21.11.2016, 10:30 Uhr

Forum Forstner als Teil des Stadtmuseums

Norbert Frühmann, Roswitha Panholzer, Studienrat Elmar Weinberger, Bgm. Alfred Hartl und Linda van der Lindt vor einem Entwurf für das Palais Stoclet in Brüssel (Foto: Helga Baier)

Die ersten Schritte für das Großprojekt Stadtmuseum im Leo Kultur wurden gesetzt.

BAD LEONFELDEN. Die international erfolgreiche Ausstellung "Fähnrich Forstner als Sammeloffizier auf dem Balkan" wird nun in Bad Leonfelden gezeigt. 15 kunstsinnige Leonfeldner Ehrenamtliche haben sich dafür gefunden und werden gemeinsam mit einigen Experten die Wanderausstellung im ersten Stock des Leo Kultur, erstmals im Rahmen des Leonfeldner Weihnachtsmarkts, ab 26. November und bis Ende März, präsentieren. Zur Abrundung der einstündigen Führungen wird auch das Bürgerspital und Peter Krenns renoviertes Modell ders Marktes zur Zeit Forstners gezeigt. Ein Kurzfilm von Elisabeth Pfeiler porträtiert Leopold Forstner, der 1876 im Komplex der Eyblhäuser geboren ist.

Großer Künstler

Leopold Forstner, die große Künstlerpersönlichkeit Bad Leonfeldens stand lange Zeit aufgrund seiner späten Geburt im Schatten der arrivierten Wiener Künstlergruppe der Sezession, ehe er von Gustav Klimt entdeckt wurde und ihm gemeinsam mit Koloman Moser eine Kooperation als Mosaikkünstler anbot. Forstners Werk fasziniert heute durch seine Vielseitigkeit in Technik und Formensprache, vor allem aber auch dadurch, dass er die Fähigkeit besaß, seine Werke in der angewandten Kunst vom Entwurf bis zur Endausfertigung alleine zu begleiten. Die Kirchenapsis von Steinhof ist national, das inzwischen zum Weltkulturerbe erhobenen Palais Stoclet in Brüssel gilt international als herausragendes Beispiel dieser Zusammenarbeit.

Eine besonders geschichtsträchtige Schaffensperiode – sie dauerte wohl nur 22 Monate – wird derzeit bis 31. März 2017 im Bürgerspital Bad Leonfelden, das unmittelbar neben seinem Geburtshaus steht, zum ersten Mal in Österreich gezeigt:
Leopold Forstner wurde im Februar 1917 als Sammeloffizier auf den Westbalkan beordert, um Kulturgüter und Lebensumstände der dortigen Völker zu studieren, festzuhalten und ins Heeresgeschichtliche Museum in Wien zu transferieren.
Im Hintergrund stand die Absicht der Heeresverwaltung, sich für die Zeit nach dem Krieg ein realistisches Bild über die Entwicklungspotentiale der Region zu verschaffen. Insbesondere Albanien befand sich als Brückenkopf gegen Russland für die Monarchie im Mittelpunkt des Interesses.
Forstner brachte 222 Objekte nach Wien und fertigte rund 100 großflächige Zeichnungen, teilweise auch koloriert an: Portraits, Volkstypen, -trachten, Kulturtechniken, Kirchen, Moscheen und typische Ortsansichten.
Aus allen ist großer Respekt vor den dortigen Menschen und ihrer Seele ablesbar. Künstlerische Aspekte verbinden sich harmonisch mit konkreter Erzählkunst.
Die Ausstellung war seit der Landesausstellung 2013 in sechs Balkanländern unterwegs, wurde dort als Zeichen gegenseitiger Achtung gewertet und von höchsten Würdeträgern der Länder besucht. Eine Ausstellung wurde sogar durch Außenminister Kurz persönlich eröffnet.

In Bad Leonfelden wird sie sozusagen als „Finisage“ ab sofort jeden Mittwoch für Führungen um 14 und 15 Uhr geöffnet sein. Für Gruppen ab acht Personen werden nach Voranmeldung im Tourismusbüro (07213/6397) Führungstermine organisiert.
Neben den 70 gezeigten Bildern wird auch ein zu diesem Anlass produzierter Kurzfilm von Elisabeth Pfeiler das Gesamtwerk Forstners vor Augen führen.
Der Ausstellungsort, das revitalisierte Bürgerspital mit seiner spätgotischen Kirche, bildet den beeindruckenden Rahmen für eine besondere Schau.
Eintritt: 3 Euro (ab 13 Jahren empfohlen).
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