23.10.2017, 09:50 Uhr

200 Alko-Vortests in einer Nacht

(Foto: Fotolia/Gerhard Seybert)

Gegen Ende des Jahres kommt es oft vermehrt zu Alkoholdelikten. Neu ist die Alkoholwegfahrsperre.

BEZIRK (fog). Schwerpunktkontrollen der Polizei Urfahr-Umgebung finden das ganze Jahr statt. Aber spätestens Mitte bis Ende November, mit dem Aufsperren der ersten Christkindl- und Adventmärkte, wird die Exekutive noch aktiver.

Laut Bezirkspolizeikommandant Bernhard Wöss stehen neben der B127, B129 oder B125 vor allem wieder die Nebenstraßen im Fokus der Urfahraner Polizei. "Auf den Nebenstraßen passieren die meisten Unfälle aufgrund von Alkoholisierungen, wenn die Zeit der Adventmärkte und Firmenfeiern beginnt." Bis zu 200 Alko-Vortests in einer Nacht führen die Urfahraner Polizisten bei Schwerpunktkontrollen durch, so Wöss. Der Kommandant empfiehlt, auf Taxis oder Gemeinschaftsfahrten auszuweichen. Probeführerscheinbesitzer seien da oft vorbildlich.
Im Steigen ist die Zahl der sogenannten Drogenlenker (siehe Zur Sache Kasten rechts), "aber 90 Prozent der Führerscheinentzüge sind schon auf Alkohol zurückzuführen", betont Kommandant Wöss.

• Führerschein-Entzüge in UU (Quelle: BH UU): 2017: 121 Entzüge (bis 15. 10.)2016: 138 Entzüge2015: 158 Entzüge

• Statistik Alkohol- und Drogendelikte (Anzeigen) in UU (Quelle: BH UU):
2017: Minderalkohol (0,5 bis 0,8 Promille): 65; Suchtgift: 24; Alkohol (ab 0,8 Promille): 163 2016: Minderalkohol: 97; Suchtgift: 14; Alkohol: 173 2015: Minderalkohol: 75; Suchtgift: 15; Alkohol: 175

• Strafen Alkoholdelikte:
0,5 – 0,8 Promille Alkohol im Blut (Vormerkdelikt): 300 – 3.700€0,8 – 1,19 Prom.: 1 Monat Führerscheinentzug, Nachschulung, 800 – 3.700€1,2 – 1,59 Prom.: mind. 4 Monate Entzug, Nachschulung, 1.200 – 4.400€ab 1,6 Prom. od. Verweigerung: mind. 6 M. Entzug; Nachsch., Arzt, Psychologe, 1.600 – 5.900€

Alkoholwegfahrsperren

Von der Öffentlichkeit eher unbemerkt, sind am 1. September 2017 Alkoholwegfahrsperren laut dem Führerscheingesetz in Österreich möglich.
Demnach können Pkw-Lenker, die bei einer Polizeikontrolle 1,2 Promille oder mehr Alkohol im Blut hatten, die Zeit ihres Führerscheinentzugs verkürzen, indem sie im Pkw eine Alkoholwegfahrsperre einbauen lassen. Es handelt sich dabei um ein technisches Gerät, bei dem sich der Motor des Autos nicht starten lässt, wenn der Lenker einen Atem-Alkoholgehalt von mehr als 0,05 mg/l aufweist (mehr Informationen dazu im Zur-Sache-Kasten unten).

Bis dato ist bei keinem Pkw mit UU-Kennzeichen eine Alkoholwegfahrsperre eingebaut worden. "Aber es gibt bereits Anfragen. Drei bis vier Leute, die es erwischt hat, bekundeten bereits Interesse", bestätigt die zuständige Referentin der Bezirkshauptmannschaft Urfahr-Umgebung, Andrea Außerweger. Die meisten dieser Leute sind aber noch vor dem 1. September 2017 angezeigt worden. Die Wegfahrsperren dürften nur bei Alkoholdelikten ab diesem Zeitpunkt angewendet werden. Außerweger rechnet damit, dass sich Anfang November die ersten Interessenten bei der Bezirkshauptmannschaft melden werden. Die Verkehrs-Referentin als auch Polizeikommandant Wöss stehen der Einführung der Alkoholwegfahrsperre durchwegs positiv gegenüber.

Alkoholwegfahrsperren sind laut Führerscheingesetz ein "Alternatives Bewährungssystem".

Voraussetzungen:
• Alkoholdelikte, die ab 1. September 2017 begangen wurden.
• Alkoholdelikte ab 1,2 Promille
• nur Klasse B
• ein Führerscheinentzug von mindestens 4 Monaten muss vorliegen
• Die Teilnahme an der Alkoholwegfahrsperre dauert doppelt so lange wie die restliche noch nicht verstrichene Entziehungszeit, mindestens jedoch 6 Monate.
• mindestens die Hälfte der von der Behörde festgesetzten Führerscheinentzugsdauer muss schon verstrichen sein
• erst nach dem Absolvieren von Nachschulungen, Arztbesuch, etc.
• kein Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit
• Werkstatt muss die Alkoholwegfahrsperre einbauen

• Grund der Einführung: Laut einer EU-Studie lassen sich Wiederholungsdelikte um 75 Prozent senken. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt in ganz Österreich, das vom Arbeiter-Samariterbund betreut wird. Beantragt werden kann das Gerät bei der Bezirkshauptmannschaft UU.
• Das "Dräger Interlock 7000" ist eine atemalkoholgesteuerte Wegfahrsperre. Nach einer Atemalkoholmessung hindert es alkoholisierte Fahrer daran, den Fahrzeugmotor zu starten.

Kosten:
• Gerätekosten pro Tag 6,56 Euro
• Ein/Ausbau zirka 300 Euro
• mindestens 4 Stunden Gespräch mit Mentor des Samariterbunds (150,67 Euro pro Stunde)

Mehr Infos:
Service-Hotline Arbeiter-Samariterbund
Tel. 0800/211144
oder im Internet:
Arbeiter Samariterbund
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