Kirche verzeichnet mehr Eintritte

In Gallneukirchen ist Pfarrer Klaus Dopler für rund 14.000 Katholiken zuständig – es ist die größte Pfarre Oberösterreichs.
  • In Gallneukirchen ist Pfarrer Klaus Dopler für rund 14.000 Katholiken zuständig – es ist die größte Pfarre Oberösterreichs.
  • Foto: Rainer Weiß
  • hochgeladen von Ingo Till

Weihnachten ist gerade erst vorbei. Die Fischliebhaber freuen sich auf den Heringschmaus im Traditionsgasthaus und in den Supermärkten macht sich bereits der Osterhase breit – oder zumindest seine Vorhut, die bunten Eier. „Das Kirchenjahr ordnet unser Leben“, sagt Gabriele Eder-Cakl, Leiterin des Pastoralamtes der Diözese Linz, „und das schätzen viele Menschen“. Auch Bildungs- und Beratungseinrichtungen oder Kinder-Spielgruppen seien den Leuten durchaus etwas wert, so Eder-Cakl weiter. Trotzdem verlassen jedes Jahr an die zehntausend Oberösterreicher die römisch-katholische Kirche, bezahlen keinen Kirchenbeitrag mehr und verzichten auf die heiligen Sakramente und alles was zum Katholisch-sein dazugehört. „Es sind oft unüberlegte Entscheidungen“, sagt der Gallneukirchner Pfarrer Klaus Dopler. Erst später würden die Menschen dann erkennen, dass es doch Sinn macht, bei der Kirche zu sein – vielfach dann, wenn etwa eine Taufe oder Hochzeit anstehen. Wichtig wäre es, so Dopler, den Beitragszahlern genauer zu zeigen, wofür das Geld eigentlich verwendet wird. Die vielfältigen Aktivitäten der Katholischen Kirche fänden oft nicht den Weg ins Bewusstsein der Leute – angefangen beim Erhalt wichtiger Kunst- und Kulturschätze über Caritatives bis hin zur Kinderbetreuung und Ähnlichem.

Für eine lebendige Pfarre

„Es muss jemand da sein für die Leute“, erklärt Landesjägerpfarrer Hermann Schein-#+ecker – er betreut die Pfarren Herzogsdorf und St. Gotthard. Damit meint er nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch die fleißigen Menschen, die nötig sind, um eine lebendige Pfarre zu pflegen. Wie in einem normalen Haushalt gibt es viele Dinge zu erledigen: Feste müssen vorbereitet werden und gleichzeitig sollte die Kirchentür den Gläubigen offen stehen. Und das Pfarrheim, so meint Scheinecker, könne ohne Weiteres das meistbesuchte Haus einer Gemeinde sein.

Ende der Abwärtsbewegung?

Zwar treten immer noch in etwa zehnmal so viele Katholiken aus, als ein. Dennoch ist die Anzahl derer, die sich verabschieden, in der Kirchenstatistik rückläufig. Die Zahl jener, die (wieder)eintreten, wächst dagegen. Jetzt schon von einer Trendwende zu sprechen, das hält Wolfgang Haudum, Pfarrer in Oberneukirchen, für voreilig. Das Gefühl, die „Abwärtsbewegung“ wäre langsam zu Ende, hat Haudum trotzdem. Die tägliche Arbeit in den Gemeinden und auch „das erkennbare Interesse der jungen Menschen an den Positionen der Kirche in Lebensfragen“ vermitteln dem Pfarrer und Seelsorger „eine wohlwollende Stimmung gegenüber der Katholischen Kirche“.

Viele Zurückkehrende

Insgesamt 958.608 Katholiken zählte die Diözese Linz zum Jahresende 2017 in OÖ. Knapp 8.800 Personen haben die Katholische Kirche verlassen, während rund 1.000 Personen zu ihr gefunden haben – Taufen und Todesfälle sind dabei nicht miteingerechnet. Auffällig ist die geringe Anzahl von nur 41 neu konvertierten. Der größte Teil der Zugänge setzt sich demnach aus Zurückkehrenden zusammen.

Beitragsstellen zusammengelegt

Für den Bezirk Urfahr-Umgebung sind keine Zahlen verfügbar, da die Diözese das Land in Kirchenbeitragsregionen teilt, die nur zum Teil mit den oö. Bezirken und Vierteln übereinstimmen. Die Beitragsregion Mühlviertel-Süd setzt sich seit Anfang 2018 aus den ehemaligen Beitragsstellen Urfahr und Perg zusammen. Hier ist die Übereinstimmung mit dem Bezirk relativ groß. Eine Statistik für diese Region wird es erst im kommenden Jahr geben.

Kommentar von BezirksRundschau-Chefredakteur Thomas Winkler:

Mitglied sein muss Sinn machen
Die Freude über den Kirchenbeitrags-Erlagschein im Briefkastl hält sich bei den meisten Katholiken in engen Grenzen. „Wofür zahl’ ich eigentlich?“, fragen sich viele. Zu Recht. Die Kirche sollte diese Frage gar nicht erst aufkommen lassen. Dass der Kirchenbeitrag viel Sinnvolles wie Kindergärten, Bildung, Beratung oder caritative Tätigkeiten finanziert, wird nicht klar genug kommuniziert. Die Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche kann und muss für die Menschen nicht mit einem direkt spürbaren "Profit" verbunden sein. Aber sie muss Sinn ergeben. Es liegt jedoch auch an den Katholiken selbst, die Sinnfrage an die Kirche zu stellen – anstatt den Erlagschein zum Grund für einen Austritt zu machen. An sinnvollen Antworten sollte es nicht mangeln, wenn man sieht, welche Arbeit Kirchenmitglieder in den Pfarren leisten.

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