Filmreview: Der Teppich als Symbol für verlorene Maskulinität

Der Dude, Donny, und Walter beim Bowlen.

Jeff Lebowski (Jeff Bridges) will eigentlich nur in Ruhe bowlen, White Russians trinken und von allen nur „The Dude“ genannt werden. Doch sein beschaulicher Alltag wird gestört, als zwei Verbrecher ihn mit dem Millionär Lebowski (David Huddleston) verwechseln, eine Geldschuld einfordern, und auf seinen Teppich urinieren. Fortan werden er und sein Kumpel Walter (John Goodman) in eine Reihe abstruser Ereignisse rund um Entführungen, deutsche Nihilisten, eine Expressionismus-Künstlerin mit Kinderwunsch (Julianne Moore) und einem Pornoproduzenten verwickelt. Dabei wollten sie sich doch auf das große Bowlingturnier gegen Jesus (John Turtorro) vorbereiten…

Inkompetenz als Mantra

The Big Lebowski“ ist der Kultfilm der 90er Jahre. Bei seiner Erstaufführung 1997 noch als Flop geahndet, hat er nach der Heimkino-Veröffentlichung doch eine Fangemeinde gefunden. Der sorgenfreie Lebensstil des Dudes hat sogar zu einer eigenen Pseudo-Religion geführt. Eine Geschichte, die als das Konzept von verwechselten Identitäten beginnt, entwickelt sich bald zu einem Film-Noir-äsken Entführungsfall, und subvertiert das Ganze. Kleiner Fun Fact: Eigentlich bezieht sich „The Big Lebowski“ nicht auf den Titelhelden, sondern auf dessen schwerreichen Namenszwilling.

Das interessante an dem Film ist ja, dass es eine klassische Heldengeschichte ist, aber über einen Mann, der trotz besten Willens nichts auf die Reihe bekommt. Jeder seiner Versuche, etwas zu tun, scheitert letztendlich an seiner Inkompetenz. Dennoch wird er von manchen als ernstzunehmende Person wahrgenommen. Das mag wiederum an Filmparodien wie "Austin Powers", "Der Rosarote Panther" oder "Johnny Englisch" erinnern. „The Dude abides“ ist eines der unzähligen rezitierten Sager im Film, und bedeutet, dass die Hauptfigur immer beständig bleibt, auch wenn sich währenddessen die Welt um ihn herum verändert. Bestes Beispiel ist, als er versucht, seine Eingangstüre mittels eines Stuhls und einer Bodenleiste einbruchsicher zu machen, dabei aber missachtet, in welche Richtung die Türe aufgeht. Es ist eine Inkompetenz, die mit Impotenz gleichzustellen ist. Der ruinierte Teppich ist hierbei symbolisch für die verlorene Maskulinität. Der Teppich, welcher "den raum zusammengehalten hat", ist er der Grund, warum sich der Dude in ein Abenteuer stürzt, welches ihm von beginn an über seinen Kopf gewachsen ist.

Dabei ist der Dude nicht der einzige Mann im Film, der mit seiner Männlichkeit zu hadern hat. Sein Freund Walter gibt sich als harter Typ und ist sehr cholerisch, steht aber dennoch immer noch unter der Fuchtel seiner Exfrau. Der Millionär Lebowski gibt auch den großen Macker, ist aber nicht nur an den Rollstuhl gefesselt, sondern hat auch einiges an Dreck am Stecken.

Das ist nur einer von vielen Ansätzen, um den Film zu deuten. Und selbst diese Interpretation kratzt nur an der Oberfläche.

Fazit: The Big Lebowski abides

"The Big Lebowski" – eine epische Heldengeschichte um einen ewigen Versager, dessen Misserfolge eigentlich keiner Ballade bedürfen, und sie dennoch durch einen Cowboy (Sam Elliot) bekommt. Sehr zu unserer Freude.
Der Plot, der einer klassischen Film-Noir-Geschichte ähnelt, bricht herkömmliche Strukturen des maskulinen Films auf und bietet dadurch einen Blick auf eine neue Form von Männlichkeit.
Es ist ein Film, den man mindestens zweimal im Leben gesehen haben muss.

Heute um 20 Uhr im Sommerkino in Villach.

Autor:

Bernhard Mairitsch aus Villach

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