Bezirksgericht Tulln
Scheinehe: Mann ist "Kaffeekocher"

Das kann keine Scheinehe sein, wenn der Mann die Gattin mit Kaffee überrascht.
  • Das kann keine Scheinehe sein, wenn der Mann die Gattin mit Kaffee überrascht.
  • Foto: Karikatur: Simone Göls
  • hochgeladen von Karin Zeiler

Hochzeit in Sieghartskirchen wird Fall für das Tullner Bezirksgericht
TULLN / SIEGHARTSKIRCHEN / WIEN. Wenn eine Dolmetscherin den Block und zwei Stifte bereitlegt und die Ärmel hochkrempelt, dann kann man vermuten, dass es eine lange und anstrengende Verhandlung wird.
Wegen des Verdachts auf Scheinehe musste sich ein Ehepaar, das in Sieghartskirchen den Bund fürs Leben geschlossen hat, vor dem Tullner Bezirksgericht verantworten. Die 50-jährige M. lernte ihren Mann, einen Autoelektriker aus Bosnien, durch Freunde kennen, sie sei öfter zu ihm gefahren. Im Jahr 2016 ganze drei Mal, im Gegenzug kam ihr heute Angetrauter etwa jedes zweite Monat nach Österreich. Seit März 2018 leben die beiden zusammen, geheiratet wurde am 4. Mai. "Wie war der Heiratsantrag? Ist er auf die Knie gefallen? Wo haben sie die Ringe gekauft und wie viel haben diese gekostet?", wollte Richter Markus Zellinger wissen. "Naja, er ist nicht so romantisch. Weil es finanziell eng wurde und wir zusammenleben wollten, haben wir eben beschlossen zu heiraten", so die Frau.

Toiletteartikel fehlen

Auf dem vorliegenden Plan der Wohnung sollte sowohl die Frau als auch der Mann zeigen, wo sie schlafen und auf welcher Seite. "Und wer steht in der Früh zuerst auf?", so die Frage des Richters. "Ich meistens, dann mach ich den Kaffee. Aber unsere Kaffeemaschine ist kaputt, daher verwenden wir jetzt löslichen, den wir mit heißem Wasser aufgießen", so der 39-jährige Gatte. Auf die Frage ob der Mann wisse, welche Seite des Ehebettes die Lieblingsseite ist, antwortete M.: "Ich hoffe schon, gesagt hab ich es ihm aber nie". Auch auf unangenehme Fragen antwortete die 50-Jährige – wenn auch zaghaft: Nämlich wie es mit dem Beischlaf aussehe und ob es einen gäbe. "Ja natürlich, er ist ja mein Mann, nicht mein Freund".

Im Fotoalbum geblättert

Dass man hier so detailliert nachfrage, hänge mit dem Protokoll der Wiener Polizei zusammen, die im Rahmen einer Überprüfung vermutet hatten, dass es sich um den Verdacht der Aufenthaltsehe handle. Denn dort wurde vermerkt, dass sich weder Bekleidung noch Toiletteartikel des Mannes in der gemeinsamen Wohnung befanden. Und auch zu wenig Bilder. Das wollte man aber nicht auf sich sitzen lassen, flugs holte die Angeklagte ihr Fotoalbum aus der Tasche und bewies, dass man hier einiges – zumindest von der Hochzeit – hatte. Für ihren Mann S. war es jedenfalls Liebe auf den ersten Blick, wie er angab. Bei der weiteren Vernehmung des Mannes wurde schnell deutlich, dass es sich großteils um "übereinstimmende Angaben handelt", so Zellinger. Urteil: Freispruch rechtskräftig. Naja. Ende gut, alles gut. Und morgen gibt's wieder Kaffee.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen