Gemeinderatswahl 2020 im Bezirk Tulln
Jamaica, Absolute und eine Überraschung

Wer wird künftig im Tullner Gemeinderat tätig sein?
9Bilder
  • Wer wird künftig im Tullner Gemeinderat tätig sein?
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler

BEZIRK TULLN. 97.023 Personen – 50.442 Frauen und 46.581 Männer – sind am 26. Jänner berechtigt, ihre Stimme bei der Gemeinderatswahl abzugeben. Die Qual der Wahl? Wir beleuchten jene Gemeinden, in denen es spannend werden kann.
Stimmenstärkste Partei war in Sankt Andrä-Wördern die SPÖ unter Alfred Stachelberger und zwar mit 13 von 33 Mandaten. Doch dann kam die Jamaica-Koalition, wie sie von Ex-SP-Vize Franz Semler genannt wurde. Die ÖVP unter Bürgermeister Maximilian Titz hat sich mit den Grünen und der Bürgerliste zusammengetan. Und die rote Gemeinde umgedreht.

"Experiment Jamaica-Koalition"

Das will man sich bei der SPÖ aber so nicht gefallen lassen, mittlerweile hat die ehemalige Journalisitin und Kreativfrauen-Chefin Christine Berger eine überparteiliche Plattform für Alfred Stachelberger ins Leben gerufen.

"Die Karten werden neu gemischt",

sagt Stachelberger, "wir werden schauen, wie die Wählerinnen und Wähler die Arbeit der Jamaica-Koalition beurteilen". Kritik wird zwischen den Zeilen laut betreffend die Vorgehensweise der ÖVP damals 2015. "Es war immer usus, dass die stimmenstärkste Partei den Bürgermeister stellt.

Christine Berger initiiert überparteiliche Plattform für Alfred Stachelberger.
  • Christine Berger initiiert überparteiliche Plattform für Alfred Stachelberger.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Karin Zeiler


Schüssel hat zwar 2000 immer gesagt, dass er als Dritter zurücktritt und dann ist er mit Haider eine Koalition eingegangen. Und dann hat die ÖVP auch in Niederösterreich begonnen, dort, wo die SPÖ stimmenstärkste Partei war, sie zu overrulen". 2010 habe man das in Sankt Andrä-Wördern versucht, gelungen ist es dann schlussendlich 2015. Stachelberger beschreibt die letzte Koalition als "Experiment". 

"Grüne sind stabiler Partner"

Eine vernünftige, stabile Koalition zu schaffen, ist das Ziel der ÖVP unter Maximilian Titz, der überzeugt ist, dass "es keine absolute Mehrheit geben wird". Daher müsse man sich zusammenschließen, wie das aussieht, weiß er nicht. Auch nicht, wer die meisten Stimmen  bekommt.

Wolfgang Seidl und Bürgermeister Maximilian Titz.
  • Wolfgang Seidl und Bürgermeister Maximilian Titz.
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


Fraglich ist für Titz, "ob es wieder mit einer Jamaica-Koalition geht oder nicht. Das war sehr schwierig in der Vergangenheit. Aber die Grünen waren ein stabiler Partner, eine Zusammenarbeit könnte ich mir gut vorstellen", so Titz. Grünen-Chefin und St. Andrä-Wörderns Vizebürgermeisterin Ulrike Fischer meint über die Zusammenarbeit, dass sie "sehr erfrischend war. Wir haben neuen Wind reingebracht und inhaltlich hat es viele Übereinstimmungen gegeben. Mit dem Max kann man was umsetzen", so Fischer. Über die Zusammenarbeit mit den Roten meint die Vizebürgermeisterin:

"Das red ma drüber ist so ein klassischer Stachelberger-Satz. Aber der Max ist ein Macher".

Nicht immer einer Meinung war man mit der Bürgerliste: "Hier hatten wir bei manchen Themen unterschiedliche Meinungen. Grünland soll eben Grünland bleiben, wir wollen keine Monsterprojekte oder Zersiedelung", fasst Fischer zusammen.

Alfred Kögl, Bürgerliste St. Andrä-Wördern.
  • Alfred Kögl, Bürgerliste St. Andrä-Wördern.
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


Alfred Kögl von der Bürgerliste will eines: Bürgermeister sein. Die anstehende Wahl sei eine Persönlichkeitswahl, meint er und auch dass "wir für jede Partei offen sind". Seiner Meinung nach habe zudem jede Arbeit parteiunpolitisch zu erfolgen, was auch so im Gesetz verankert ist. Offen für etwaige Koalitionsgespräche ist er jedenfalls. Mit jeder Fraktion.

"Vielleicht gibt's eine Überraschung"

Offen ist auch alles in Zeiselmauer-Wolfpassing. Nach dem überraschenden Tod von VP-Bürgermeister Walter Grosser muss sich die ÖVP neu orientieren (s. Seite 6/7). Bisher stellte die ÖVP den Bürgermeister mit sieben Mandaten und einer Koalition mit der Liste aktiv (4 Mandate), die allerdings bei der kommenden Wahl nicht mehr antritt. Sieben Mandate hat die SPÖ aktuell.

Regina Blondiau-Köllner
  • Regina Blondiau-Köllner
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


Spitzenkandidatin Regina Blondiau-Köllner rechnet sich gute Chancen aus, dass Zeiselmauer künftig von einer Frau regiert wird:

"Ich bin sehr zuversichtlich. In den letzten fünf Jahren ist es mir darum gegangen, auf Gemeindeebene so gut es ging, immer gemeinsam zu arbeiten. Ich hab das auch immer in den Vordergrund gestellt und auch, dass man Kompromisse findet und eine gute Atmosphäre ist".

Unterwegs war sie – ihrer Meinung nach – viel: Bei Veranstaltungen, bei der Feuerwehr hat sie mitgeholfen und einmal jährlich hat sie jedem Haushalt einen Besuch abgestattet. "Ich denke, dass man Gemeindepolitik so machen sollte, dass man für die Leute da ist und auf die schaut und man wird sehen, ob das belohnt wird". Eine Koaliton wird es aller Voraussicht nach jedoch werden, wer mit wem, steht noch in den Sternen: "Es ist alles komplett offen und abhängig von der Mandatsverteilung", so Blondiau-Köllner.

Barbara Prewein von den Grünen in Zeiselmauer-Wolfpassing.
  • Barbara Prewein von den Grünen in Zeiselmauer-Wolfpassing.
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


"Es treten in Zeiselmauer-Wolfpassing vier Parteien an (Anm. ÖVP, SPÖ, Grüne und Roch) und diese Gemeinderatswahl wird sehr spannend. Ich kann nicht sagen, wie diese Wahl ausgehen wird. Es kommt darauf an, wie die Mehrheitsverhältnisse verteilt werden. Es ist bei uns alles offen, genauso, welche Fraktion den Bürgermeister stellen wird. Vielleicht erleben wir da noch eine Überraschung", meint Barbara Prewein, Spitzenkandidatin der Grünen.

"Verberge mich vor keinem Gespräch"

19 von 37 Mandaten schaffte die ÖVP in Tulln unter Bürgermeister Peter Eisenschenk und damit verschaffte ein Mandat die absolute Mehrheit. Keiner weiß, ob die ausgebaut werden kann. Koalition? ÖVP und SPÖ? "Ja. Ich verberge mich vor gar keinem Gespräch, auch nicht mit der ÖVP", so Hubert Herzog. Und Grüne? "Ich stehe für Gespräche nach einem eventuellen Verlust der Absoluten zur Verfügung. Rot, Grün, Neos geht sich nie im Leben aus, da müsste so ein Erdbeben am Wählermarkt stattfinden", so Rainer Patzl, der darauf hofft, dass sie die Absolute für die ÖVP nicht ausgeht. Und Neos?

Die Neos - Herbert Schmied (re.).
  • Die Neos - Herbert Schmied (re.).
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


"Koalition hin oder her – mit uns kann man zusammenarbeiten. Mir wär' lieber Kräfte und gute Ideen zu bündeln und alles, was für Tulln gut ist, umzusetzen", so Herbert Schmied, dass es für ihn keine Exklusiv-Koalition sein muss.

"Sind kein bequemer Koalitions-Partner"

Warten hingegen will Michael Hanzl, Top Tulln, der nach der Wahl abwarten will, wer "ein Gespräch sucht".

TOP Tulln - Michael Hanzl, Ludwig Buchinger, Jürgen Schneider.
  • TOP Tulln - Michael Hanzl, Ludwig Buchinger, Jürgen Schneider.
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


Eines nimmt er vorweg: "Wir sind kein bequemer Koalitionspartner. Wir haben unseren eigenen Kopf wie man mit Budgets und Steuergeldern umgehen soll". Zudem werden in der Partei ein Vorzugsstimmenwahlkampf geführt.

"Muss ehrliches Mitarbeiten sein"

Und die FPÖ? "Aus demokratiepolitischer Sicht wäre es gut, wenn die ÖVP die absolute Mehrheit nicht hält", so Andreas Bors, dass man keine Fraktion betreffend Koalitionsgespräche ausgrenzen würde.

Andreas Bors im Gespräch.
  • Andreas Bors im Gespräch.
  • Foto: Zeiler
  • hochgeladen von Karin Zeiler


"Aber es muss schon ein ehrliches Mitarbeiten sein. Nicht so wie in den vergangenen Jahren, als wir einen Vorschlag einbrachten (s. Park & Drive-Anlage), der abgelehnt und zwei Jahre später von der ÖVP eingebracht wurde. "So stelle ich mir Zusammenarbeit nicht vor", sagt der FP-Spitzenkandidat. VP-Bürgermeister Peter Eisenschenk lässt sich (noch) nicht in die Karten Blicken: "Wir haben viel erreicht und wir haben viel vor", sagt der Stadt-Chef.

Autor:

Karin Zeiler aus Tulln

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

19 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



2 Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Weitere Beiträge aus dem Bundesland

Lokales
Jennifer Gründwald trainiert fleißig, damit ihr Körper wieder Kraft bekommt. Ihre Spende ist für ein Heim-Trainingsgerät.
6 Bilder

Wir helfen
Wir helfen im Februar: Trainingsgerät für Jennifer, die gegen ihre Spastik kämpft

Ihre Spende für einen Aktiv-Passiv-Heimtrainer für Jennifer Grünwald (28) NÖ/GRAFENWÖRTH. "Ich bin Spastikerin und linksseitig etwas gelähmt. Aber ich will eigenständig leben und wieder arbeiten, das ist mein Ziel." Jennifer Grünwald (28) ist eine starke junge Frau. Doch leicht hat sie es in ihrem Leben nicht. Schon ihre Geburt war schwierig. "Ich hatte schon immer gesundheitliche Probleme. Aber 2014 ist dann alles ausgebrochen: Taubheit, Nerven eingeklemmt, Anfälle." Damit war auch ihr...

Lokales
Mit diesem Plakat wurde die Suche an Karl Zehetmaier unterstützt.

Langenlois
Karl Zehetmaier tot aufgefunden

LANGENLOIS (mk) Jetzt ist es traurige Gewissheit: Der seit Ende Januar vermisste Karl Zehetmaier aus Langenlois wurde in Zöbing nahe der Festhalle tot aufgefunden. Auf Facebook heißt es dazu: „Die Befürchtungen bewahrheiteten sich. Wichtig ist, dass die Familie jetzt Bescheid weiß und mit ihrer Trauer beginnen kann. Viel Kraft der Familie und den Freunden!“ Und weiter: „Auch, wenn dieses Mal unsere Bemühungen nicht mit Erfolg belohnt wurden: Es war gut, dass viele von uns ein Zeichen als...

Lokales
Opfer: der bekannte Musikproduzent Rudi Dolezal.
6 Bilder

Landesgericht St. Pölten
Rudi Dolezal als Opfer vor Gericht

Wegen Untreue und Urkundenfälschung wurde ein 27-jähriger Student am Landesgericht St. Pölten zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je vier Euro (60 Tage Ersatzfreiheitsstrafe), sowie einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten verurteilt. Schadenersatz und Verfall kosten ihn zusätzlich rund 45.000 Euro (rechtskräftig). PURKERSDORF/ST. PÖLTEN (ip). Staatsanwalt Karl Wurzer legte dem, wegen eines anderen Delikts in U-Haft sitzenden Beschuldigten zur Last, während seiner Tätigkeit als...

Lokales
Adolf Marschal erzählte vom Februar 1934
2 Bilder

Geschichte
Zeitzeuge Adolf Marschal aus Wildungsmauer berichtete vom Februar 1934

BRUCK/LEITHA. "Ich erzähle euch, wie wir in Wien gelebt haben. Es ist wichtig, dass ihr wisst, welche Umstände in Wien geherrscht haben, bevor es zum Bürgerkrieg gekommen ist." Mit diesen Worten startete Adolf Marschal seine Erzählungen. Erzählungen von damals Am 12. Februar sprach der Zeitzeuge Adolf Marschal über den Beginn des Österreichischen Bürgerkriegs, der sich auf den Tag genau zum 86. Mal jährte. Er wurde 1922 als Sohn eines Mechanikers und einer Bedienerin in Wien geboren und...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.