27.11.2017, 13:52 Uhr

Leobersdorf: Gutachten belegt mangelhaften Lärmschutz

Gebrochene Holzwände, zu niedrige Mauern und Grenzwertüberschreitungen bestärken Leobersdorfs Lärmschutzinitative #LebenohneLärm

(red). Knapp drei Kilometer Autobahn - die in Leobersdorf ordentlich für Wirbel sorgen: Das belegen jetzt auch zwei von der Marktgemeinde in Auftrag gegebene Gutachten über die Autobahnkilometer 28,7 bis 31,3, also den A2-Abschnitt Leobersdorf, der den Leobersdorfern schlaflose Nächte bereitet.

Gutachter: Lärmschutzmaßnahmen unbedingt erforderlich

Bürgermeister Andreas Ramharter (Zukunft Leobersdorf): „Ein Sachverständiger hat festgestellt, dass unbedingt erweiterte Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sind, um die Leobersdorfer Bevölkerung ausreichend vor dem Lärm der A2 schützen zu können. Auch zeigt sich, dass die bestehenden Lärmschutzeinrichtungen bei weitem nicht mehr in Ordnung sind und massive Schäden aufweisen. Der Schutzeffekt ist schon jetzt nicht mehr gegeben.“

Die Experten-Gutachten bestätigen damit sämtliche Forderungen von #LebenohneLärm, der Initiative aller Gemeinderats-Fraktionen für einen besseren Lärmschutz an der A2. Die Ergebnisse im Detail: Die Lärmbelastung ist generell zu hoch, zitiert FPÖ-Fraktionsobmann Dietmar Plank aus dem Gutachten: „Die Bevölkerung der Marktgemeinde Leobersdorf ist – trotz bestehender Lärmschutzmaßnahmen - vollständig einer Verkehrslärmbelastung durch die A2 Süd Autobahn von mehr als 45 dB in der Nacht ausgesetzt, wodurch der empfohlene Vorsorgewert der WHO überschritten wird. Und das laut den Lärmzahlen von 2012 – die aktuellen kennen wir noch gar nicht. Rund die Hälfte der Bevölkerung wird mit Lärmpegeln über den geltenden Nachtgrenzwert belastet.“

Lärmschutzwand erzeugt selbst Lärm

Und es könnten noch mehr werden: Der Gutachter geht nämlich davon aus, dass heute 10 Prozent mehr Fahrzeuge unterwegs sind - und sich die Anzahl der belasteten Menschen noch deutlich erhöht. Die derzeitigen Wände reichen laut Gutachten nicht als Schutz, so der geschäftsführende SPÖ-Gemeinderat Gerhard Tschakert: „Die bestehenden Lärmschutzmaßnahmen sind überwiegend desolat und zu gering dimensioniert und können keinen ausreichenden Schutz der Bevölkerung von Leobersdorf gegen die schädlichen Auswirkungen des Verkehrslärms sicherstellen. Interessant ist auch der Aspekt im Gutachten, dass teilweise die Lärmschutzwände selber Lärm machen: Auf Grund von lockeren Fluchttüren zum Beispiel entstehen laute Klopfgeräusche, wodurch die Lärmschutzwand selbst Lärm erzeugt.“

ÖVP-Gemeindevorstand Johann Zöhling: „Das Gutachten hat sich die Schäden ganz im Detail angeschaut: Da ist die Holzlattung teilweise verwittert und gebrochen und ragt mancherorts zur Fahrbahn. Zum Teil gibt’s schädigenden Bewuchs. Das Dämmmaterial aus Steinwolle ist stark verwittert und löst sich auf, sodass teilweise durchgehende Löcher entstanden sind. Immer wieder kann man wegen fehlender Platten durch die Lärmschutzwände hindurchschauen. Also hier gehört dringend gehandelt.“

Die fast 60-seitigen Gutachten wurde von der Marktgemeinde nun an die zuständigen Stellen der ASFINAG und im Land NÖ übergeben. Der Ball liege jetzt beim Autobahnbetreiber, so Bürgermeister Ramharter: „Im Grunde ist mit der ASFINAG vereinbart, dass die ASFINAG auf uns mit Plänen zukommen wird, wie der Lärmschutz erweitert werden kann. An Freitagen fahren ja 100.000 Autos auf der A2 durch unseren Ort hindurch – und die ASFINAG hat schon an gleichbelasteten Orten gezeigt, dass eine dauerhafte Besserung sehr wohl möglich ist. Wir sind für alle Gespräche offen, erwarten uns jetzt aber rasch, dass von der ASFINAG die dazu erforderlichen Grundlagen geschaffen werden.“
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