Gemeinderatswahlen 2021
Finkenstein – Passen GTI- oder Harleytreffen zu einer nachhaltigen Gemeinde?

Christian Puschan (FPÖ), Christian Poglitsch (ÖVP), Christine Sitter (SPÖ), Brigitte Schmaus (Grüne), Marko Ressmann (EL)
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  • Christian Puschan (FPÖ), Christian Poglitsch (ÖVP), Christine Sitter (SPÖ), Brigitte Schmaus (Grüne), Marko Ressmann (EL)
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FINKENSTEIN. Die WOCHE fragt auch diese Woche Spitzenkandidaten nach Brennpunkt-Themen aus der Region. Dieses Mal an der Reihe ist die Markgemeinde Finkenstein. Unser Themen sind Tourismus und Wirtschaft. 

WOCHE: Jährlich sorgen Veranstaltungen wie GTI- und HarleyTreffen für Kritik. Wie verträgt sich der Motor-Tourismus mit den Bemühungen den sanften Tourismus (Rad- und Wanderwege) zu etablieren und zu fördern? Wie passt der "Motor-Tourismus" zu einer modernen umweltbewussten Gemeinde?

Brigitte Schmaus (Grüne):  Finkenstein und die Region sind durch Natur und Erholungsmöglichkeiten, wie Radfahren, Touren, Schwimmen, Slow Food.... prädestiniert für Sanften Tourismus. Das steht im krassen Widerspruch zu Events wie GTI und Harley unter denen die Bevölkerung jedes Jahr aufs Neue leidet. Natürlich leben unsere Tourismusbetriebe auch von GTI und Co, aber auch viele Touristiker nehmen diese Events nur mangels Alternativen in Kauf. Deshalb ist es an der Zeit, ein stufenweises Konzept zum Ausstieg aus dem Auslaufmodell Motorsport hin zu einem nachhaltigen und sanften Tourismus vorzulegen: Den Anfang könnte schon in diesem Jahr "Faaker See autofrei" machen, nach dem Vorbild von Wörthersee und Ossiachersee. 

Christian Poglitsch (ÖVP): Der Motor-Tourismus in der Vorsaison (GTI) und am Ende der Hauptsaison lassen sich durchaus mit den Bemühungen um einen sanfteren Tourismus vereinbaren. Bekanntlich macht die Dosis das Gift. Bei GTI sehe ich sehr kritisch, dass es mittlerweile zu viele Vor-, Nach- und Herbsttreffen der GTI-Szene bei uns gibt. Würde das GTI-Treffen in seiner ursprünglichen Form stattfinden, wäre das für alle Seiten akzeptabel. Das Harley-Treffen ist weniger ein Problem, da es sehr konzentriert als Höhepunkt am Ende der Hauptsaison stattfindet.

Christian Puschan (FPÖ): Wir in der Marktgemeinde Finkenstein nehmen die Bedürfnisse unserer Bürger und Gäste sehr ernst. In der Vor- und Hauptsaison leben wir die Erholung und somit den sanften Tourismus. Das Harley-Treffen ist ein wichtiger wirtschaftlicher Impulsgeber für die Gemeinde und ganz Kärnten – es gehört zum Faaker See wie der Faaker See auch zu Harley-Davidson gehört. Der Großteil unserer BürgerInnen steht auch hinter dem Harley-Davidson-Treffen. Die Veranstaltung, die derzeit die Nachsaison unseres Tourismus belebt und der sanfte Tourismus können durchaus nebeneinander existieren hier sind die Tourismusverantwortlichen allerdings aufgefordert der Nachsaison als Zusatzangebot – wie in Salzburg, Tirol und der Steiermark seit Jahrzehnten üblich – mit entsprechenden Angeboten (Wandern, Radfahren und Heimatherbst) für einen sanften Tourismus noch mehr Augenmerk zu schenken. Das GTI-Treffen ist keine Veranstaltung unserer Region.

Christine Sitter (SPÖ): Positionierung (Slowtrails usw.) ist nicht Sache der Gemeinde sondern des Tourismusverbandes, der Destination und der Kärnten Werbung. Ja, es braucht in dieser Causa dringend klare Lösungen für die Unternehmen, wie auch für die Bürger. Umweltbewusstsein und Wirtschaft muss nicht immer ein Widerspruch sein. Die richtigen Konzepte können vieles klären. Es braucht eine präzise, mit den Tourismusverband abgesprochene Festlegung diverser Veranstaltungen. Motorbezogene Veranstaltungen wären grundsätzlich nur in der Vorsaison anzusetzen, dies mit nur ausgereiften und praktikablen Konzepten (Verkehr- Sicherheit- Kapazität und Lärm). Ein Blick auf die Wertschöpfung sollte ebenfalls gemacht werden, so lange es keine alternativen Konzepte gibt.

Markus Ressmann (Enotna Lista): Die angesprochenen Veranstaltungen verursachen viel Lärm, belasten die Umwelt und den Großteil der Bevölkerung. Sie bringen zwar einiges an Nächtigungen, schädigen aber nachhaltig das Image eines naturnahen, sanften Tourismus. Hier wird in nächster Zukunft eine klare Richtungsentscheidung fällig, hoffentlich zugunsten der Natur.


WOCHE: Wie machen Sie die Gemeinde attraktiv für Wirtschaftsansiedelungen?

Brigitte Schmaus (Grüne): Finkenstein punktet durch die Lage im Dreiländereck und ein hohes Potential an Lehrlingen und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Wir streben die Förderung und Ansiedelung von Green-Tech-Betrieben an - auch in Ergänzung des Sanften Tourismus. Obwohl Finkenstein noch über ausreichend für Industrie und Gewerbe gewidmete Flächen verfügt, sollten wir nicht alles nehmen was kommt, sondern diese Ansiedelung gezielt steuern: Ein Billa auf der anderen Straßenseite von Spar macht keinen Sinn - noch dazu wenn in anderen Gemeindeteilen (zB Ledenitzen, Latschach) die Nahversorger vollkommen fehlen. MIt gezielter Widmung, Förderungen, sowie Nutzung der Leerstände können wir für moderne, nachhaltige Unternehmen attraktive Standorte entwickeln.

Christian Poglitsch (ÖVP): Alleine schon unsere verkehrsgünstige Lage im Alpe-Adria Zentralraum, die Nähe zur Stadt Villach und die hohe Lebensqualität in der Gemeinde selbst sind schon attraktive Standortfaktoren. Dazu kommen schnellstmögliche Behördenverfahren, eine gute Förderpolitik und die insgesamt sehr gute kommunale Infrastruktur. Nicht umsonst haben sich in den letzten sechs Jahren zahlreiche Unternehmen in Finkenstein angesiedelt.

Christian Puschan (FPÖ): Wichtige Rahmenbedingungen für Betriebsansiedelungen sind: Bereitstellung entsprechender Infrastruktur (Verkehrserschließung, Glasfaserausbau, Hochwasserschutz), rasche Behördenverfahren, vorausschauende Raumplanung unter Einbindung der Bevölkerung und entsprechende Förderanreize für die Firmen.

Christine Sitter (SPÖ): Das ist mit guter Infrastruktur für Unternehmen wie auch deren MitarbeiterInnen möglich. Das heißt: klare Ausweisung von Industrie- Tourismus- und Wohngebieten, verfügbare, leistbare Flächen, Datenpipeline, verfügbarer leistbarer Wohnraum, Lebensqualität in der Gemeinde (Mobilität, Kinderbetreuung, Nahversorger, Schulen, usw.) und nicht zuletzt das Image der Gemeinde. Finkenstein hat den Vorteil, im Zentralraum zu sein und von der Erreichbarkeit her, gut zu liegen. Zusammengefasst: eine Professionelle Standortentwicklung unter Einbezug aller und die Erledigung der Hausaufgaben könnten diese Attraktivität schaffen bzw. weiter ausbauen.

Markus Ressmann (Enotna Lista): Unsere Gemeinde ist durch die besonders günstige Verkehrslage attraktiv für Betriebsansiedlungen. Die Nähe zu Italien und Slowenien müsste mehr in den Vordergrund gestellt werden. Das bestehende Gewerbe- und Industriezentrum im Westen, mit direktem Autobahn- und Eisenbahnanschluss hat noch Reserven. Bestehende, ungenutzte Objekte sollten durch Unterstützung der Gemeinde einer neuen Nutzung zugeführt werden.


WOCHE: Ihre Top-3-Vorhaben?

Brigitte Schmaus (Grüne): Bildungscampus Finkenstein, Stopp der Bodenversiegelung/Bebauungs-und Verkehrskonzept, Sonnenstrom von jedem Dach.

Christian Poglitsch (ÖVP): Fortsetzung des Straßensanierungsprogrammes (inkl. Breitbandausbau)
Bildungsoffensive in Form weiterer Sanierungen der Volksschulen und der Mittelschule Finkenstein sowie die Erweiterung der Kinderbetreuungseinrichtungen.
Hochwasserschutz für die gefährdeten Ortsbereiche.

Christian Puschan (FPÖ): Unsere Ziele: Eine gesunde, lebenswerte und leistbare Gemeinde.

Christine Sitter (SPÖ): Auswirkungen der Corona Pandemie durch Hilfestellungen begegnen.
Infrastruktur für Bildung, Kultur und Wirtschaft ausbauen. Ehrliche, transparente Gemeindearbeit .. nachhaltig und nicht anlassbezogen.

Markus Ressmann (Enotna Lista): Ausbau des Geh- und Radwegenetzes, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs - Nutzung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt, auch im Tourismus und in der Wirtschaft - Erhaltung und Modernisierung aller Volksschulen und Kindergärten

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Zur Sache
Mandate Gemeinderat Finkenstein: SPÖ 12. ÖVP 6, FPÖ 4, Freie Liste Sitter 2 (tritt nicht mehr an), Grüne: 2

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