Filmkritik: Die Polizei und die toxische Maskulinität

Laurence Rupp und Anna Suk in "Cops"
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Inhalt
Chris, genannt „Burschi“, (Laurence Rupp) wollte schon von klein auf zur Wega. Und die Erfüllung dieses Traumes ist greifbarer Nähe. Bei einem Routine-Einsatz mit Wega-Leiter Konstantin Blago (Anton Noori) kommt es aber zu einer prekären Situation, die mit einem Schusswaffengebrauch und einem Toten endet. Chris wird von seinen Kollegen als Held gefeiert, auch die Vorgesetzten stehen hinter ihm. Doch sein Vater (Roland Düringer), ebenfalls Polizist, und seine Freundin, Polizeianwärterin Nicky (Anna Suk) zweifeln daran, dass es ihm gut geht. Immerhin ignoriert er deutliche Zeichen posttraumatischen Stresses, um seinen Platz bei der Wega nicht zu verlieren…

Doing bad things to bad people
Schon mit seinem letzten, auf einer wahren Geschichte basierendem Kurzfilm „Void“ hat sich Regisseur Stefan „Istvan“ Lukacs mit dem Thema Polizeigewalt auseinandergesetzt. Sein Spielfilmdebüt, produziert von Golden Girls Films („Die Migrantigen“, „Einer von Uns“), macht hiermit weiter, und beleuchtet die Vorgänge bei der Wega genauer. Der Alltag der Polizeieinheit wird hauptsächlich bei Hauseinsätzen und bei Fußballspielen als Sicherheitskräfte vorm Stadion gezeigt. Als Hauptthema des Filmes wird die Frage gestellt, ob und wie man aus einer Spirale von Gewalt ausbrechen kann. Diese Thematik zieht sich durch den ganzen Film, zeigt aber nicht nur anhand der Psyche von Chris die Auswirkungen, sondern auch anhand der von Konstantin, der seine besten Jahre eigentlich auch schon hinter sich hat. An einigen Stellen kann man von seiner Reaktion ablesen, was für ein Mensch er ist. Auffallend ist eine Szene, in welcher er ein T-Shirt mit der Aufschrift „We do bad things to bad people“ trägt. Sein Motto, und ebenfalls das seiner Wega-Einheit.

Es bleibt in der Familie
Die Wega fungiert in diesem Sinne als Ersatzfamilie, die gleichzeitig ein exklusiver Männerclub ist. Frauen sind in der Einheit nicht erlaubt (der US-Blockbuster „S.W.A.T.“ sorgte anno 2003 für Furore, weil in der Einheit eine Frau diente), und so kann auch die toxische Maskulinität zur Gänze ausgelebt werden. Damit sind männlich konnotierte Verhaltensmuster gemeint, die von einer fiktionalen Gesellschaft gelehrt werden, in der Wirklichkeit aber zu massiven zwischenmenschlichen Problemen führen.
Kameradschaft wird bei der Wega nicht nur großgeschrieben, jede andere Meinung gleicht einem Verrat. Der Gruppenzwang und die damit zusammenhängende Versagensangst hängen wie ein Damoklesschwert über den Protagonisten Chris und Konstantin.
Selbst bei Feiern führen die Männer die ernsten Gespräche, und die Frauen bleiben unter sich oder dürfen servieren. Das Konzept der Ersatzfamilie geht sogar so weit, dass die echte Familie nebensächlich wird: Wird Konstantin noch als Ersatzvater für seine „Burschen“ angesehen, so wird Chris’ leiblicher Vater für dieselbe Äußerung, „meine Burschen brauchen mich,“ kritisiert. Man sei ja ein Polizist, und kein Sozialarbeiter.

Aber eine gute Thematik und Geschichte bedeutet gar nichts, wenn der Rest nicht passt. Glücklicherweise ist die Kamera der DOPs Xiaosu Han und Andreas Thalhammer großartig, und beleuchtet immer die wichtigsten Aspekte. Der Schnitt von Julia Drack ist ebenfalls gelungen, auch wenn eine Sparing-Szene zwischen Noori und Rupp ohne Jumpcuts ausgekommen wäre, denn dadurch wird der Zuschauer daran erinnert, dass er doch nur einen Film schaut.

Schauspiel und offene Fragen

Neben dem Subtext und der Thematik ist das Glanzstück des Filmes sicher das Schauspiel. Alle Darsteller beweisen großes Talent, vor allem Hauptdarsteller Laurence Rupp, der den gequälten Polizisten mimt, Noori, der als Wega-Einsatzleiter nicht nur eine imposante Erscheinung ist, sondern der Figur auch Tiefe verleiht, und Anna Suk, deren Performance das Gewissen des Protagonisten verkörpert.

Lukacs wirft in seinem Film viele Fragen rund um Polizeigewalt, Notwehr und Trauma auf, gibt aber keine konkreten Antworten. Die Grenzen verschwimmen schnell, mit dem Finger wird nicht wirklich auf Schuldige, eher auf das System gezeigt. Das Publikum soll sich selbst überlegen, was denn nun richtig sei.

Fazit: Must See
Cops“ ist ein meisterhafter Film aus Österreich, der einige Fragen zum Polizeialltag aufwirft, aber sich weigert, konkrete Antworten zu richtig und falsch zu geben. Das Publikum wird vom fantastischen Schauspielensemble und schockierenden Momenten in den Bann gezogen, die den Film zu einem Muss machen.

Zur Sache:
Cops
Ö 2018
Genre: Drama, Action
Produktion: Golden Girls Films
Verleih: Filmladen
Regie & Buch: Istvan (Stefan A. Lukacs)
Darsteller: Laurence Rupp, Anton Noori, Anna Suk, Roland Düringer, Maria Hofstätter
Länge: 92 Minuten
FSK: 14

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