05.10.2017, 08:28 Uhr

Transfersystem bei Lehrlingen wie bei Kickern?

Teen soccer player (Foto: panthermedia_net - Xalanx_)

Kein Scherz: Weil gut ausgebildete Lehrlinge oft wechseln, wird über ein Transfersystem diskutiert.

BEZIRK. (fog). Der harte Kampf um Lehrlinge und gut ausgebildete Fachkräfte bekommt eine neue Facette. In manch oö. Unternehmerkreisen wird über ein Transfersystem nachgedacht.

"Kleine" geben öfter auf

In Urfahr-Umgebung haben vor allem die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) oft das Problem, das ihnen die frisch ausgelernten Fachkräfte von großen Industriebetrieben in Linz abgeworben werden. Mit diesen Gehältern könnten die „Kleinen“ nicht mithalten, erklärt Reinhard Stadler, Obmann der Wirtschaftskammer Urfahr-Umgebung. Die Zeit und der Aufwand, welche die Urfahraner Unternehmen in die Lehrlingsausbildung stecken, kann also mit einem Schlag zunichte sein.

Transfersystem?

Ein Lösungsansatz wäre eben, für einen ausgebildeten Lehrling eine Ablösesumme zu verlangen. In Anlehnung an die Transfers bei den Fußballern soll der Stammverein, der einen Spieler ausgebildet hat, weiterkassieren, wenn dieser wechselt. „Die Idee, ein Anreizsystem zu schaffen, damit mehr Lehrlinge ausgebildet werden, ist an sich nicht schlecht“, meint WKO-Obmann Stadler, „aber ein Transfersystem wird sich in der Praxis nicht durchsetzen lassen“. Einzelhandelsunternehmer Willi Ganglberger denkt, die Problematik betreffe mehr die Gewerbebetriebe und nicht den Lebensmittel-Einzelhandel.
Das Unternehmen Sano in Lichtenberg fände ein Transfersystem ebenso nicht richtig. „Ein Ausgelernter geht oder bleibt im Betrieb nicht wegen dem Geld“, so Elisabeth Bierma von Sano.

Weniger Lehrbetriebe

Obwohl Lehrlinge derzeit im wahrsten Sinne des Wortes „Mangelware“ sind, gibt es in Urfahr-Umgebung von Jahr zu Jahr weniger Betriebe, die ausbilden. Per 31. Dezember 2016 waren es genau 230 Firmen, das Jahr zuvor 241 und Ende 2014 waren es 261. Im Jahr 2007 bildeten noch 311 Unternehmen Lehrlinge aus. „Die größeren Betriebe setzen weiterhin auf Lehrlingsausbildung, aber viele kleine geben auf“, weiß Franz Tauber, Geschäftsstellenleiter der WKO UU. Der Tenor der KMU: Zuerst habe ich Mühe einen Lehrling zu finden und dann wird er mir abgeworben! Zum Teil hängt es auch an den gesetzlichen Vorschriften. Tauber: „Spengler-Lehrlinge dürfen nicht auf ein Dach steigen und in der Gastronomie gibt es Nachtbeschränkungen.“

Mehr Schüler

Der Lehrlingsmangel im Bezirk hat folgende Hauptursachen: Zum einen würden derzeit geburtenschwache Jahrgänge zur Ausbildung stehen. Der demographische Wandel mache sich bemerkbar. Und: „Zwei Drittel aller Pflichtschulabgänger gehen in eine höhere Schule weiter – nur ein Drittel macht eine Lehre. Und von diesem einen Drittel fangen zwei Drittel die Lehre bei einem Linzer Betrieb an – nur ein Drittel bei einem Urfahraner Unternehmen“, beschreibt Tauber das Dilemma.
„Unsere größten Konkurrenten sind in Wahrheit die höheren Schulen“, weiß auch WKO-Obmann Stadler. Denn so begehrt die Lehrlinge sind, ihr Stellenwert in der Gesellschaft ist nach wie vor niedrig. Noch dazu würden die höheren Schulen zum Teil ihr Niveau senken, damit sich die Zahl der Schüler nicht verringert.
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