31.01.2018, 11:54 Uhr

Vom Weinviertel nach Stalingrad

BERNDORF. Am 31. Jänner jährt sich zum 75. Mal die Kapitulation von General Friedrich Paulus, der die 6. Armee befehligte und somit das Ende der wohl bekanntesten Schlacht des 2. Weltkrieges, der „Schlacht um Stalingrad“. Mit der Eroberung des strategisch bedeutenden Rüstungs- und Verkehrszentrums an der Wolga wollte Adolf Hitler ein Symbol des deutschen Siegeswillen setzen und einen persönlichen Prestigeerfolg über seinen schärfsten Gegner Josef W. Stalin feiern. Die tragischen Folgen von Hitlers Fehlentscheidung aus Größenwahn sind historisches Allgemeinwissen. Die Monate dauernden Kämpfe, Kälte und Hunger forderten insgesamt ca. 150.000 Todesopfer, 91.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft, aus der nur ca. 6000 Überlebende zurückkehrten.

In akribischer Detailarbeit hat nun Major Michael Gurschka anhand von 600 Einzelschicksale den Weg von vier „Stalingrad-Divisionen“, (44. Infanteriedivision, 297. Infanteriedivision, 100. Jägerdivision und 9. Flakdivision, welche der 6. Armee unterstellt waren und mit ihr im Kessel von Stalingrad im Winter 1942/43 vernichtet wurden) rekonstruiert. Rekrutiert haben sich die genannten Divisionen aus den Regionen Waldviertel, Weinviertel, Wien und dem Nordburgenland. Es waren rund 45.000 Opfer zu beklagen, was auch bedeutet, dass es auch heute noch in diesen Regionen fast keinen Menschen gibt, der nicht persönlich von dieser Tragödie betroffen ist.

Der Autor verwendet in seinem 240 Seiten umfassenden Buch ausschließlich originales Kartenmaterial und visualisiert Abläufe und Truppenbewegungen. Der Schwerpunkt seiner Recherche liegt dabei auf der Darstellung der Einzelschicksale, die mit militärischer Taktik und Operation zum o­ffiziellen Kriegsverlauf und den Geschehnissen an der Front in Übereinstimmung gebracht werden.

In jahrelanger Kleinarbeit wurden akribisch Dokumente und Fotos aus bisher teils unzugänglichen Archiven, zahlreichen persönlichen und bewegenden Gesprächen mit Zeitzeugen sowie aus privaten Quellen gesammelt und zu einem einmaligen Werk zusammengefügt, das dieses Buch sowohl zu einer spannenden Lektüre wie auch zu einer wichtigen Mahnung werden lässt. An dieser Dokumentation österreichischer Zeitgeschichte haben auch die letzten beiden späteren Österreichischen Generäle, Dipl. Rer. Pol. General Lothar BRÓSCH-FOHRAHEIM (war u.a. Kommandant der Landesverteidigungsakademie) sowie Dr. Otto Gratschmayer (war u.a. General-Inspekteur der Zollwache) - beide dienten in der 44. Infanteriedivision.

Veranstaltungstipp:

Das Buch wird am 1.2. um 19 Uhr im Heeresgeschichtlichen Museum Wien präsentiert.

75 Jahre her – doch längst nicht vergessen

Michael Gurschka - Vom Weinviertel nach Stalingrad 1930 bis März 1943 • Bisher unveröffentlichte dramatische Schilderungen der letzten Stunden im Kessel von Stalingrad • 600 Einzelschicksale einer ganzen Region 24 x 32 cm, 240 Seiten Hardcover, zahlreiche Abbildungen ISBN: 978-3-99024-728-0 Preis: € 39,90 www.kral-verlag.at
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