Literaturland Kärnten 2019
„Liebe ist das Kind der Freiheit“ 7 Fragen an Maja Siffredi, Autorin

Maja Siffredi
3Bilder

Nach ihrem Romandebüt „Frau mit Vogel sucht Mann mit Käfig“, 2017, hat die Kärntner Autorin die unter dem Pseudonym Maja Siffredi ihre Texte veröffentlicht, mit ‚#fickfisch: Feuchtgebiete für Fortgeschrittene‘ Ende November 2018 ihren zweiten Roman veröffentlicht. Ihre Themen kreisen um Beziehungen, Drogen, Gesellschaftsanalysen, Psychoanalyse, Feminismus und Sex. Eine interessante Mischung für eine Autorin in einem konservativen bis erzreaktionären Kulturland Ktn. Eine interessante Ausgangssituation um einige Fragen an Maja Siffredi zu stellen.

1.) Hi, ich bin im fernen Los Angeles, Du im schönen Kärnten, erzähle uns zuerst etwas über Dich? Woher aus Ktn/Aut kommst Du und wie bist Du zur Literatur gekommen, bzw. wann hast Du dich dazu entschlossen selbst ein Buch zu schreiben?

Maja Siffredi: Schönen guten Abend nach L.A.  Die Frage nach meiner Herkunft darf ich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht beantworten, außerdem habe ich Angst vor fremdenfeindlichen Übergriffen in meiner kärntner Heimatstadt wenn die dort erfahren dass ich Wirklichkeit aus der Obersteiermark komme ;)
Der Wunsch ein Buch zu verfassen war immer schon da, wurde zwischendurch durch andere Projekte immer wieder aufgeschoben. Als ich dann bemerkte, dass ich weder zur Bürokauffrau, Putzfrau, Köchin noch zur Tierärztin, Königin von England, Kellnerin, Kassiererin, Heiratsschwindlerin, Arbeitslosen oder gebärfreudigen Vorzeigeehefrau taugte, schaffte ich es meinen Fokus wieder auf meine Kernkompetenz zu lenken – Menschen zu unterhalten.
Aus meinem Blog „majasdirtylaundry“ entstand mein Debütwerk „Frau mit Vogel sucht Mann mit Käfig“.

2.) Du hast zwei Sexromane veröffentlicht, das zweite Buch wird vom Verlag als einen ‚Pornosatire de luxe‘ beworben. Wie findest Du deine Themen, bzw. wie wählst du deine Themen aus, die bisher alle um Beziehungen, Drogen, Existenzialismus, Beziehungen und Sex kreisen?

Maja Siffredi: Ich könnte auch über Glutenunverträglichkeiten, PMS, Vegane Nazis, Hausstaubmilben oder über errektile Dysfunktion durch Handystrahlung schreiben. Aber wen bitteschön interessiert sowas?
Über die dunkle Seite des Menschseins zu schreiben, über Tabubrüche, Randgestalten mit extremen Phantasien, dreckige Spielchen und last but not least – TITTEN – das sind die Zutaten die es braucht, um den Leser für analoge Texte zu begeistern, ihn für eine Weile mehr zu fesseln als es sein Smartphone tut.
Extreme Themen sind meiner Ansicht nach das einzige Gegenmittel gegen das digitale Heroin des kleinen Mannes.

3.) Du schreibst unter dem Pseudonym Maja Siffredi, was uns direkt zu dem Italienischen Pornostar Rocco Siffredi (690 Filme u.a. Romance, F. 1999) führt. Dein Künstlername ist also Programm. Inwieweit verarbeitest Du in deinen Romanen autobiografisches oder sind die Texte rein fiktional?

Maja Siffredi: Der überwiegende Teil der Geschichten ist frei erfunden, der restliche geklaut, aufbereitet und recycled.
Da ich sehr lange in einer Männerdomäne tätig war und auch der Großteil meines Freundeskreises aus dem starken Geschlecht besteht, habe ich unendlich viele „Bettgeschichten“ aufgeschnappt und erzählt bekommen. Daraus entstand die Idee einen weiblichen Macho zu erschaffen. Maja lebt die Rolle des großspurigen, emotional instabilen Sexfreaks. Sie ist das Pedant zu den Verrückten, die ich bisher kennenlernen durfte.
Auch wenn viele meiner (männlichen) Leser es ungern hört – Maja Siffredi ist eine Kunstfigur. Der „#Fickfisch“ und die „Frau mit Vogel“ keine autobiographischen Werke. 

4.) Beide Bücher sind bewusst feministische Romane, damit bist Du eine der wenigen Autorinnen in der Ktn. Literaturszene die zwar weitverbreitete feminine Literatur für ein überwiegendes weibliches Leserpublikum produziert. Du hast aber zwei explizit feministischen Texte vorlegt. Wie hat das Publikum deine Romane aufgenommen, bzw. wie wurden sie bisher rezipiert?

Maja Siffredi: Ich war mir bisher nicht bewusst in welche Schublade ich medial gesteckt werde – aber mit Feminismus hätte ich am allerwenigsten gerechnet. Ich mag das Wort nicht, für mich ist es auf derselben Beliebtheitsebene wie „Darmspiegelung“ oder „Emanzipation“.
Es klingt als würden Frauen den Rest der Welt verweiblichen. Das ist Bullshit Mädels! Lasst euch Eier wachsen anstatt ihm seine abzuschneiden.
Die Reaktion meines Publikums war stark abhängig von dem Ort, in dem die Lesung stattfand und natürlich auch vom Alter der Zuhörer. Und Innen.
In Wolfsberg fiel einer betagten Dame das Gebiss aus dem Mund, ehe sie zahnlos und mit hochrotem Kopf die Veranstaltung verlies. In Wien hatte ich nach dem Auftritt plötzlich einen Stalker, der mir nicht mehr von der Seite wich, bis ich mit der Polizei drohte.
Kurzum – mein Schaffen polarisiert.
Meine Person nicht. Die muss man einfach lieben.

5.) Wenn man Deine beiden Romane liest, ist man versucht an Bundesdeutsche Vorbilder zu denken, in wie weit haben Dich Bestseller und Filmhits wie „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche oder „Spieltrieb“ von Juli Zeh beeinflusst oder spielen diese Werke überhaupt keine Rolle für Dich?

Maja Siffredi: Absolut nicht. „Feuchtgebiete“ habe ich nach den ersten paar Seiten verstört und angeekelt weggelegt – es erschien mir nicht schlüssig ein Buch über Analfissuren und zweckentfremdete Avocado Kerne zu lesen.
Ich lese privat wenig bis gar keine erotische Literatur, momentan liegt „Das Licht“ von T.C. Boyle auf meinem Nachtisch. Sprachlich äußerst fesselnd finde ich Daniel Kuhlmann, Doris Knecht, Andreas Altmann, Lisa Eckart und Daniel Glatt Auer.
Und natürlich der gute, alte Bukowski – um nur einige der Großen zu nennen.
Von den Kärntner Literaten gefällt mir besonders Annemarie Seidl – ich hab selten eine Dame mit solch messerscharfem Verstand erlebt. Äußerst unterhaltsam auch Harald König, dessen Vagabundengeschichten sehr an die Reiseberichte von Andreas Altmann erinnern. Und last but not least der Kärntner Lyrikkönig Dennis Staats, Prädikat äußerst lesenswert! 

6.) Die österreichische Literatur hat einen Marktanteil von nur 0,5 Prozent am deutschsprachigen Buchmarkt. Wieso bist Du noch hier? Wäre es für Dich eine Option nach Deutschland zu gehen und wo sind für Dich die größten Probleme, aber auch Vorteile hier in Österreich im Allgemeinen und in Kärnten im Speziellen zu schreiben und zu veröffentlichen?

Maja Siffredi: Ich bin seit Dezember für das Online Magazin „Denkzeit.net“ als Kolumnistin tätig. Dort werden meine Texte sowohl in deutsch als auch in englisch und spanisch publiziert. Das Projekt wurde von Arthur Pahl ins Leben gerufen und versteht sich als Brückenbauer zwischen verschiedenen Kulturen. Es ist mir eine Ehre dabei mitwirken zu können, mein Geschriebenes einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Wer weiß schon wohin der Weg noch führt?
Wieso sollte ich nach Deutschland? Die sind doch eh schon alle hier 
Kärnten ist für mich der schönste Fleck der Welt, die Lebensqualität und die sonnige Mentalität der Menschen inspiriert mich jeden Tag aufs Neue.
Die größte Herausforderung in Deutschland sehe ich darin, dass man aufpassen muss, seine Authenzität nicht zu verlieren. Als reinrassige Österreicherin weigere ich mich einen Lebensmittelladen als „Aldi“ zu bezeichnen. Genauso wie ein Krapfen ein Krapfen ist. Und kein Berliner. Und wenn mir jemand gegen den Strich geht, ist er für mich deppert. Niemals doof.

7.) Gibt es ein nächstes Projekt?

Maja Siffredi: Misses Siffredi kommt ganz bestimmt wieder, schließlich sind alle guten Dinge drei.
Außerdem wird’s für die Protagonistin nach so viel kopulieren endlich Zeit zu heiraten, Kinder zu kriegen und fett zu werden. Un-happy End?
Man darf gespannt sein……

Ich bedanke mich für das Gespräch. Viel Erfolg für Dich und deine Texte. 

Links:
Maja Siffredi / Blog:
#fickfisch: Feuchtgebiete für Fortgeschrittene‘, Verlag SchriftStella, Villach 2018
Frau mit Vogel sucht Mann mit Käfig, Elyison-Books Verlag, Leipzig 2017

Autor:

Christine Trapp aus Klagenfurt

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
Die wichtigsten Nachrichten per Push Mitteilung direkt aufs Handy! Jetzt für Deinen Bezirk anmelden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.