10.03.2017, 19:05 Uhr

Willkommen bei den Keaföhrenen

TRIESTINGTAL. Die Schwarzföhre prägt wie kein anderer Baum den Alpenostrand. Aber sie prägt nicht nur die Landschaft, sie prägte eine Region und vor allem die Menschen. Für Generationen von Waldbesitzern und Pechern bedeutete dieser Baum durch die Harzgewinnung und -verarbeitung die Sicherung ihrer Lebensgrundlage.
Lange Zeit stellte die Gewinnung und Verarbeitung von Harz (auch „Pech“ genannt) von der Schwarzföhre die wirtschaftliche Lebensgrundlage vieler Familien in der Region südlich von Wien im Triesting- und Piestingtal dar. Mehrere tausend Familien haben haupt- oder nebenberuflich von der Harzgewinnung gelebt. Ein hauptberuflicher Pecher musste demnach bis zu 4000 Bäume bearbeiten. Die ursprüngliche volkswirtschaftliche Bedeutung der Harznutzung war enorm: Von der Harznutzung waren bis zum Ersatz der Destillationsprodukte Kolophonium, Harzöl und Terpentinöl durch synthetische Stoffe um 1960 ganze Industrien abhängig.

Schon die alten Griechen und Römer verwendeten das Harz als Heilmittel. Jeder Pecherhaushalt stellte früher eine Pechsalbe ebenso selbst her wie eine mit Harz zubereitete Haushaltsseife. Harzpflaster war ein beliebtes Rheumamittel. Räucherungen mit Harz und Rinde praktizierte schon der Begründer der Medizin, Hippokrates. Der überaus hohe Bedarf an Harz hat das heutige Waldbild im Schwarzföhrengebiet entscheidend geprägt. Freilich ist mit der fast schlagartigen Einstellung der Harznutzung in den 1970er Jahren auch ein ganzer Berufsstand, nämlich der der Pecher, und damit eine eigene Kultur verloren gegangen. Grund waren einerseits Harz-Billigimporte aus dem Ausland und andererseits wurden immer mehr Produkte, die bisher durch Naturharz hergestellt wurden, durch Mineralöle oder andere chemische Präparate produziert (z.B. Kunst- statt Naturharzleime) Heute hat sich das Bild gewandelt: Das Interesse an traditionellem Handwerk wie der Pecherei und den aus dem Harz erzeugten Produkten, die in der letzten Harzverwertung Mitteleuropas in Hernstein noch erhältlich sind, steigt wieder. Die Pecherei wurde 2011 in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Derzeit verwenden mehr als 60 der größten Symphonieorchester der Welt das Geigenharz zum Bestreichen der Geigenbögen (Kolophonium) aus der Triesting- und Piestingtaler Gegend, da es als das qualitativ beste der Welt gilt.
Auch das Holz der Schwarzföhre wird heute wieder stärker nachgefragt und ist für Bühnenböden und Stiegen in seinen Eigenschaften unerreicht, aber auch für andere Zwecke vielfältig einsetzbar. Der Duft des Holzes wirkt jedenfalls beruhigend und entspannend. Die Keaföhrenen stellen auf ihrer Webseite www.keafoehrene.at ihre Produkte und Angebote rund um das Thema Schwarzföhre und Pecherei vor. Neben kulinarischen Genüssen bei Gastwirten und Heurigen finden sich Produkte aus dem duftenden Schwarzföhrenholz und interessante Ausflugsziele für die ganze Familie.

Details zum Projekt: Das Projekt wird über LEADER gefördert. Projektträger ist die Wienerwald Tourismus GmbH, die Projektbegleitung wird seitens der LEADER Region Triestingtal durchgeführt. Kooperationspartner sind die LEADER Region NÖ Süd und das Kleinregionsmanagement Schneebergland. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Wienerwald Tourismus GmbH, der Wiener Alpen Tourismus GmbH, den LEADER-Regionen NÖ-Süd und Triestingtal, dem NÖ Waldverband, den Gemeinden Markt Piesting, Hernstein und Pernitz und allen Keaföhrenen-Betrieben.
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