23.07.2017, 13:52 Uhr

Ein Blick in den Gefängnisalltag

HIRTENBERG (lorenz). „Der Vollzug der Freiheitsstrafen soll den Verurteilten zu einer rechtschaffenen und den Erfordernissen des Gemeinschaftslebens angepassten Lebenseinstellung verhelfen und sie abhalten, schädlichen Neigungen nachzugehen“, so lautet der Paragraph 20 des österreichischen Strafvollzuggesetzes.

Dieses Ziel wird aber immer schwerer erreichbar. Der Ton in den Haftanstalten wird rauer, das Personal ist - laut Gewerkschaft - zu wenig, es gibt Sprachbarrieren, es kommt zu ethnischen und religiösen Auseinandersetzungen zwischen den Häftlingen und die Gefängnisse sind schnell wieder in den Schlagzeilen der Medien, weil etwas „passiert“ ist. „Bei uns ist es noch zu keinem ernsten Zwischenfall gekommen“, kann Brigadier Alfred Steinacher von seiner Justizanstalt in Hirtenberg mit ruhigem Gewissen behaupten. Und das, obwohl sich derzeit eine Baustelle in der Anlage befindet. Das Gefängnis wird erweitert. „Das ist natürlich für uns eine Herausforderung“, so Steinacher, „wir müssen jeden Lastwagen kontrollieren, es müssen die Arbeiter überprüft werden, aber es ist aber auch ein Segen“, erklärt der Brigadier weiter, „es arbeiten nämlich auch unsere Häftlinge brav mit und dann sind sie am Abend natürlich müde und sind auch stolz auf ihr Tagewerk. Selbstverständlich werden sie entlohnt und die Mitarbeit passiert auf freiwilliger Basis“.

Wie in jedem österreichischen Gefängnis beträgt auch in Hirtenberg der Ausländeranteil der Insassen mehr als 50 Prozent. „Letztens war ich mit zwei Polizisten in der Beamtenkantine“, erinnert sich Steinacher, „wir bestellten drei Kaffee, klein und groß. Der Kellner, ein Häftling, konnte kein Wort Deutsch. Es war nicht leicht, ihm unsere Wünsche verständlich zu machen, schließlich klappte es aber doch. Der Kellner wird sich bald auf Deutsch verständigen können und das finde ich ist ein positives Beispiel“, so der Brigadier. „Gott sei Dank haben wir hier einen sehr guten Zugang zu den Häftlingen und das ist sehr wichtig. Zuhören, statt ignorieren“.
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