So grün: Naturoase Dürnrohr

Stefan Zach, EVN Sprecher, Gerhard Heilingbrunner, Ehrenpräsident des Umweltdachverbandes und Alexander Mrkvicka, Biologe.
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  • Stefan Zach, EVN Sprecher, Gerhard Heilingbrunner, Ehrenpräsident des Umweltdachverbandes und Alexander Mrkvicka, Biologe.
  • Foto: EVN Gabriele Moser
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DÜRNROHR / NÖ. Bei einer von der EVN beauftragten Erhebung zur Flora und Fauna hat ein Biologen-Team aus Wien, Niederösterreich und der Steiermark aber genau das am Kraftwerksgelände Dürnrohr gefunden. Knapp 20 Experten aus den verschiedensten Bereichen haben in zahlreichen Expeditionen das Gelände des EVN Kraftwerks Dürnrohr durchforstet. Neben vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten war mit der Simsenspornzikade auch ein sogenannter „Neunachweis für Niederösterreich“ dabei.
„Wir haben den Kraftwerksstandort Dürnrohr bereits 2009 untersucht. Diesmal wollten wir diesen speziellen Lebensraum noch genauer durchleuchten, um weitere Aussagen hinsichtlich des Kraftwerksgeländes als Lebensraum und Rückzugsgebiet für Flora und Fauna zu erhalten und um die Pflegemaßnahmen der Flächen weiter verbessern zu können“, erklärt EVN Sprecher Stefan Zach.

Über 1.100 Arten

Insgesamt konnten bei der diesjährigen Untersuchung über 1100 Arten nachgewiesen werden. „An einigen schwer bestimmbaren Artengruppen wird noch gearbeitet. Diese beeindruckende hohe Zahl repräsentiert aber nur einen Teil der Vielfalt im Kraftwerksgelände. Die gesamte Artenvielfalt erschöpfend zu erfassen, würde Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern“, erläutert Wild-Biologe und Projektleiter Alexander Mrkvicka.

Vielfalt ist einzigartig

Auch der Ehrenpräsident des Umweltdachverbandes Gerhard Heilingbrunner ist von den Funden beeindruckt: „Der Artenreichtum, der hier in Dürnrohr gefunden wird, überrascht uns immer wieder. Hier wird sichtbar, wie die Natur sich ihren eigenen Weg sucht, wenn man sie nur lässt. Eine solche Vielfalt ist im ganzen Tullnerfeld einzigartig.“
„Die Bewahrung der Artenvielfalt ist der EVN ein wichtiges Anliegen. Die verschiedenen Spezies in Dürnrohr sollen deshalb auch bestmöglich geschützt und gefördert werden. Neben dem laufenden Ausbau erneuerbarer Energien wird so ein weiterer Beitrag zur Bewahrung unserer schönen Heimat geleistet“, sagt Zach.

Das Kraftwerksareal

– eine Naturoase: Über 1100 Arten auf vielfältigen Lebensräumen
Das Kraftwerksareal ist eine seltene Kombination unterschiedlicher Lebensräume, die durch die Umzäunung perfekten Schutz vor natürlichen Feinden und Straßenverkehr bietet:

· Die Feuchtwiesen im Südteil des Geländes sind von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung, da Teile davon seit Jahrhunderten als Wiesen genutzt und nie umgeackert wurden. Bemerkenswerte Pflanzen sind Filz-Segge, Glanz-Wolfsmilch und Osterluzei.

· Besonderheiten auf Trockenwiesen und Trockenrasen sind das Federgras, Bienen-Ragwurz unter den Tagfaltern Blaukernauge, Argus-Bläuling und Kronwicken-Bläuling. Bemerkenswert ist der Flechtenreichtum der Flächen mit einigen sehr seltenen Arten, die ehemals auf den Kies- und Sandbänken der Donauauen verbreitet waren und heute Besonderheiten sind.

· Die Tümpel des ausgedehnten Feuchtwiesengeländes im Süden sind bedeutende Lebensräume für Rotbauchunke und Alpen-Kammolch

· Geschotterte Wege mit offenem Boden und den Banketten sind im intensiv agrarisch genutzten Tullner Feld naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume konkurrenzschwache Arten wie Mäuse-Federschwingel, Zwerg-Schneckenklee und Sand-Esparsette.

Außerhalb des eingezäunten Areals liegen die „Tomatengründe“, hier dominiert Ackernutzung bei der vor allem die gefährdete Kornblume und das Sommer-Adonisröschen zu finden sind. Hervorzuheben sind aber drei bemerkenswerte Bereiche:

· Betonruinen sind Lebensraum für Felspflanzen wie Weißer Mauerpfeffer, Große Fetthenne, Zwerg-Schneckenklee und Felsennelke.

· Die ehemalige Schottergrube mit einem großen Bestand des Sanddorns als Relikt der ehemaligen Kiesbänke der Donauauen ist im Tullner Feld wohl einzigartig. Eine weitere Rarität ist das Rosmarin-Weidenröschen - ebenfalls eine Arte der Kiesbänke alpiner Flüsse.

· Offene Flächen mit Lacken werden von der stark gefährdeten Wechselkröte besiedelt.

Highlights von A bis Z:

Ameisen: Von 110 Ameisenarten Niederösterreichs wurden 40 verschiedene Arten gefunden, davon 16 der Roten Liste. Die Amazonenameise unternimmt im Sommer Raubzüge gegen andere Ameisen um deren Brut zu stehlen und diese als Sklaven aufzuziehen. Die seltene Stöpselkopfameise bewohnt Totholz von frei stehenden Einzelbäumen oder lückigen Laubwaldbeständen. Königin und „Türschließer“-Arbeiterinnen haben einen vorne abgeflachten Kopf, mit dem sie ihre Nesteingänge dicht verschließen und das Eindringen von Feinden verhindern können.

Heuschrecken: Unter den Heuschrecken sind Zwerggrashüpfer, Rotleibiger Grashüpfer, Östliche Grille und Südliche Grille bemerkenswert. Der Zwerggrashüpfer hat hier das größte Vorkommen nördlich des Wienerwaldes.

Käfer: Bemerkenswerte Käfer sind Natterläufer und Kleiner Stumpfzangenläufer die in Österreich bisher nur sehr selten gefunden wurden.

Pflanzen: Insgesamt wurden 322 Pflanzenarten, davon sind 97 Arten der Roten Liste gefunden.

Vögel: Uferschwalbe und Neuntöter sind bemerkenswerte, stark gefährdete Vögel die im Gelände brüten. Uferschwalben haben die Steilwand des Schlackenlagers besiedelt. Sie haben durch Flußregulierungen ihre natürlichen Brutplätze an offenen erdig-sandigen Steilufern heute nahezu vollständig verloren und sind auf künstliche Steilwände angewiesen.

Wildbienen: Auf dem Kraftwerksgelände wurden 49 Wildbienenarten gefunden. Die Zwerg-Harzbiene baut ihre Brutzellen an Bäumen aus Harz, die Wald-Pelzbiene legt ihre Nester in in morschem Holz an. Die Zweifärbige Schneckenhausbiene nistet in leeren Schneckenhäusern, die auf den Trockenwiesen reichlich vorhanden sind. Die Metallische Keulhornbiene legt ihre Nester in Stängeln wie z.B. dürren Brombeerranken an. Über den Winter stehen gebliebene hohle Stängel sind daher sehr wichtig.

Zikaden: 128 Zikadenarten wurden gefunden, darunter mit der Simsenspornzikade ein Neunachweis für Niederösterreich und 6 vom Aussterben bedrohte darunter Kiesbank-Glasflügelzikade, Strandhafer-Spornzikade und Zwerg-Spornzikade.

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