13.08.2017, 13:18 Uhr

Doppelte (Tier-)Qual in sozialen Netzwerken

Seelenleid nach Tierleid: Psychologin Natalia Olsböck im Bezirksblätter-Interview über die (zerstörerische) Kraft der Bilder.

KÖNIGSTETTEN. "Wahnsinn, was Menschen Tieren antun können. Ich bin entsetzt". Mit ähnlichen Worten werden häufig Abbildungen von Tierquälerei in sozialen Netzwerken wie Facebook geteilt. Was das auslöst und warum man das nicht tun darf, erklärt Psychologin Natalia Ölsböck im Bezirksblätter-Gespräch.

BEZIRKSBLÄTTER: Bilder, auf denen Tierquälerei dargestellt ist: Warum teilen die Menschen so etwas?
NATALIA ÖLSBÖCK: Oft aus ehrlichem Entsetzen. Viele glauben, dass sie damit etwas bewirken können. Darauf aufmerksam machen, welches Leid es gibt. Dann darf man aber auch nicht vergessen, dass es ganz schön viele Menschen gibt, die das toll finden. Oft im geheimen, und dann ebenfalls unter dem Titel 'Oh wie furchtbar' posten und teilen.

Was lösen diese Bilder bei uns aus?
Für unsere Seele sind diese Bilder eine Katastrophe, es geht mir nicht gut dabei, wenn ich so etwas sehe. Nicht umsonst ist nicht nur das Quälen von Tieren, sondern sind auch diese Bilder verboten. Dazu kommt, dass solche Bilder und gegebenenfalls auch Videos Trittbrettfahrer zu ähnlichen Taten veranlassen können. Die Hemmschwelle sinkt, je öfter solche Bilder gesehen werden, das ist kriminalwissenschaftlich erwiesen. Im Gegenteil, es kann sein, dass sich potentielle Täter noch provoziert fühlen etwas noch Schlimmeres zu machen. Das ist ein Hauptgrund dafür, dass so etwas nicht gepostet werden darf.

Was wäre dann also die richtige Vorgangsweise, um auf Tierleid durch Quälerei aufmerksam zu machen?
Wer aufrütteln will, soll mit Worten beschreiben, was passiert ist, was er beobachtet oder auf Bildern, Videos gesehen hat. Worte dringen nicht so in unser Unterbewusstsein ein, der Leser hat die Möglichkeit, sich innerlich abzugrenzen. Eine seriöse Tierschutzorganisation zum Beispiel würde bestenfalls einen Link zu Bildmaterial posten, mit dem Hinweis darauf, worum es sich handelt. So können Menschen selbst entscheiden, ob sie das ansehen wollen, und z.B. auch Kinder schützen.

Wenn nun jemand im Freundeskreis solche Bilder postet oder teilt?
Bei Facebook gibt es die Möglichkeit, unangebrachte Bilder zu melden. Das sollte man wahrnehmen. Außerdem würde ich denjenigen darauf aufmerksam machen, dass er sich mit diesen Bildern strafbar macht und keineswegs Tiere vor weiterem Leid bewahrt.
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