17.09.2014, 00:00 Uhr

Muckendorf: "Gelb ist geringstes Übel"

Ein gut gelaunter Bürgermeister Hermann Grüssinger: Entscheidung ist gefallen. (Foto: Zeiler)

Meilenstein für Region: Orts-Chef Grüssinger fordert Lärmschutz auf Umfahrung

MUCKENDORF-WIPFING. Gut Ding brauche eben Weile – so auch die Entscheidung betreffend der geplanten Umfahrungsstraße von Königstetten, die einen Teil der Bewohner der 1.800 Seelen-Gemeinde Muckendorf-Wipfing auf die Barrikaden gehen ließ.
Der Punkt "L120 (Umfahrungsstraße Königstetten/Entlastungsstraße LB14)" sorgte Mittwoch Abend in den neuen Gemeinderäumlichkeiten für lange Diskussion bei den Kommunalpolitikern. Doch zuvor wurde Sessel an Sessel gereiht, mit so vielen Besuchern hatte man hier nicht gerechnet.
"Die Entscheidung muss heute fallen", forderte Bürgermeister Hermann Grüssinger (VP) die Gemeinderäte auf und verlas Briefe, die direkt an ihn gerichtet wurden, mit dem Inhalt, das bestmögliche Ergebnis sowohl für die Muckendorfer als auch für die Wipfinger zu erzielen.


Vorschlag Gelb/Grün wäre "typisch österreichischer Kompromiss" gewesen

Viele Gespräche wurden geführt, sowohl auf Landesebene, in Gremien und mit den Bürgermeistern, wie der Orts-Chef mitteilt. Im November 2013 war es so weit: Ein Kompromissvorschlag, eine Mischvariante, lag auf dem Tisch: "Die gelbe Variante bis zur Wipfinger/Königstetter Straße, um sodann auf die grüne Trasse umzuschwenken", so Grüssinger über den "typisch österreichischen Kompromiss, der auch nicht der gescheitestes ist".

Meilenstein für die Region

Dass die Umfahrungsstraße grundsätzlich eine Meilenstein für die Region sei, wurde in weiterer Folge angemerkt, zudem hätte das Land NÖ Gelder für diese Investition bereitgestellt, fügt er hinzu.
Elisabeth Farnik-Vogl (WMW) forderte sachlich relevante Argumente und zählte die Vorteile der Variante grün auf: "Sie ist ressourcenschonend, verbraucht am wenigsten Grünland, es ist die kürzeste Variante und vor allem kostet sie um 900.000 Euro weniger. Und jetzt soll jene an der Ortsgrenze beschlossen werden?", ist sie verwundert. "Das bedeutet, dass man 90 Prozent des derzeitigen Verkehrs an uns heranholt und dafür müssen wir auch noch bezahlen", stimmt sie dagegen.

SPÖ: Stehen nicht für Floriaini-Prinzip

Brigitte Adler (SPÖ): "Wir stehen nicht für das Floriani-Prinzip, dass wir den Verkehr weiterreichen", denkt sie an das Ende der Umfahrung und spricht das Nadelöhr in Wolfpassing sowie in weitere Folge den Kreisverkehr in Sankt Andrä-Wördern an. Schließlich seien die Bürger hierher gezogen, weil es "bei uns idyllisch" ist. Auch ging man von einer Beteiligung von 80.000 Euro aus, jetzt sei man auf 200.000 Euro fest, stellt die Politikerin fest und erteilt eine Absage: "Die grüne Trasse ist nur teuer und relativ sinnlos", spricht sie von Erpressung.

Geiger: "Keine Umfahrung ist Katastrophe für Muckendorf"
"Wenn wir bis zum St. Nimmerleinstag warten, bis ein Gesamtkonzept vorliegt", wirft Rudolf Schwarz (WMW) ein und gibt zu verstehen, dass zwar "Grün für ihn umweltpolitisch nicht tragbar wäre, diese Trasse jedoch das geringste aller Übel sei. Zugleich wartet er mit der Forderung auf, hier Lärmschutzmaßnahmen zu errichten, um es für "Wipfing erträglicher" zu machen. Dem stimmt auch Leopold Geiger zu und betont: "Die gelbe Variante ist keine Variante für Wipfing, aber gar keine ist eine Katastrophe für Muckendorf".

Laber: Entscheidung wird manche nicht befriedigen

Vizebürgermeister Leopold Laber fasst zusammen: "Es gibt ein Fülle von Argumenten" und verweist auf zwei Jahre intensive Befassung mit der Thematik. Aussagen, Wünsche und Beschwerden: Wir haben uns die Aufgabe sicher nicht leicht gemacht – die Entscheidung werde einen Teil der Bevölkerung auch nicht befriedigen, es sei jedoch die Aufgabe der Gemeindespitze, diese Entscheidung nun zu treffen. Daher stellte er folgenden Antrag: Antrag von Vizebürgermeister Leopold Laber in seiner Funktion als Fraktionssprecher der Wahlgemeinschaft Muckendorf-Wipfing:
1. Wir sehen unter Berücksichtigung aller bisherigen Fakten und Umstände die Errichtung einer Umfahrung Königstetten in der gelben Variante am wenigsten problematisch.
2. Wir erwarten uns im Rahmen der Bauarbeiten die Errichtung eines jeweils 300 m langen Lärmschutzwalles östlich und westlich der L 2133.
3. WeiterseineverkehrsberuhigendeMaßnahmebeiderEinfahrtnach Wipfing von Königstetten kommend.
4. Die Errichtung eines Radweges zwischen Wipfing und Königstetten.
5. Die Umsetzung verkehrsberuhigender Maßnahmen für die Ortsdurchfahrt Muckendorf auf der LB14:
- Erweiterung beim Einfahrtspförtner Ost
- Fußgeherübergang beim Tennisplatz
- und mögliche Maßnahmen bei der Ausfahrt in Richtung Westen.
"In Zusammenführung aller Fakten ist die gelbe Variante die vernünftigste", zieht Laber Resümee. Grüssinger nickt und kommentiert: "Das Leben besteht aus Kompromissen … ".
Die gelbe Variante (siehe Plan) wurde – mit fünf Gegenstimmen (3 SPÖ, Farnik-Vogl und Germann) – mehrheitlich beschlossen.

Stellungnahme von Königstettens Bürgermeister Roland Nagl, ÖVP:

Ihm sei ein großer Stein vom Herzen gefallen, meint Königstettens Bürgermeister Roland Nagl. "Es freut mich, dass nach der Stadtgemeinde Tulln nun auch die Gemeinde Muckendorf im partnerschaftlichen Boot sitzt." Nun werde die Planungsabteilung des Landes die finalen Planungsschritte setzen.

Zur Sache
Am 25. Juni 2013 hat der Muckendorf-Wipfinger Gemeinderat festgestellt, dass man der Umfahrung L120 grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Jedoch wurde die gelbe Variante (siehe Plan) abgelehnt, die Grüne für die beste Planung gehalten, was von elf Gemeindereiten goutiert und mit zwei Gegenstimmen beschlossen wurde.
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Tullnerfeld Initiative aus Tulln | 18.09.2014 | 18:21   Melden
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Clemens Hüpfel aus Tulln | 21.09.2014 | 10:52   Melden
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