Welche Rolle spielt Religion im Integrationsprozess?

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SANKT ANDRÄ-WÖRDERN. Rund 30 Besucher fanden sich am Freitag im „Mainstreet-Saal“ zur dritten Diskussion der „ZusammenReden“-Integrationsgespräche 2013, die von der Caritas der Erzdiözese Wien (Asyl & Integration NÖ) gemeinsam mit der Gemeinde St. Andrä-Wördern organisiert werden, ein. Auf dem Podium diskutierten die kurdisch-stämmige Menschenrechts- und Integrationsexpertin Tülay Tuncel, der katholische Pfarrer von St. Andrä-Wördern, Marian Lewicki, und Ernst Fürlinger vom Zentrum für Religion und Globalisierung der Donau Universität Krems. Moderiert wurde der Abend von Politikwissenschafter Thomas Schmidinger.

Kirche hat nicht vermittelt
Mit der Frage, welche Rolle denn Religionsgemeinschaften im Integrationsprozess spielen würden, eröffnete Schmidinger die Diskussion. „In Bad Vöslau hat die Kirche im Konflikt um die Moschee leider überhaupt nicht vermittelt“, brachte Fürlinger ein konkretes Beispiel. Dort hätten die FPÖ und einige Leute aus dem evangelikalen Bereich gehetzt, aber die Kirchen keine integrative Rolle gespielt. „Dabei hatten sich hier doch nur Menschen zusammengefunden, die jahrelang in Österreich lebten, und die in einer Art Selbsthilfeverein ihre Moschee errichten wollten“, so Fürlinger weiter.

Religion ist Privatsache
Tuncel widersprach der Ansicht, dass es sich dabei um eine Art Selbsthilfeverein handle: „Wir sollten die Ebenen nicht vermischen. Zum einen ist Religion Privatsache und selbstverständlich kann unter dem Begriff Integration nicht Assimilation, auch keine religiöse Assimilation, gemeint sein. Zum anderen will ich sehr wohl, dass hingeschaut wird, wenn unter dem Deckmantel der Religion Politik betrieben wird, etwa in Form von Einmischungen aus den Herkunftsländern. Wenn Herkunftsländer Moscheebauten finanzieren, wollen sie in der Regel eine Gegenleistung, und das ist demokratiepolitisch problematisch.“

Ethik- anstatt Religionsunterricht
In der angeregten Publikumsdebatte wurde u.a. die Einführung eines gemeinsamen Ethikunterrichtes anstelle des Religionsunterrichtes diskutiert. Während die einen Religionsunterricht als nicht integrativ kritisierten, erwiderten andere, dass sich aber gerade dort die Kinder kennenlernen und in Austausch treten könnten.
„Ich finde, man sollte den Religionsunterricht abschaffen, denn es kann nicht integrierend sein, wenn eine Gruppe behauptet, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein“, so ein Besucher. Darauf Pfarrer Lewicki: „Im Besitz der einzigen Wahrheit befinden wir uns seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr. Dies ist ein wichtiges Dokument, denn erstmals wird aufgerufen, andere Religionsgemeinschaften zu achten und in Austausch zu treten.“
Moderator Schmidinger fasste die Diskussion zusammen: „Ein überkonfessioneller Religionskunde-Unterricht wäre vielleicht das, für das hier plädiert wird.“

Stachelberger: Hierarchiefreien Raum schaffen
Zum Thema interreligiöser Dialog gab Tuncel zu bedenken, dass „dieser erstens sehr elitär ist, also meistens nur die oberste Riege Männer miteinander spricht, nicht die Basis. Und zweitens, dass hier natürlich auch Ausschlüsse passieren. Wer redet mit, und wer darf nicht mitreden?“
Dazu Bürgermeister Alfred Stachelberger: „Deshalb sind genau solche Veranstaltungen wichtig, um einen Raum zu schaffen, der hierarchiefrei ist und wo offen debattiert werden kann.“

Zur Sache
Die Integrationsgespräche St. Andrä-Wördern werden in Zusammenarbeit zwischen der Caritas der Erzdiözese Wien (Asyl & Integration NÖ) und der Stadtgemeinde St. Andrä-Wördern veranstaltet und vom Europäischen Integrationsfonds, dem Bundesministerium für Inneres, dem Land Niederösterreich und der niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung gefördert.

Abschlussfest am 8. November
Den Abschluss der „ZusammenReden“- Reihe bildet das Abschlussfest am 8. November 2013 um 19.00 Uhrim Musikschulsaal St. Andrä, Greifensteinerstr. 22, mit einer Lesung der mehrfach preisgekrönten Autorin Julya Rabinowich und musikalischer Untermalung durch die Gruppe „FIRST of this AMBER“.

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