29.09.2014, 08:22 Uhr

Pühringer eröffnete Ausstellung "Die Könige des Böhmerwaldes"

Jan Sechter, Josef Pühringer und Alfred Hartl (v. l.). (Foto: Foto: Land OÖ)
BAD LEONFELDEN. Gute Nachbarschaft heißt, nicht einfach nur nebeneinander her zu leben, sondern auch, unterschiedliche Positionen und Meinungen in einem wertschätzenden Diskurs miteinander auszutauschen“, betonte Landeshauptmann Josef Pühringer bei der Eröffnung der Ausstellung „Die Könige des Böhmerwaldes“ gemeinsam mit dem Botschafter der Tschechischen Republik in Österreich Jan Sechter am 27. September in Bad Leonfelden.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren habe sich gezeigt, wie sehr Österreicher und Tschechen die 40 Jahre kommunistischer Herrschaft voneinander entfremdet haben, nachdem die gemeinsame Geschichte, menschliche und kulturelle Verbindungen jäh unterbrochen worden waren. Vieles an Wunden und auch an Vorurteilen, die noch vom Zweiten Weltkrieg herrührten, waren geblieben. „Daher können wir es gar nicht hoch genug einschätzen, dass wir im vergangenen Jahr die gemeinsame Landesausstellung mit Südböhmen unter dem Titel ‚Alte Spuren. Neue Wege’ mit mehr als 280.000 Besucherinnen und Besuchern erfolgreich ausgerichtet haben und auch die bilateralen Kontakte auf kultureller und wirtschaftlicher Ebene mehr denn je gepflegt werden“, erinnerte Pühringer an seine Gespräche mit Kulturminister Daniel Herman, Verkehrsminister Antonin Prachar und Staatspräsident Milos Zeman vor wenigen Wochen in Prag.

„Es ist wichtig, dass wir immer wieder Initiativen setzen, um Brücken zu bauen und um wichtige Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu dokumentieren - und es sind nicht nur die glorreichen Kapitel unserer Vergangenheit, sondern auch die dunklen, wie sie in dieser Wanderausstellung gezeigt werden. Denn jenen Menschen, die in der Zeit nach der kommunistischen Machtübernahme 1949 – oft unter Einsatz des eigenen Lebens – anderen Menschen zur Flucht in den Westen verholfen haben, die den, wie er in Tschechien genannt wird, ‚Dritten Widerstand’ geleistet haben, gebührt unser großer Respekt“, betonte Pühringer.

Zur Ausstellung:
Die vom Prager Institut für das Studium totalitärer Regime konzipierte Ausstellung Die Könige des Böhmerwaldes beleuchtet die Tätigkeiten der sogenannten Kuriere und Schleuser im westlichen Böhmerwald, die unter Einsatz ihres Lebens tschechoslowakischen Bürgern in die Freiheit verhalfen und für ausländische Nachrichtendienste auf dem tschechoslowakischen Staatsgebiet wertvolle Informationen sammelten. Zahlreiche wurden von den Grenzwachen und dem Nationalen Staatssicherheitsdienst aufgegriffen und zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt, beinahe vierzig sogar zum Tode. Neben ihren Schicksalen beinhaltet die illustrierte Dokumentation Abschnitte über Angehörige des Nationalen Staatssicherheitsdienstes, ausländische Exilzentren, Propaganda in Film sowie Literatur und Veränderungen in der Landschaft / Besiedlung des Böhmerwaldes. Besondere Aufmerksamkeit kommt der bisher wenig bekannten „Aktion Stein“ zu, mit der Flüchtende vom Nationalen Staatssicherheitsdienst in fiktive amerikanische Geheimdienste gelockt wurden.

Die Ausstellung Die Könige des Böhmerwaldes in den ehemaligen Eybl-Häusern von Bad Leonfelden (Kulturzentrum Leo-Kultur) ist bis 15. Dezember 2014 geöffnet. Sie gibt Einblick in einen Abschnitt der Geschichte, den Tschechen, Deutsche und Österreicher teilen – eine Nachkriegsgeschichte, die nicht nur Gewalt, sondern auch Solidarität und Hoffnung widerspiegelt. Ausstellung und Katalog sind zweisprachig (Deutsch-Tschechisch).
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