Predigtdienst, Häppchen

Im Rahmen meines neuen Projektes versuche ich, anhand der Ideen, die ich in einem vor ein paar Monaten veröffentlichten Heftchen (online) dargelegt habe, das jeweilige Sonntagsevangelium aus dem katholischen Gottesdienst zu kommentieren.

Hier, als kleine Kostprobe, das Kommentars zum letzten Sonntag (4. Fastensonntag; Lesejahr B):

***

Text des Evangeliums:
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, daß seine Taten in Gott vollbracht sind.

Die in Vers 14 angesprochene Stelle im Buch Numeri lautet:
Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut,
es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig.
Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen und viele Israeliten starben.
Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk.
Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.

Als das Volk Israel während seiner Wanderung aus seinem materiell gesicherten Sklavendasein im reichen Land Ägypten in Richtung „gelobtes Land“ durch eine von den Segnungen der Kultur freie, dem Leben feindliche Wüste zog, begann die Mehrheit der Wenigen, der „Auserwählten“, der „Priesternaturen“ über ihr Schicksal zu murren. Sie hätten es wohl vorgezogen, ihre besondere Beziehung zu ihrem (inneren) Gott, ihre stets prekäre „halbe Freiheit“ wieder gegen das Aufgehobensein, gegen die gesicherten Verhältnisse ihrer Sklaverei einzutauschen.
Dieser Verrat der Priesternaturen an ihrem Selbst, den der Lauf der Welt, die große „Tatsache“, in der Regel belohnt, wird im Buch der göttlichen „Wahrheiten“, der Bibel, bestraft. Gott sendet „Giftschlangen“, die die sich an ihrem Selbst versündigenden Priesternaturen beißen, ihnen weh tun, sie töten. Wer den inneren Drang zu Freiheit und Individualität trotz äußerer Korruption durch die Wohltaten der Welt nicht zum Schweigen bringen kann, weiß, was die Kinder Israels damals quälte.
Moses, der Befreier aus der Sklaverei, der Verführer zu einem prekären Leben in der Wüste, zu einem unsteten Leben auf Wanderschaft in irgend ein „gelobtes Land“, will sich und die Seinen retten. Er zeigt den Auserwählten, was ihnen droht. Es sind Schmerzen, Bisse, die physische Auslöschung, derer die Priesternaturen gewahr werden sollen. Das Risiko des Hereinbrechens solcher Dinge ist unvermeidbar für jedes „Kind Gottes“.
Diese Qualen stellt er auf eine höhere Stufe indem er sie „erhöht“, ihnen die Alltäglichkeit und Zufälligkeit, das ist ihre „Lebendigkeit“, nimmt und ihnen Sinn, das ist „Ewigkeit“, gibt. Das ist kein Leiden um des Leidens willen. Die Priesternaturen geben ihr Selbst nicht preis. Sie sehen auf die Schlange und besiegen damit die Welt. Ihr „innere Gott“ bleibt am Leben.

Der Tod am Kreuz, und den meint Christus, wenn er davon spricht, dass er erhöht werden muss, um den Sieg über die Welt erringen zu können, um die Regeln des Lebens durch seine Auferstehung zu nihilieren, ist die Rache der Herrschenden an unbotmäßigen Knechten. Das Kreuz steht für die Verachtung des Lebens für all diejenigen, die sich ihm nicht unterwerfen wollen, die nicht buckeln und treten, die nicht totbeißen und freiwillig totgebissen werden wollen. Es steht für den Tod Gottes, denn Gott ist Auflehnung gegen die Welt.
Erkennen zu können, was die Welt, das Leben, das Universum von den Priesternaturen will, ihren Tod nämlich, und dennoch seine Priesterlichkeit gegen alle Anfeindungen zu verteidigen, das ist, was die „Erhöhung“ Christi für die Seinen zu leisten vermag.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen