30.09.2016, 16:47 Uhr

Das teuerste Dach von Ebreichsdorf

Roland Gauss: "Wir haben keine juristische Handhabe." (Foto: Lorenz)

Dreiste Bande drängt Pensionistin Reparaturen auf und bringt sie um 40.000 Euro.

EBREICHSDORF (lorenz). „Ich kann nur jedem raten, die Finger von solchen reisenden Reparaturtrupps zu lassen. Wir haben juristisch sehr wenig Möglichkeiten gegen diese Leute vorzugehen“, bedauert Erich Habitzl von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt. Übrig bleibt eine verzweifelte 74-jährige Dame mit 40.000 Euro Bankschulden und frustrierte Polizeibeamte.

Ominöser Reparaturtrupp
Doch was war passiert? Es war an einem Freitag, als sich vor dem Haus der 74-Jährigen in Ebreichsdorf ein Lieferwagen einparkte. Zwei Männer stiegen aus und machten der Pensionistin das Angebot, ihre Dachrinnen zu erneuern. „Ich machte den Fehler, die beiden hereinzulassen“, erzählt die Frau. Dazu muss erwähnt werden, das die alte Dame vor kurzem einen Todesfall in der Familie hatte und „ich habe mich seelisch davon noch nicht erholt“, wie sie sagt. Jedenfalls kamen noch weitere Fremde in ihren Garten und begannen sofort zu arbeiten. „Die Rede war, dass die Reparatur 2.500 Euro kosten wird“, erinnert sie sich. „Fünf, sechs Arbeiter waren das ganze Wochenende beschäftigt. Dann kam der Montag und ich fiel aus allen Wolken“, erzählt die alte Dame weiter. „Die zwei Männer forderten plötzlich 40.000 Euro, da sie auch das Dach neu gedeckt haben, was überhaupt nicht notwendig gewesen wäre“.

Bank genehmigte Kredit sofort
Die Männer drängten sie schließlich dazu, einen Kredit aufzunehmen und fuhren mit ihr sofort zur Bank. Und man lese und staune: die alte Dame bekam sofort einen Kredit über 40.000 Euro. „Ich muss jetzt zehn Jahre lang sparen, um die Raten zurückzahlen zu können.“ Die verzweifelte Pensionistin erstattete zwar Anzeige, doch diese wird vermutlich im Sande verlaufen. „Obwohl diese Bande in letzter Zeit schon ähnliche solcher ‚Reparaturen‘ durchgeführt und etliche, vorwiegend ältere Personen, in Schulden gestürzt hat, haben wir keine juristische Handhabe gegen diesen Unfug. Der Staat muss sich da rasch ein Gesetz einfallen lassen“, erklärt Postenkommandant Roland Gauss von der Polizeiinspektion Ebreichsdorf. Übrigens: ein professioneller Dachdecker schätzte die durchgeführten Arbeiten auf maximal 17.000 Euro.
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