JubiläumsRundschau
Grenzschmuggel blühte in Bad Leonfelden

Das tschechische Zollhaus wurde 1922 in Weigetschlag/Schlagl am Roßberg errichtet. Es bestand bis 1959.
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  • Das tschechische Zollhaus wurde 1922 in Weigetschlag/Schlagl am Roßberg errichtet. Es bestand bis 1959.
  • Foto: Archiv Werner Lehner
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BAD LEONFELDEN (fog). Für Leonfelden war das Ende der Monarchie vor 100 Jahren eine besonders tiefe Zäsur.
Die heutige Kurstadt rückte vom Zentrum des Habsburgerreiches an den Rand der neu gezogenen Grenzen. Denn nicht nur Österreich gründete 1918 die Republik – auch die Tschechoslowakei. Die Beziehung mit den Tschechen war von Anfang an gestört. Die vorwiegend deutschsprachige Bevölkerung im Böhmerwald sprach von der Besatzung durch die tschechische Kompanie von einer "äggelhaften Landplage", wie der Leonfeldner Heimatforscher Werner Lehner in der Hohenfurther Pfarrchronik recherchierte. 1922 wurde das tschechische Zollhaus in Weigetschlag/Schlagl am Roßberg errichtet, das bis 1959 bestand.

Zuckerschmuggel

Gleich blühte aber der Schmuggel im Grenzraum. Gelangen heute kofferraumweise Zigaretten, Alkohol oder bei uns illegale Feuerwerkskörper von Südböhmen über die Grenze ins Mühlviertel, so waren es in früheren Zeiten andere Produkte, welche die Leute begehrten.
In der Weimarerrepublik war Zucker sehr gefragt beziehungsweise Saccharin, den es in Böhmen um einiges billiger gab als in Österreich. "In Leonfelden gab es die sogenannte ’Zucker-Resl`, die bekannt war für den Saccharin-Schmuggel. Sogar in der Unterwäsche soll sie den Saccharin geschmuggelt haben", erzählt Heimatforscher Lehner. Spannende und amüsante Geschichten über das Schmuggeln sind in dem Buch „Schmuggler und Schwirzer an der böhmischen Grenz'" gesammelt, das der gemeinnützige Verein „Über d'Grenz e.V." in einer kleineren Auflage in jeweils deutscher und in tschechischer Sprache im Jahr 2012 herausgebracht hatte. Seit dem Wegfall des Eisernen Vorhangs (1989) und der geöffneten EU-Außengrenzen (2004) ist aber der Drogenhandel das größte Problem, vor allem der Schmuggel und Handel mit der Synthetikdroge Crystal-Meth.

Eiserner Zaun

Die weiteren tiefen Zäsuren in Leonfelden sind bekannt: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg von 1938 bis 1945 sowie die Errichtung des Eisernen Zauns entlang der Staatsgrenze auf tschechischem Gebiet, der die Menschen von 1950 bis 1990 trennte. Der Ansturm, den die Leonfeldner nach Aufhebung der Visumpflicht für ČSSR-Bürger mit 4. Dezember 1989 befürchtet hatten, war vorerst ausgeblieben. Nur 37 Tschechen wurden an der Grenze in Weigetschlag gezählt. Aber am ersten freien Wochenende nützten viele Tschechen die neue Reisefreiheit und an der Grenze, vor allem in Wullowitz, bildete sich ein kilometerlanger Skoda- und Lada-Stau.

Autor:

Gernot Fohler aus Urfahr-Umgebung

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