Thomas Baum
"Zum Austritt gab es keine Alternative"

Autor Thomas Baum aus Puchenau
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Autor Thomas Baum im Interview zu seinem Austritt aus dem Landeskulturbeirat und zur "Ibiza-Affäre".

PUCHENAU/LINZ (fog). Der in Puchenau lebende Autor Thomas Baum schreibt Drehbücher für Fernsehserien, wie etwa "Tatort" und "Rosenheim Cops", Kinofilme (z. B. "In drei Tagen bist du tot"), Theaterstücke ("Der Fall Gruber") und Romane. Baum ist aus dem Landeskulturbeirat ausgetreten.

BezirksRundschau: Nachdem die Bestellung des Malers Odin Wiesinger in den Landeskulturbeirat bekannt wurde: War Ihnen sofort klar, dass Sie austreten?
Baum: Da gab es keine Alternative. Ich habe knapp vor der entscheidenden Sitzung davon erfahren und bin kurz nach der ersten Pressemeldung ausgetreten. Sein Frauenbild, zum Beispiel das Posting, in dem er die Rektorin der Akademie der bildenden Künste als "selten dummes und häßliches Stück Fleisch" bezeichnet und sein Kulturverständnis, wie die Bilderserie "Endsieg", sind mit meinen Überzeugungen und meinem Weltbild nicht zu vereinbaren. Ich war aber gern im Landeskulturbeirat.

Welche Reaktionen gab es nach Ihrem Austritt?
In den sozialen Medien ging es ziemlich rund. Die meisten stimmten mir zu. Einige sagten, zurücktreten sei das falsche Signal. Es gibt auch ein paar unflätige Bemerkungen. Und eine ziemlich lächerliche Drohung von Odin Wiesinger, die Landeshauptmann Stelzer dazu veranlasst hat, doch noch ein Machtwort zu sprechen und ihn für untragbar zu erklären.

Wie beurteilen Sie die derzeitige sozialpolitische Atmosphäre in Österreich?
Wir waren im hochbedenklichen Bereich. Ständig wurden rote Linien überschritten. Zuletzt die Angriffe auf die Pressefreiheit und die Hetze gegen Armin Wolf. Inzwischen wissen wir erneut, dass eine FPÖ im Machtrausch das ganze Land massiv beschädigt. Das angebliche politische Ausnahmetalent Sebastian Kurz hat ein Desaster ohne Beispiel zu verantworten.

Ihre FPÖ-kritische Rede bei einer Veranstaltung des Mauthausen-Komitees Gallneukirchen zur "Mühlviertler Hasenjagd" wurde zum Anlass genommen, dem Verein 1.500 Euro der Förderung zu kürzen. Mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP wurde diese Kürzung im Gemeinderat mehrheitlich beschlossen. Sie wissen sicher davon?
Ja, ich habe in dieser Rede aber nur Fakten dieser ständigen Grenzüberschreitungen, wie der Liederbuch-Affäre aufgezählt. Dieser Beschluss in Gallneukirchen passt sinnbildlich für den Spagat, den die Christdemokraten in Österreich seit der letzten Nationalratswahl vollzogen haben. Sie reihten ihre Ideale und Überzeugungen unter das Prinzip des Machterhalts. Zu diesem Spagat passt auch die jüngste Verschärfung der Aufnahmekriterien für den Landesdienst im Zusammenhang mit der Identitären-Diskussion – im selben Atemzug ließen sie die Nominierung von Odin Wiesinger zu, der für einen Identitären-Kongress das Plakat fabriziert hat.

Woran arbeiten Sie gerade?
Mein Kriminalroman "Kalter Kristall" ist gerade erschienen. Chefinspektor Robert Worschädl startet eine Verbrecherjagd im Grenzraum Mühlviertel und Tschechien. Und ich schreibe an einem Stück für das Theater Phönix, das im Jänner aufgeführt wird. Darin geht es um die dramatischen Verstrickungen des in der Habsburger Monarchie berühmten Schauspielers Alexander Girardi. Das Stück hat auch Linz-Bezüge.

Interview: Gernot Fohler

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