Der Weiher ...

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Der Weiher

Er liegt so still im Morgenlicht,
so friedlich - wie ein fromm Gewissen;
wenn Weste seinen Spiegel küssen,
des Ufers Blume fühlt es nicht.

Libellen zittern über ihn
blaugoldne Stäbchen und Karmingimpel.
Und auf des Sonnenbildes Glanz
die Wasserspinne führt den Tanz.

Schwertlilienkranz am Ufer steht
und horcht des Schilfes Schlummerliede.
Ein lindes Säuseln kommt und geht
als flüstr'es: Friede! Friede! Friede!

Das Schilf
Stille, er schläft, stille, stille!
Libelle, reg' die Schwingen sacht
das nicht das Goldgewebe schrille,
und, Ufergrün, halt' gute Wacht;
kein Kieselchen lass niederfallen.

Er schläft auf seinem Wolkenflaum
und über ihn lässt säuselnd wallen,
das Laubgewölb, der alte Baum.

Hoch oben, wie die Sonne glüht,
wiegt der Vogel seine Flügel,
und wie ein schlüpfend Fischlein zieht
sein Schatten durch des Teiches Spiegel.

Stille, stille!, er hat sich geregt.
Ein fallend Reis hat ihn bewegt
das grad zum Nest der Hänfling trug - su, su!
Breit', Ast dein grünes Tuch - su, su!

Nun schläft er fest genug!

Annette von Droste - Hülshoff

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