13.07.2016, 00:01 Uhr

Nur kassiert, nix ist passiert

Rechtsanwalt Kaumberger vermutet, dass weitere Frauen hinters Licht geführt wurden. (Foto: Probst)

Betrugsprozess: 41-Jähriger soll Geld genommen, aber die Leistungen nicht erbracht haben

BEZIRK TULLN (ip). „Blind vor Liebe“ könne man das Verhalten der Inhaberin einer KFZ-Werkstatt im Bezirk Tulln bezeichnen, meinte Opfervertreter Thomas Kaumberger im Betrugsprozess gegen den ehemaligen Lebensgefährten seiner Mandantin. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten wirft dem 41-Jährigen vor, er habe von zwölf Kunden im Zeitraum von September 2014 bis Juni 2015 für Reparaturen oder den Ankauf von Fahrzeugen Anzahlungen kassiert, die Leistungen jedoch nur teilweise oder gar nicht erbracht.
Den Gesamtschaden bezifferte die Staatsanwaltschaft mit rund 42.000 Euro. Sämtliche Schadensforderungen der Opfer wies Verteidiger Herwig Ernst zurück, zumal der Angeklagte behauptet, er hätte alle versprochenen Leistungen erbracht, wenn die Firmeninhaberin den insolventen Betrieb nicht geschlossen hätte. Den Vorwurf seiner ehemaligen Lebensgefährtin, wonach er den Großteil der Anzahlungen in die eigene Tasche gesteckt habe und sie daher einem Teil der Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen hätte können, wies der 41-Jährige zurück. Als Einzelunternehmerin müsse sie nun jedoch für diese Schulden aufkommen, meinte die Zeugin, die sich mit einer Schadensforderung in Höhe von 29.000 Euro dem Verfahren anschloss.

Frauen hinters Licht geführt

„Er hat wortgewandt junge Frauen in seinen Bann ziehen können und dann immer dasselbe Spiel mit ihnen gespielt“, definierte Kaumberger den Beschuldigten und stellte damit in den Raum, dass der gerichtlich unbescholtene Mann auch in der Vergangenheit Frauen hinters Licht geführt haben könnte.

Immer nur vertröstet

Zu den Geschädigten zählen unter anderen zwei Männer aus Korneuburg. Rechtlich vertreten von Udo Hansmann schilderten die beiden – Vater und Sohn – wie sie für die Reparatur ihrer beiden Fahrzeuge Anzahlungen in Höhe von 14.000 Euro geleistet hätten. Mehrfach habe man versucht, Kontakt zu dem Beschuldigten aufzunehmen. Er sei jedoch entweder nicht erreichbar gewesen oder habe sie mit dem Fertigstellungstermin vertröstet. Als sie nach der Firmenschließung ihre Fahrzeuge abholten, habe man festgestellt, dass nichts repariert worden war.

Kein Geld erhalten

Ein Opfer aus Klosterneuburg soll dem Angeklagten 12.000 Euro für den Ankauf eines Fahrzeugs in Deutschland überlassen haben. Als er sich bei dem Verkäufer erkundigte, habe dieser trotz anders lautender Aussagen des 41-Jährigen kein Geld erhalten. Darüber hinaus habe das Opfer dasselbe Fahrzeug entdeckt, mit höherem Kilometerstand, älterem Baujahr und einem Preis von nur 9.000 Euro. „Das heißt, das Fahrzeug, das Ihnen der Angeklagte gezeigt hat, war offensichtlich manipuliert?“, wollte auch Opfervertreter Markus Freilinger wissen.

Beschuldigter leugnete weiter

„Sie haben also weder das Auto noch das Geld bekommen“, resümierte Richter Martin Kühlmayer, der nach mehrstündigem Verhandlungsmarathon den Prozess vorerst vertagte, zumal der Beschuldigte bei seiner leugnenden Verantwortung blieb. Selbst im Zusammenhang mit nicht geleisteten Unterhaltszahlungen in Höhe von rund 14.000 Euro, erklärte er bereits bei seiner Einvernahme durch erhebende Beamte, er habe nicht gewusst, dass er Unterhalte bezahlen müsse.
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