15.10.2014, 06:30 Uhr

"Weiß nicht, ob ich wieder Landarzt würde"

In den nächsten Jahren gehen einige Ärzte im Bezirk in Pension. (Foto: Monkey Business/Fotolia)

Zum dritten Mal sind derzeit Kassenarztstellen in Feldkirchen und Bad Leonfelden ausgeschrieben.

BEZIRK (dur). Ende des Jahres geht Heinz Schiller in Feldkirchen in Pension. "Als Praktiker die Leute jahrelang zu begleiten ist schön. Vor 30 Jahren war die Landarztpraxis die richtige Entscheidung für mich. Ob ich es jetzt wieder täte, weiß ich nicht, das Berufsumfeld ist deutlich schlechter geworden", sagt er.
Einen Interessenten für die Nachfolge gibt es. "Der Arzt wäre ein Glücksfall für uns. Ich werde mich bemühen, dass wir das hinbekommen", meint Bürgermeis- ter Franz Allerstorfer. In Bad Leonfelden ist Hermann Reingruber noch bis Ende März 2015 im Dienst. "Einen Interessenten gäbe es, seine Entscheidung ist unsicher. Ich weiß nicht wie es weitergeht, aber ich habe nicht vor zu verlängern", sagt Reingruber, "die jahrelange Betreuung von Patienten hat schon viel Freude gemacht. Uns alte Praktiker erfüllt dies noch."

Ein Arzt ist zu wenig
Müsste die Praxis schließen, gäbe es nur mehr einen Kassenarzt für mehr als 4000 Einwohner. "Einer alleine kann das nicht managen, das ist unvorstellbar. Die Bewohner der Randgebiete könnten in andere Gemeinden ausweichen, aber jene der Kernzone würden im Regen stehen", sagt Reingruber. "Es wird nicht leicht, aber ich bin optimistisch, dass wir eine Lösung finden", sagt Bürgermeister Alfred Hartl. Der Altenberger Berthold Kiblböck hat seine Nachfolge früh geregelt und die Praxis drei Jahre mit Sohn Christoph geführt, seit April arbeitet dieser alleine. "Ich habe mir vieles angesehen. Für mich ist eine Praxis am Land das Passendste. Ich finde es schön, wenn man bei Risikofaktoren ansetzen und Krankheiten vorbeugen kann, im Krankenhaus repariert man nur", erzählt Chris- toph Kiblböck.

Probleme der Berufsgruppe
"In den nächsten Jahren gehen viele Ärzte in Pension, das wird ein Problem. Die Neuregelung des hausärztlichen Notdienstes (HÄND) ist zwar eine Erleichterung, aber die vielen Vorgaben tun sich die wenigsten an und werden Wahlärzte", weiß Reingruber. "Eine Praxis am Land ist anders als in der Stadt. Dies sieht man nur in der Praxis selbst. Jungärzte haben oft Angst, diese zu übernehmen", ist sich Schiller mit Kollegen einig. Gesundheitsreferent Landeshauptmann Josef Pühringer verweist darauf, dass "die von mir seit Langem geforderte Reform der Ärzteausbildung mit verpflichtender Lehrpraxis auf Bundesebene nun endlich umgesetzt wurde und voraussichtlich mit Jahresbeginn 2015 in Kraft tritt".

Weitere Maßnahmen in Arbeit
"Viele Ärzte wandern aus, weil es im Ausland attraktivere Angebote gibt. Europaweit mangelt es an Ärzten, dies hat sich schon vor Jahren abgezeichnet. Die Politik hat Maßnahmen verschlafen", meint Bezirksärztevertreter Alexander Gallee aus Vorderweißenbach. Ein Maßnahmenpaket zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses hat Pühringer bereits in Auftrag gegeben und lässt prüfen, in welchen Regionen es Versorgungsprobleme geben könnte. "Mittelfristig wird die Medizinische Fakultät in Linz zur Entspannung der Situation beitragen", so der Landeshauptmann zuversichtlich.
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Ruth Dunzendorfer aus Urfahr-Umgebung | 14.10.2014 | 16:29   Melden
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