Filmkritik
Traman – Die Instagram-Lüge

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Das Kärntner-Kino lebt! Indie-Regisseur David Hofer bringt seinen neuen Film, „Traman“, in die Kinos.

Worum geht’s?
Robert Fuschnig (Michael Kuglitsch) hat das perfekte Leben: Schnelle Autos, teure Villen, gestählter Körper, immer eine andere fesche Frau an seiner Seite. So zumindest präsentiert er sich auf Instagram unter dem Pseudonym Rob Fusion. Immer auf der Suche nach noch mehr Likes, greift er in jeder Situation zum Handy. Dass seine Mutter (Dagmar Hellberg) aufgrund einer Gehbehinderung auf Pflegekraft Sunita (Nadine Zeintl) angewiesen ist, betrifft ihn nur peripher. Vor allem, da Sunita nicht mal auf Facebook oder anderen Sozialen Netzwerken zu finden ist, sieht er sie nicht einmal. Doch Roberts Online-Leben gerät zunehmend aus den Fugen, und hat auch Auswirkungen auf sein reales Leben.

Da Hofer wars, aus Klagenfurt
David Hofer ist in der österreichischen Filmwelt ein Independent-Ausnahmetalent. Nicht nur ist er ein begabter Cutter und Kameramann, er hat auch selbst geschauspielert, und führt auch schon mehrmals Regie. Seine Filme entsprechen zwar auch immer einem jeweiligen Genre, überschreiten dessen Konventionen aber, um auf die Psyche des Menschen einzugehen. Das hat er schon mit „Hammer“, seinem Kurzfilm aus dem Horror-Genre, gezeigt. Und beide Filme weisen auch Parallelen zueinander auf. Hofer geht es auch nicht um einen typischen Twist am Ende des Filmes, sondern eher darum, einen Einblick in die Psyche seiner Hauptfigur(en). Die Psychiatrie, sonst eher negativ konnotiert, wird dadurch in ein positives Licht gerückt.

Lieber Schein als Sein
Traman“ ist Hofers zweiter Teil seiner „Kärnten“-Trilogie, die mit „Valossn“ („Verlassen“) angefangen hat. Der Titel ist im Kärntner Dialekt, und bedeutet „Träumen“. Genau das ist die Scheinwelt, in welcher sich Robert befindet. „Komm auf Facebook, dann könnma Freunde werden,“ sagt der abwesende Rob zu Sunita. „Sunst nit?“, erwidert diese. Eine wirkliche Interaktion im Offline-Leben scheint unmöglich. Nur der Schein ist das Entscheidende. Das Leben in der Scheinwelt ist wichtiger als die Probleme der Realität. Weil diese eben nicht besser ist. Auch Sunita hat ihr Geheimnis und ihre Probleme, mit denen sie klarkommen muss. Aber das titelgebende Träumen ist auch sonst noch als Motiv im Film zu finden: Bei Roberts Mutter, die sich ein Leben wie in ihrer Lieblingsserie wünscht. Oder Roberts Vater (Oliver Vollmann), der in seinen Büchern und der Literatur verschwindet. Oder auch Jessie (Sandra Pascal), die von Glanz und Gloria geblendet wird. Die Social-Media-Sucht wird zwar ernsthaft, aber nie wirklich belehrend beleuchtet.

Große Schauspielkunst mit kleinem Budget

Der Film wurde mit nur 3000€ Budget gedreht. Das konnte nur geschehen, weil alle Beteiligten gratis mitarbeiten. Leider der Alltag im Independent-Film-Bereich. Aber dafür müssen auf jeden Fall die beiden Hauptdarsteller hervorgehoben werden: Denn Kuglitsch und Zeintl spielen fantastisch und geben großartige Performances ab. Sie sind auf einem derzeitigen Höhepunkt ihres Könnens, und dadurch auch die größte Stärke des Filmes. Auch die Nebendarsteller sind gut bis zumindest glaubwürdig. Dass einige davon Laien sind, merkt man zwar, stört aber nicht. Durch das geringe Budget stößt ein Indiefilm-Projekt schnell an seine Grenzen. Dennoch haben Hofer und sein Team das bestemögliche rausgeholt. Einige Kameraaufnahmen sind wunderschön gelungen, und die Instagram-Posts von "Rob Fusion" werden von zahlreichen Followern instant-kommentiert, was der Zuseher auch gleichzeitig zu sehen bekommt. 
Ein paar Szenen sind dann aber etwas zu schnell abgehandelt, sodass man nicht ganz mitbekommt, was überhaupt passiert ist. Selbst als später nochmal auf jene Szenen kurz eingegangen wird, ist noch einiges unklar. Im letzten Akt macht der Film dann auch das Versäumnis, sich nur auf eine der Figuren zu fokussieren, und der anderen kaum noch Raum zu widmen.

Fazit:
„Traman“ ist ein wunderbares Independent-Drama aus Kärnten. Die Schauspieler geben alles, und auch kameratechnisch hat der Film einiges zu bieten, soviel halt mit einem Budget von 3000€ möglich gewesen war. Zusätzlich dazu wird eine noch unbeachtete psychologische Störung näher beleuchtet. Auf jeden Fall ein Empfehlenswert.

Infobox

„Traman“
Öst 2018
R: David Hofer
B: A.W. Grill, Hannes Krakolinig
D: Michael Kuglitsch, Nadine Zeintl, Sandra Pascal, Dagmar Hellberg,…
L: 82 min
Start: 1.1. 2019

Der Film läuft momentan im Filmstudio Villach. Alle Vorführungen unter:
http://members.aon.at/filmstudiovillach/programm.htm

Autor:

Bernhard Mairitsch aus Villach

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