22.02.2017, 08:30 Uhr

Heimat bist du schlauer Köpfe

Bezirkskoordinatorin Alexandra Bauer mit ihrer 10-jährigen Tochter Rosalie, die besonders für Literatur brennt. (Foto: Talkner)

Es sind nicht die rauchenden Schlote, die den Bezirk Tulln in Zukunft weiterbringen werden, sondern die rauchenden Köpfe.

BEZIRK TULLN (bt). Laura (8) liebt die Chemie. Unlängst hat sie ihre Eltern mit einem Experiment geschockt. Mit einem Handy-Ladegerät hat das Mädchen Elektrolyse von Wasser betrieben und Knallgas erzeugt. Als sie ihren Eltern die kleine Explosion vorführte sagte sie: „Das ist die Zukunft der Autos. Bald werden alle damit angetrieben.“
Laura ist ein schlaues Mädchen, hat eine Spezialbegabung und ist - kein Einzelfall. Um Kinder wie sie kümmert sich die NÖ-Begabtenakademie. In ganz Niederösterreich gab es seit 2007 3.600 Kurse mit insgesamt 20.000 Teilnehmern. Im Bezirk Tulln besuchten 57 Kinder die Angebote im Schuljahr 2016/17. Derzeit werden im Bezirk 18 Kurse angeboten (Siehe zur Sache.) Die Bezirksblätter haben sich in der Region umgesehen und Talente und Kursleiter mit erstaunlichen Geschichten gefunden.

Herz schlägt für Literatur

Rosalie aus Fels am Wagram spielt Flöte, besucht einen Englischkurs, dichtet, verschlingt Bücher und arbeitet selbst an einem - und das mit zehn Jahren. Lesen und schreiben hat sie schon früh gelernt, angetrieben von ihrer Neugier. "Mit drei Jahren hat sie gesagt ,ich will endlich verstehen, was in dem Buch steht'", erinnert sich Papa Heribert Bauer. Mama Alexandra Bauer ist Bezirkskoordinatorin der Begabtenakademie, und so lag die frühe Förderung nicht fern. "Experimentieren, basteln, schreiben und dichten", deswegen nimmt Rosalie an den verschiedensten Kursen teil. Kürzlich zum Thema Steinzeit: Stolz zeigt die 10-Jährige ihre getöpferten Schalen und erzählt über Ötzi und die Venus von Willendorf. Auch ihre Gedichtsammlung will präsentiert werden: "Sommersonnenstrahlen sehe ich durchs Fensterglas - schnell raus ins Freie", hat die Volksschülerin ihre Gedanken niedergeschrieben. Später will sie an einem Gymnasium unterrichten, passenderweise Deutsch.

Jedes Kind ist begabt

"Unsere Philosophie ist, jedes Kind hat in irgendeinem Bereich eine Begabung, und die gilt es herauszufinden", so Alexandra Bauer. Anzeichen sind etwa hohe und ausdauernde Konzentrationsfähigkeit, oder frühes Fachwissen in einem bestimmten Bereich. Die Einschätzung von Lehrern kann helfen, und wird auch für die Begabtenakademie benötigt. "Auf die Note wird dabei nicht geschaut. Das Kind muss sich interessieren, mitarbeiten und mit Begeisterung bei der Sache sein." So soll Desinteresse im Kurs vorgebeugt werden.
Die Akademie will schlummernde Begabungen wecken und fördern. "Eine Begabung, die sich im Optimalfall zu einer Hochbegabung entwickeln kann", erklärt die Koordinatorin und fügt hinzu: "Natürlich hilft auch die beste Genetik nichts, wenn es kein begabungsfreundliches Umfeld gibt." Begabt bezieht sich dabei nicht nur auf kognitive Fähigkeiten, sondern kann sich auch durch handwerkliches oder soziales Geschick äußern.

Fähigkeiten können verkümmern

Werden Fähigkeiten nicht erkannt und daher nicht gefördert, drohen sie zu verkümmern: "Das Kind wird in diesem Bereich durchschnittlich bleiben." Nur ein geringer Prozentsatz kommt in fortgeschrittenerem Alter selbst darauf zurück. "In Schulen habe ich dann sogenannte Underachiever (=Minderleister), deren Leistungen wesentlich unter ihrem Potential liegen. Mädchen neigen dann dazu sich zurückzuziehen. Klassisch sind den Unterricht stören, auffallen und schwänzen, weil der Unterricht den Kindern sowieso nichts gibt."

Mädel hängt Studenten ab

Einen Großteil der Kurse im Bezirk Tulln hält Johannes Leitner. Ein 10-jähriges Mädchen hat ihn dabei besonders beeindruckt: "Egal welches astronomische Thema ich angesprochen habe, sie hat die Definition aus dem Lehrbuch gekannt. Die schlägt einen Astronomiestudenten im ersten oder zweiten Semester." In der Hand solcher Kinder liegt die Zukunft von Wissenschaft und Technik. "Das ist der Grund warum ich mich engagiere." Leitners persönlicher Lieblingskurs: Die Physik von „The Big Bang Theory“, in Tulln wieder am 25. Juni. "Schon die erste Folge ist ein Paradebeispiel, da ist jeder fünfte Satz eine physikalische Aussage", schwärmt der Astrobiologe, Astronom und Astrophysiker. Diese Aussagen werden dann überprüft und durch Experimente bestätigt.

Zur Sache:

Bis zum 9. Februar haben sich 57 Kinder für 18 Angebote im Schuljahr 2016/17 im Bereich Natur und Technik im Bezirk Tulln angemeldet. Für folgende Kurse gibt es noch freie Plätze:
Kometen und Asteroiden – gefährliche Boten aus den Tiefen des Alls: 26. März, NNöMS/MMS Tulln;
Physik ist „cool“ – Experimente mit Trockeneis: 23. April 2017, NNöMS/MMS Tulln;
#Faszination Roboter: Rettungsmission und Roboterkampf – Baue und programmiere LEGO Mindstorms EV3-Roboter: 29., 30. April, BG/BRG Tulln;
Magic Physics – Wissenschaft, keine Zauberei: 13. Mai, NNöMS/MMS Tulln;
Astronomische Instrumente selbst gebaut – wir basteln ein Teleskop: 14. Mai, BG/BRG Tulln;
#Erstelle deine erste Spiele-App fürs Handy: 21. Mai, NNöMS/MMS Tulln;
#Faszination Roboter: Programmiere die „menschlichen“ Roboter Frank und Naomi: 11. Juni, NNöMS/MMS Tulln;
#Die Physik von „The Big Bang Theory“ – Teil 2: 25. Juni, BG/BRG Tulln;
Verschlüsselungstechniken einst und heute: 25. Juni, NNöMS/MMS Tulln;
Alle Angebote, genaue Infos und Anmeldung auf http://noe-begabtenakademie.at/de/angebot

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