30.11.2016, 00:00 Uhr

Pilze töten Eschen im Tullner Auwald

Falsches Stengelbecherchen rottet Eschen aus. (Foto: BFW)

Gemeines Stengelbecherchen gibt Förstern und Wissenschaftern Rätsel auf.

TULLN / REGION. "Wir haben eine gewaltige Pilzwelt, jeder Baum lebt in der Symbiose mit einem Pilz, manche jedoch können einen großen Schaden anrichten", stellt Roland Jaggler, seines Zeichens Bezirksförster in Tulln, fest, wenn er durch die Au spaziert.
Das Eschentriebsterben bereitet große Sorge, verursacht durch einen Pilz sterben die Bäume zunehmend ab. Auch auf Pappel und Kiefern wirkt sich der Pilz schädigend aus.
1850 wurde der Eschen-Töter entdeckt – noch heute wird gerätselt welche Ersatzpflanzungen vorgenommen werden können. Aber auch, warum nicht alle Eschen befallen sind, wie Harald Brenner, stellvertretender Geschäftsführer Lebensregion Biosphärenpark Wienerwald, weiß: "Durch das Eschentriebsterben kommt es sowohl zu wirtschaftlichen Schäden für Forstbetriebe als auch zu ökologischen Folgeerscheinungen. Längerfristig muss aufgrund der Krankheit mit einem starken Rückgang der Baumart Esche gerechnet werden".

Glück im Unglück

Dennoch hat man im Biosphärenpark noch "Glück im Unglück", denn wir im Wienerwald haben eine andere Situation: "In den Donauauen sind die Eschen eine bestandsbildende Baumart, im Wienerwald haben wir primär Buchen und Eichen".

Myzel liegt im Verborgenen

Die Frage, was als Ersatz für die sterbenden Eschen gepflanzt werden kann, ist noch nicht geklärt: "Wir wissen nicht, was wir als Alternative hinbringen können", so Jaggler, der erklärt, dass diese Pilzgruppe jede Baumart befällt: "Wenn der einmal im Boden ist, bringt man ihn nicht mehr weg. Der große Nachteil ist, dass man diese Kerle auch nicht sieht, denn der eigentliche Pilz ist das Myzel und das ist immer im Verborgenen". Fest steht jedoch, dass auch die Wissenschaft noch an der Lösung der genauen Hintergründe arbeitet. Warum es immer wieder resistente Eschen gibt, daran werde gearbeitet.
Forstleute, Naturschützer und alle am Wald interessierten Gruppen und Personen können jetzt mithelfen: Eschen, die nicht oder nur gering vom Pilz befallen sind, obwohl sie in stark geschädigten Beständen stehen, sollten an das Bundesforschungszentrum für Wald gemeldet werden.
Ein Merkblatt mit Hinweisen zum Auffinden und weitere Informationen finden Sie online auf der Projekthomepage: www.esche-in-not.at.

Zur Sache:
Das Eschentriebsterben ist eine Infektionskrankheit, die von einem aus Ostasien nach Europa eingeschleppten Schlauchpilz (Falsches Weißes Stengelbecherchen) hervorgerufen wird, informiert Thomas Kirisits, Institut für Forstentomologie, -pathologie und -schutz, BOKU Wien.
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