturms fand 1976 statt. Die Wasserrechtliche Genehmigung für die Piestingregulierung wurde 1978 vorgenommen.

2001 wurde der Wasserturm schließlich außer Betrieb gesetzt, der ab dann seinem Verfall preisgegeben war. Die Verbandsgemeinden überlegten lange Jahre, was mit dem Industriedenkmal geschehen sollte. Die Kosten für seine Erhaltung schienen ursprünglich zu hoch, das Schicksal schien besiegelt, der Turm sollte dem Erdboden gleichgemacht werden. Doch da schaltete sich das Bundesdenkmalamt ein und forderte seine Sanierung. Die Verhandlungen intensivierten sich – Verbandsobmann Franz Gartner setzte sich für die Finanzierung des Vorhabens ein, das kürzlich mit einem Aufwand von rund 500.000 Euro auch abgeschlossen werden konnte. „Ich bin froh und stolz dieses Bauwerk nun in den Gemeindebesitz übernehmen zu können“, strahlt ein sichtlich glücklicher Bürgermeister Gernot Pauer über das ganze Gesicht. Mit einer Urkunde und dem davor einstimmig gefassten Gemeinderatsbeschluss fand die Übergabe nun statt.
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